Nordwestmecklenburg-Blog 2: Ost-West-Dialoge und mehr!

13.02.2018 Der Jäger...

...vor der Jagd. Auf dem Rückweg vom zugefrorenen Moorsee fährt ein silberner Pickup direkt vor meiner Nase vom Weg ab hinauf aufs Feld (und über die Wintersaat). Er hält auf einer Anhöhe und es steigen aus: der Jagdhund zuerst (Deutsches Drahthaar), der Hilfsjäger, der die Hundeleine hält, sowie der Jäger, der das Gewehr trägt. Der Hilfsjäger klappt hinten noch das Beutegitter aus, in dem sich in Kürze die geschossenen Wildschweine stapeln sollten. Dann gehen die beiden nach Osten in die winterliche Abendsonne hinein eine Strecke von ca. 200 m bis zu einem Hochsitz. In Mecklenburg müssen ja 2018 nur noch 80.000 Wildschweine (kein Scherz!) geschossen werden. Und danach müssen dann die etwa 20 Wölfe der Gegend geschossen werden, damit sie keine Schafe mehr fressen, weil die Wildschweine ja von den Jägern...usw.  Ich wünsche also den Wildschweinen viel Glück und trabe unter den Sternen zusammen mit meinem Hund schnell (jawohl!) nach Hause. Heute früh nun beim morgendlichen Hundespaziergang scheucht der Hund ein riesiges Wildschwein auf, das sich vor einem bewachsenen Söll befindet und im Kreis dreht. Es kann offensichtlich die Hinterbeine nicht mehr richtig bewegen. Zum Glück ist es weit weg und zum Glück kommt der Hund nach meinem Ruf ausnahmsweise auch mal sofort zurück zu mir. Das ist ja nicht der erste Fall dieser Art - und es nervt, denn sie treffen einfach nicht gut, diese nordwestmecklenburgischen Jäger!

11.02.2018 Auf dem gefrorenen Moorsee

Der Moorsee ist zugefroren. Und zwar nicht irgendwie, sondern spiegelglatt und glasklar wie eine riesige Glasscheibe. Und keiner interessiert sich dafür, weil die Gegend im Allgemeinen und um diese Jahreszeit im Besonderen einfach menschenleer ist. Auf diesem zugefrorenen Moorsee herrscht Totenstille. Man hört einfach nichts. Nicht mal die eigenen Schritte auf dem Eis, kein Wind, keine Stimmen, kein Schilfrascheln. Nichts. Unter dem Eis aber sieht man die Muscheln im Schlamm stecken und jedes einzelne Schilfrohr. Leider finde ich keinen eingefroreren Fisch....aber wer Muscheln kartieren möchte, sollte das jetzt tun! Denn wenn es schneit, ist das Eisglas ja dann sehr schnell mit Schnee bedeckt und das Leben unter Wasser bleibt einem für diesen Winter wieder verborgen. In der Abendddämmerung kamen dann plötzlich die Singschwäne angeflogen. Endlich ein Laut, nämlich ein Surren und Flirren am Himmel. Die Singschwäne kommen abends immer von den Feldern zurück und landen in der Mitte des Sees, wo es noch eine eisfreie Stelle gibt. Mir wurde erzählt, dass in einem der Winter vor einigen Jahren die Schwäne auf den Seen der Gegend sowie in der Ostsee im Salzhaff vor der Insel Poel über Nacht eingefroren sind. Die Nachbarin hat damals einige der eingefroreren Schwäne noch aus dem Eis retten können. Um 17:30 zählte ich auf dem Moorsee über 50 Singschwäne in der (noch) eisfreien Stelle paddeln.

09.02.2018 Feuer auf Eis

Kaum bin ich aus dem auf fast allen Ebenen gestressten Berlin raus, ist diese nervende Stadt auch schon vergessen. Zurzeit hat man dort das Gefühl, dass keiner keinen mag. Und die Politik ist auch schrecklich nervös. Nur eine Nacht nachdem die SPD denkbar gut verhandelt hat, beginnt sie mal wieder, sich selbst zu versenken. Und sogar Merkel wird sichtbar aktiv - sie gibt plötzlich Interviews, in denen sie sogar was sagt.

Hier draußen ist es einfach besser. Die Probleme die man hat, sind sehr greifbar und meist direkt vor der Haustür. Der Nachbar, zum Beispiel, hatte sofort nach meiner Ankunft zufällig das Problem, dass er Schilf auf seinem zugefrorenen Teich verbrennen möchte. Zuerst schnitt er das Schilf über dem Eis mit der museumsreifen, aber gut funktionierenden Schilfschneidemaschine, die aussieht wie eine Guillotine auf Rollen. Dann stapelte er das geschnittene Schilf zu einem Lagerfeuert und dann: dann machte er Feuer auf dem Eis! Für mich und meine 48 Jahre Lebenszeit eine echte Premiere. Ich habe noch nie Feuer auf Eis gesehen, geschweige denn persönlich auf Eis direkt neben einem Feuer gestanden, dass mich auch noch erwärmte. Spontan denkt man natürlich, da versenkt man sich jetzt gleich selbst im Eiswasser des Teichs. Aber das tut man nicht. Es wird einfach nur warm und wärmer und noch wärmer. Das Eis schmilzt nur ganz wenig und nur direkt unter dem Feuer selbst bildet sich Wasser und der ganze restliche Teich, auf dem man prima in der warmen Feuerluft stehen kann, bleibt einfach gefroren. Ein Magier, dieser Nachbar!

05.02.2018 Wismar!

In einer der üblichen Untersuchungen zur Lebensqualität in deutschen Städten hat WISMAR gestern in der Kategorie 25.000 - 50.000 Einwohner den 1. Platz bekommen! Wismar: die Stadt mit der besten Lebensqualität in Deutschland. Toll, oder? Ich finde jetzt, also 2018, Wismar tatsächlich die beste Stadt in NWM. Besser als Rostock und wesentlicher besser als das wirklich bürgerlich-spießige Schwerin mit seinem verpeilten Märchenschloß. Der Schweriner See jedoch...der ist genial!

Ich war zum 1. Mal im Sommer 1993 in Wismar und kann mich immer noch sehr gut daran erinnern. Wir waren Studenten auf einer Exkursion an die deutsche Küste, also Ostsee-DDR, Ostsee-BRD (damals gab es den Unterschied ja noch zu 100 %) und Nordsee. Wismar war der erste Stop des schicken, klimatisierten Buses. Wir durften in kleinen Gruppen durch die Stadt laufen, morgens um etwa 10:00 Uhr, um sie uns anzusehen. Weil ich immer rumgetrödelt habe und langsamer als andere war, habe ich meine Gruppe verloren und bin dann notgedrungen alleine durch Wismar spaziert. Meine Erinnerungen sind: vor der ersten Kirche auf dem Platz: Männer mit Bierflaschen. In der ersten Kirche drin wurde ich von einem alten Mann gefragt: Was wollnse hier? Doch nich etwa beten? Was klauen, nichwahr? Ich rannte fluchtartig aus der Kirche raus zurück auf den Platz. Die Männer sahen mich an. Diese Blicke, dieses Schweigen. Es war eigentlich nicht zu ertragen. Heute würde man dazu wahrscheinlich Rassismus sagen, also Ost-West-Rassismus. Ich ging weiter zum Marktplatz. Auch dort saßen Männer mit Bierflaschen um den Brunnen herum. Die Häuser waren grau und braun und komisch verputzt und verfallen. Die selben Blicke, das selbe Schweigen. Ich ging weiter zum Alten Hafen. Auf den kleinen Booten waren Männer in Ölklamotten mit Bierflaschen in der Hand. Einer trank sein Bier aus, sah mich an und warf die Flasche vor mir ins Wasser. In einem der grünen Fischernetze auf dem Beton war noch eine kleine, tote Scholle. Ich fummelte sie aus dem Netz heraus und warf sie einer Möwe vor die Füße. Die Möwe stürzte sich auf die Scholle und flog mit ihr im Schnabel davon. Keine Reaktion der Männer. Diese Blicke, dieses Schweigen. Wieder zurück am Bus sollte jeder vor dem Einsteigen dem Dozenten, der gebürtiger Hamburger war, kurz sagen, was wir gesehen hatten. Ich sagte: Männer mit Bierflaschen und eine Möwe. Er sagte nichts, machte einen Haken auf der Namensliste und ich flüchtete in den Bus. Das Foto der davonfliegenden Möwe mit Scholle habe ich immer noch. Es liegt ganz unten in der Kiste mit unsortierten Fotos.

30.01.2018 Gedichte OSTMANN-WESTFRAU
Jemand aus dem Verlag tredition.de hat eine Pressemitteilung geschrieben. Ob ich damit so glücklich bin...unterhaltsame Gedichte für romantische Seelen... nun gut. Es sind ja doch auch etwas politische und erotische Gedichte, oder etwa nicht?! Nur zwei der Gedichte würde ich persönlich für "rein" romantisch halten. Aber: an sich ist eine Pressemitteilung natürlich super: Danke Tredition.de!
Pressemitteilung 12: 2017.pdf
PDF-Dokument [372.9 KB]

29.01.2018 Ungerechtigkeiten in EUROS

Die neue Statistik ist da: in 2017 verdiente ein Arbeitnehmer in Hessen im Durchschnitt 50.000 EURO und einer in Mecklenburg-Vorpommern nur 32.000 EURO. Laut Gehaltsatlas 2018 liegt MV mit einem Verdienst von nur 73,3% des bundesdeutschen Durchschnitts schon wieder auf dem letzten Platz und Hessen ist auf dem 1. Platz (nicht Bayern sondern Hessen!). Schwerin ist im Vergleich zu anderen größeren Städten natürlich auch unterbezahlt. Vom platten Land sollte man lieber gleich gar nichts mehr schreiben. Was ich dazu sagen kann, ausser dass es ungerecht ist: ein  Angleich des Verdiensts würde sicherlich zu etwas mehr Gelassenheit der Bürger hier beitragen -- dann wählen sie auch vernünftiger.

28.01.2018 Blick nach Westen

Westlich von NWM liegt das Bundesland Schleswig-Holstein. Dort regiert Jamaika mit dem grünen Minister Robert Habeck für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung. Robert Habeck ist in seinem ursprünglichen Beruf Schriftsteller & Philosoph und hat einige Romane (gedruckt veröffentlicht) und Gedichte (online veröffentlicht) geschrieben. Außerdem führt er auf seiner Website einen Blog und schreibt natürlich auch in Zeitungen. Er hat seine Magisterarbeit über einen Dichter geschrieben und über literarische Ästhetik promoviert, erwachsene Kinder und er führt seit langem eine Ehe (das schaffen ja nicht mal die in der CSU ...). Offenbar weiß er worauf es ankommt, im Leben.

Am Wochenende nun wurde er zum neuen Parteivorsitzenden der GRÜNEN/BÜNDNIS 90 gewählt. Eine Titelzeile seiner Website ist: Fragt mich jemand, wie findest du Deutschland, sage ich: entspannt, tolerant und lässig. Das beschäftigt mich ziemlich! Ich bin im gleichen Jahr geboren, auch in der alten BRD aufgewachsen, habe auch mehrere erwachsene Kinder, war 20 Jahre mit einem Schriftsteller & Philosophen (Gregor Häfliger, verst. 2011) verheiratet, der auch im Bereich der literarischen Ästhetik (Kant'sche Urteilstafel) gearbeitet hat und ich jedoch könnte diesen Satz nicht im Traum denken.

Denn befindet man sich nur 50 km östlich von Schleswig-Holstein, findet man dieses Lebensgefühl der alten BRD einfach nicht. Hier fühlt sich Deutschland aktuell eher angespannt, aggressiv und verklemmt an. Und zwar so richtig!

Jedenfalls: DIE GRÜNEN scheinen mir nun zumindest auf Bundesebene wieder wählbar geworden zu sein. Und hoffentlich, hoffentlich breitet sich das Habecksche Lebensgefühl nach und nach auch in die Länder der ehemaligen DDR aus: entspannt, tolerant und lässig. 

20.01.2018 Schüleraustausch Ost-West: aber unbedingt!

Vor einigen Tagen hat der neue Präsident der Kultusministerkonferenz vorgeschlagen, dass es einen Schüleraustausch zwischen Ost- und Westdeutschland geben sollte. Also, zum Beispiel könnten Schüler aus Eisenhüttenstadt mal in einer Familie in Stuttgart leben oder Schüler aus München mal in Schwerin, oder so.

Ich finde den Vorschlag super, denn es gibt schließlich eine Menge Kommunikationsprobleme zwischen Ost- und West. Nicht zwischen den Schülern, natürlich, sondern zwischen den Eltern!

So weit so gut. Aber was ist dann passiert?! Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Frau Iris Gleicke, lehnt den Vorschlag eines Ost-West-Schüleraustausches kategorisch und sogar empört ab. Ist nicht zeitgemäß, betont sie. Ein Vierteljahrhundert nach der Einheit gehe es Schülern nicht mehr um Ost-West-Befindlichkeiten, sagt sie, selbst aus dem Osten stammend.

Wie doof kann man sein?

Schülern ging es doch sowieso noch nie um Ost-West-Befindlichkeiten, weil Schüler, also 99% der Schüler, einfach andere Interessen haben. Das ist 2018 genauso wie es 1990 war. Aber: die Eltern, die Verwandten, die Nachbarn (...). Ein Schüler aus München träfe auf 10 Ur-Schweriner. Da würden sie staunen, die Ur-Schweriner, dass der das selbe Handy hat wie der eigene Nachwuchs! Kein goldenes Handy und auch keins mit bayrischer Fahne drauf. Nein, nein. Einfach nur das neueste iPhone.

Also, Frau Gleicke. Es geht nicht nur um Schüler beim Ost-West Schüleraustausch. Es geht um die Eltern, die Nachbarn und alle Ur-Ossis oder umgekehrt Ur-Wessis vor Ort. Ausserdem, mal nebenbei bemerkt, auch um Ihre Stelle: eine Ostbeauftragte braucht es nun wohl ja gar nicht mehr, ein-Vierteljahrundert-nach-der-Wende.

Und in welcher Partei könnte Frau Gleicke wohl sein? Na? Versteht sich fast von selbst: natürlich in der SPD.

14.01.2018 Wessis in Stralsund...

Stralsund (die Stadt, in der Frau Dr. Angela Merkel ihr Wahlkreisbüro hat) macht mal wieder Schlagzeilen wegen Wessi-Rassismus. Eine fünfköpfige Familie, die irgendwann mal aus dem Saarland umgezogen ist, beschwert sich über den Verkehr in der Innenstadt. Also ein Anliegen, das alle haben, die an der betreffenden Strasse wohnen. Nichts familien-egoistisches. Und was passiert auf Facebook? Es beginnt ein Shitstorm von Ossis, die einfach meinen, dass eine zugezogene Familie ihre Klappe zu halten hat. Ich notier' das hier, weil endlich mal die Situation der ca. 1,8 Mio Menschen, die (bislang) von West nach Ost gezogen sind, thematisiert wird. Ich mag keine Platzhirsche...die machen alles kaputt.

09.01.2018 Wabi und Sabi in Nordwestmecklenburg

In der Lehre der japanischen Ästhetik gibt es zwei Begriffe, die man meiner Meinung nach nicht richtig übersetzen kann: Wabi und Sabi. Ungefähr bedeuten sie sowas wie "Patina". Gleichzeitig haben sie mit der Natur zu tun oder mit von Menschen geschaffener Kunst, die dann durch natürliche Einflüsse "patiniert", bzw. eben einfach verwittert. Hier mal drei meiner Wabi und Sabi Fundstücke aus NWM. Einfach schön!

05.01.2018 Stunde der Wintervögel vom 05. bis 07. Januar 2018

Für das erste Wochenende im Neuen Jahr 2018 habe ich einen Tipp:

Wenn nun nur 1% der mausklickenden Leser (also 32) dieses kleinen Blogs Spaß daran hätten, bei der Stunde der Wintervögel mitzumachen, so wäre das ein richtig guter Start in 2018.

 

Was ist zu tun?

1. Auf www.nabu.de die passende Seite aufrufen und die Vogelbilder der Wintervögel zunächst mal ansehen. Das hilft. Ich, zum Beispiel, habe bislang immer den Erlenzeisig, der klein und grün wie ein Grünfink ist, nie als solchen erkannt und mich gleichzeitig gewundert, wieso die Grünfinken im Winter plötzlich in (großen) Grüppchen rumfliegen...

2. Dann die Wintervögel 60 min lang in den mecklenburgischen Gärten, Parks und Wäldern suchen und versuchen, sie zu identifizieren.

3. Online-Formular ausfüllen und abschicken.

Uns allen viel Vergnügen und natürlich: Viele Vögel!

 

 

04.01.2018 HAPPY 2018 uns allen!

Natürlich zunächst allen Lesern des kleinen Blogs ein gesundes, frohes und entspanntes Neues Jahr 2018! Während meiner Silvesterpause 2017/2018 haben sich die Leserzahlen (also etwas genauer: die verschiedenen IP-Nummern, von denen aus hier mal reingeklickt wurde) auf über 3000 gesteigert. Große Neujahrsüberraschung!

29.12.2017 Grenzturm aus der DDR

Mal wieder ein historisches Baudenkmal ausfindig gemacht!

Das ist kein Leuchtturm, sondern ein ehemaliger Grenzturm an der Ostsee (Blaue Wiek), der zu DDR-Zeiten dazu da war, Republikflüchtlinge ausfindig zu machen (oder vielleicht auch westdeutsche Invasoren, die heimlich über die Ostsee in die DDR schwimmen, surfen oder tauchen wollten). Jetzt ist in ihm eine Ferienwohnung, welche zurzeit nicht belegt scheint.

28.12.2017 Integrationsprobleme

Die scheidende Vorsitzende der ARD sagte heute in einem Interview, dass es immer noch Integrationsprobleme mit "den OSTDEUTSCHEN" geben würde. Die Wessis hätten immer noch Vorurteile über die Ossis (kriminell, sozialschmarotzend, faul, gegen die Regierung) und deshalb könnten sich die Ossis nicht integrieren. Puh. Lebt man als Wessi im Osten, so hat man übrigens auch Integrationsprobleme, aber das interessiert nach wie vor ja niemanden, was mich echt langsam verzweifeln lässt! Ich habe drei Freundinnen, die gleich nach der Wende im Osten eine Partnerschaft mit einem Ostmann eingegangen waren - und alle sind gescheitert. Umgekehrt klappt es aber schon: Ostfrauen ziehen gerne zu Westmännern in den Westen. Schaut man nämlich etwas differenzierter hin, wie Integration funktioniert, dann darf man die Geschlechter nicht vergessen. Und das ist weltweit so -- nicht nur dann, wenn Wessis sich in Ostdeutschland integrieren wollen, sondern auch, wenn zum Beispiel SchweizerInnen sich in Japan integrieren wollen.

Wichtig für eine ehrlich fundierte Integrationsdiskussion ist: (1) mal ganz banal die Tatsache zu akzeptieren, dass wahre Integration auf der Partnerebene stattfindet und (2) dass man zwingend die Geschlechter differenziert betrachten muss. Hier mal eine Übersichtstabelle, die auch in einem Lehrbuch der Evolutionären Anthropologie stehen könnte:

OSTDEUTSCHLAND   klappt's? Begründung
WESTFRAU OSTMANN eher nicht

Wenn der Ostmann weibliche Verwandte hat, findet die Westfrau bei diesen verwandten Ostfrauen keinen Anschluss. Da kann sich sich noch so sehr unterordnen - sie hat keine Chance. In etwa so, wenn man ein neues Pavianweibchen in eine bestehende Paviangruppe setzt. Die Männchen paaren sich ganz gern mit ihr, aber ihre Kinder bekommt sie mangels der notwendigen weiblichen Unterstützung nicht aufgezogen. Wenn sie kann, dann verläßt sie die Gruppe. Und so verlassen die Westfrauen in der Regel spätestens nach einigen Jahren den Osten wieder. Weggemobbt.

Lösung: die Ostfrauen müssen ihre territoriale Dominanz und ihre Ostmänner mal "richtig" abgeben. Ich glaube aber nicht, dass das großflächig klappt. Dieses Beziehungsmuster wird selten bleiben.

OSTFRAU WESTMANN nein

Gibt es fast gar nicht. Hier sind die Ostmänner und der übliche Sexualneid das Problem. Ein Westmann bekommt keinen Fuß auf den Ostboden, geschweige denn eine Ostfrau vor Ort.

Lösung: ?? Die Sorte von Männerproblem, bei der ich nicht mitreden kann.

WESTDEUTSCHLAND      
WESTFRAU OSTMANN ja Selten, aber es klappt. Die Westmänner scheinen mir weniger territorialer zu sein, als die Ostmänner. Sie sind traditionell einfach weniger homogen geprägt. Zieht der Ostmann z. B. eine Lederhose an und arbeitet brav mit (Arbeit ist wichtig), dann ist er in Bayern schnell dabei und kann dort gut mit seiner Westfrau leben.
OSTFRAU WESTMANN JA Am häufigsten und am besten funktionierend. Der Westmann geht mal kurz in den Osten, findet eine Ostfrau und die zieht mit ihm (und meist seinem Geld) mit in den Westen. Auch hier gilt das gleiche wie oben: wenn die Ostfrau sich integrieren möchte, dann wird sie von den Westfrauen integriert.

FAZIT: niemals aufgeben!

26.12.2017 Frohes Hagebuttenfest

Ich wohnte einer Unterhaltung bei. Es gab die Diskussion, ob man sich nicht besser "Frohes Winterfest" statt "Frohes Weihnachtsfest" wünschen sollte, damit die nicht-christlichen Mitbürger und ihre Gefühle... usw. Zu bemerken ist, dass sämtliche Anwesenden außer mir (und ich wurde in die Unterhaltung natürlich nicht einbezogen), aus der ehemaligen DDR waren, kaum je ("nur bei Beerdigungen und nur weil ich da immer musste") eine Kirche betreten hatten und gleichzeitig aber sehr Wert darauf legten, nicht "seelenlos" zu sein, sondern eben einen eigenen, institutionslosen Gott zu haben.

Tja. Was tun? Da ich ja immer noch um Integration bemüht bin, dachte ich, ich denke mich da jetzt auch mal rein. So Ego-Götter sind wohl einfach praktisch. Und so habe ich mir dann auch gleich meinen Ego-Gott zugelegt. Mein persönlicher Ego-Gott ist nun der Hagebuttengott. Der hilft nur mir und ist stärker als die vielen anderen Ego-Götter Mecklenburgs. Frohes Hagebuttenfest! Äh, Winterfest.

25.12.2017 FROHE WEIHNACHTEN

Mit Sonnenschein über dem Herrenhuther Weihnachtsstern am Turm der Dorfkirche Hohenkirchen.

19.12.2017 Vor 1 Jahr

Heute vor einem Jahr ist ein Idiot mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin gefahren. Dabei wurden viele Besucher des Weihnachtsmarkts verletzt und es gab 12 Tote. Zuvor allerdings hat der Idiot auch noch einen polnischen LKW-Fahrer erschossen, um an den Lastwagen zu kommen. Ein paar Tage nach dem Anschlag war ich auf der Autobahn von Berlin nach Mecklenburg und überholte einen (anderen) LKW.

R.I.P. polish truck driver.

18.12.2017 Die Seekuh a

Während des letzten Sonntagausflugs über Land wollte ich scheinbar verfallene Lagerhallen erkunden. Vor den Lagerhallen grasten Schafe in der tiefstehenden Dezembersonne, auf den Lagerhallen wurden gerade Solarzellen installiert und hinter den Lagerhallen, am Feldrand, stand dieses Boot. Wenn man selbst nicht an der Küste aufgewachsen ist, dann wundert man sich immer wieder, wenn Boote am Rande von Kartoffelfeldern geparkt sind - aber das scheint hier ja völlig normal zu sein, wie meine historisch bewanderte Begleitung wusste. Ausserdem wurde mir berichtet, dass das Boot eine Fähre sei, auf der bis vor einigen Jahren Kühe über den Schweriner See auf die Insel Lieps transportiert wurden. Deshalb heisst das Boot Seekuh und das ist nun wirklich ein sehr lustiger Name!

18.12.2017 Die Seekuh b

Hier der Beweis....

16.12.2017 Seeforellenangeln

An der mecklenburgischen Küste lebt man nun mal mit den Fischwanderungen und Fische wandern leider auch noch gerne in den Wintermonaten! Momentan, also im Dezember kurz vor Weihnachten, ziehen die Seeforellen vorbei. Um sie zu angeln, muss man mit dicken Gummihosen bis zum Bauch in die Brandung. Der Wind war eisekalt, das Wasser war eisekalt und der Sonnenuntergang war wunderschön. Aber die tapferen Angler haben leider nichts gefangen. In der Kaufhalle der Kleinststadt habe ich dann eine gefrorene Seeforelle von ca. 60 cm Länge für 6.97 € erstanden. Ganz frisch...

10.12.2017 Ein Gedicht zur Jahreszeit

 

winterwarmer weg//winde pfeifen/durch das land/über schnee/am wegesrand

dunkel am morgen/grau am mittag/grau am nachmittag/dunkel am abend

und das licht/aus deinen augen/ist so endlos/voll vertrauen

 

Aus OSTMANN-WESTFRAU.

08.12.2017 Schild zu klein:-)

Da das Land ja noch immer keine neu formierte Regierung hat, sorgen inzwischen die Bürger in eigenem Ermessen für Recht und Ordnung. Wenn schon keiner mehr auf die Wahlentscheidung Wert legt, dann interessiert es einen auch nicht mehr, was da in Berlin passiert. Und ich finde weiterhin, wenn man fast ein halbes Jahrhundert hier auf der Welt ist, dann darf man das auch -- und sollte sich von so Jungpolitikern wie z. B. den JUSOS nicht lähmen lassen. Meine persönliche Sorge gilt ja unter anderem dem aktiven Naturschutz vor Ort (nicht den im Büro!).

In diesem Fall war das Schild einfach zu klein! Es musste schnellstens und fachgerecht entfernt werden. Nun kann der zuständige Landrat die Anbringung eines 10x so großen Schildes veranlassen, so dass nicht doch noch versehentlich ein Mensch in diesen Sumpfwald stolpert.

03.12.2017 Froschmehl für Mecklenburgs Störche!

Der NABU schlägt mal wieder Alarm. Die Störche in Mecklenburg-Vorpommern werden immer weniger. Zählte man 1994 noch 1237 Brutpaare, so waren es 2017 nur noch 699. Hinzu kommt auch noch, dass im Jahr 2017 ganze 40% der Paare es nicht geschafft haben, ihre Küken aufzuziehen. Gründe für weniger Brutpaare sind wohl auch im Storchenzug zu vermuten, da Störche ja in ihren Winterquartieren gerne gejagt und verspeist werden. Gründe für die aktuell miserable Aufzuchtrate in MV selbst sieht der NABU in der immer intensiveren Landwirtschaft und dem Verschwinden der Frösche, anderer Amphibien und Reptilien. Soweit so gut (obwohl Störche auch sehr sehr viele Feldmäuse fressen...) und auch nicht neu. Irgendwann aber, muss doch mal ein zukunftsorientierter Lösungsvorschlag her! Man kann ja nicht immer nur über die böse Landwirtschaft, die EU und jagende Menschen jammern. Ich halte mich da mal an Sarah Kirsch, studierte Biologin und Schriftstellerin. Sie erfand quasi "Froschmehl" als Begriff, als ihr kleiner Sohn keine lebenden Frösche verfüttern wollte. Die Produktion von Froschmehl - denn statt für Froschschenkel kann man auch für Froschmehl Frösche züchten - und Verfütterung desselben an wildlebende Störche an ausgewählten Futterplätzen wäre doch genau richtig, um die heimischen Störche wieder zu einer besseren Aufzuchtrate und evtl. sogar zum Überwintern hier in MV zu bewegen. Hier ißt man nämlich auch keine Störche und wird das auch in Zukunft nicht tun!

 

Tabelle erstellt aus einem Artikel des NABU vom 02.12.2017:

Jahr Gezählte Brutpaare
2017 699
2016 721
2015 800
2004 1142
1994 1237

02.12.2017 Die West-Frau im Gespräch

In der Berliner Zeitung schreibt die Journalistin Susanne Dübber über eine Begegnung mit einem Ost-Mann. Wichtig hier: 1. Ich lese zum ersten Mal die beiden Begriffe OSTMANN und WESTFRAU woanders als in meinen Gedichten. 2. In der Zeitung ist eine andere Schreibweise, also mit Bindestrich, gewählt. Qintessenz der Zeilen ist, dass der betreffende Ost-Mann (3x verheiratet), auch beruflich mit diesen seltsamen Typen aus dem Westen zu tun hatte. Die West-Frau hält er für einen Frauentyp, der a. sich immer verkaufe, und b. stark abhängig vom Verdienst und der Darstellung ihres Mannes sei. Am Ende des Gesprächs ist die Journalistin hilflos und bittet um Statements der Leser per E-Mail. Nun gut -- 1. Gibt es sehr sehr viele andere OSTMÄNNER (aber die lernt man nur kennen, wenn man im Osten lebt und sich dort verliebt - und  eben nicht in kurzen Interviews) und 2. werde ich ihr demnächst mal kurz schreiben.

01.12.2017 Was ist das?

Diese Anlage befindet sich auf dem platten Land kurz vor Mecklenburg. In der Nähe sind sich Rinder auf einer Weide. Die Anlage war mir und meiner männlichen Begleitung ein Rätsel. Sehr groß, sehr apokalyptisch, sehr menschen- und tierleer. Und diese Scheinwerfer oben auf diesen tunnelartigen Mauern. Hat nichts mit Potsdam-Babelsberg zu tun. Ist keine Filmkulisse. Ist echt! Und natürlich, so verlassen, auch irgendwie wieder sehr schön.

28.11.2017 Weihnachtsgänse II

Bei näherer Betrachtung sieht man, dass Weihnachtsgänse blaue Augen haben. Und wenn sie nicht neugierig schnattern, dann sehen sie sehr freundlich aus. Nachdem ich eine Vielzahl solcher Fotos sortiert hatte, habe ich mich im nächstbesten Supermarkt für eine anonyme, gefrorene Ente aus Polen für unser diesjähriges Weihnachtsmahl entschieden. So werden zumindest wir nicht mal versehentlich eine Gans von diesem Foto essen! 

28.11.2017 Weihnachtsgänse I

Wenn man von Berlin durch Brandenburg hindurch nach Mecklenburg fährt, so sieht man in der Landschaft sehr viele Tiere, die einfach nur da sind, um gegessen zu werden. Das beginnt bei den männlichen Kälbern auf den Weiden mit Mutterkuhhaltung und endet bei Gänsen. Die Karpfen in den Karpfenteichen sieht man ja nicht, aber mit denen habe ich kein Problem, also kulinarisch gesehen. Alle Säugetiere (Rind, Schwein, Wildschwein, Reh, Kaninchen) tun mir sehr leid. Ich esse sie aber trotzdem, bzw. eigentlich nur das Fleisch jener Tiere, die ich zum Glück nicht lebend zu Gesicht bekommen habe. Durch das Foto soll den deutschen Weihnachtsgänsen ein Denkmal gesetzt werden. Die waren so aktiv und neugierig!

27.11.2017 Danach erst geht's richtig los: die BuchBerlin 2017

Samstag und Sonntag je 10-18 Uhr in einer dröhnenden Messehalle an einem Messestand zu sitzen überlebt man nur mit guten Nachbarn. Ich hatte Glück und sehr gute Nachbarn. Zu meiner Rechten saß Friedhelm Marciniak, freier Autor, der Kurzgeschichten schreibt. Da er westlich der Nandupopulation Mecklenburgs lebt und ich ja östlich davon, könnten wir uns mal in der Mitte treffen. Nandus und deren neugierige Besucher sind sicherlich inspirierend für Kurzgeschichtenschreiber - behaupte ich jetzt mal ganz sachlich. Links von mir saß 16 Stunden lang Blanka Stipetic vom Verlag Schruf & Stipetic in Berlin-Weissensee. Blanka war beschäftigt! Es kamen und gingen einige ihrer Autoren, sie leitete eine Lesung und dann löcherte ich sie auch noch mit Fragen zum Verlegen von Büchern und den Umgang mit Buchbloggern. Da gibt's jetzt viel nachzudenken und im mecklenburger Schneeregen werde ich dann beizeiten meinen Kopf und Körper wieder sortieren.

21.11.2017 OSTMANN-WESTFRAU. Liebesgedichte.

Der neue Gedichtband ist fertig!

Er kann im Buchhandel bestellt oder am 25./26. November auf der BuchBerlin angesehen werden.

 

Ausserdem beweist er, dass meine Vorschläge in diesem Blog zur praktischen Ausführung der deutsch-deutschen Wiedervereinigung auf echten Erfahrungswerten basieren und nicht in einem Elfenbeinturm entstanden sind. Aber darum geht es eigentlich nun wirklich nicht -- denn es sind ja einfach nur Liebesgedichte.

 

Mein Dank geht an Julie August nach Buenos Aires für die wunderschöne Buchgestaltung, an den OSTMANN* nach Mecklenburg  dafür, dass es ihn gibt und natürlich an meine Kinder, die in ihrer buddhistischen Gelassenheit kaum zu übertreffen sind.

 

* drei der Gedichte sind diesmal aus seiner Feder

20.11.2017 No-Jamaika

Nach nur fünf Wochen sogenannter Sondierungsgespräche haben sich die vier Parteien CDU, CSU, FDP und GRÜNE nicht auf eine Jamaika-Koalition einigen können. Und jetzt ist ausgerechnet der aktuelle Bundespräsident Dr. Frank Walter Steinmeier wichtig. Und der ist ausgerechnet auch noch von der SPD. Ich tippe, dass er Neuwahlen ansetzen wird, weil Merkel keine Minderheitsregierung will (oder kann...). An solchen Tagen freue ich mich immer über die Bodenständigkeit gewisser Nachbarn. Das bürgerliche Leben geht nämlich auch ohne diesem Polittheater ganz normal weiter. Und mein mecklenburgischer Lieblingsnachbar hat aktuell das Problem, dass er seine 100 frisch geschlachteten Enten auch ohne Jamaika an den Mann bringen muss.

Er schafft das!

19.11.2017 b. Poels historische Baudenkmäler I

Nachdem ich ja die historischen Bushäuschen aus DDR-Zeiten eh schon immer so richtig toll finde, hat nun der Sonntagsausflug auf die Insel Poel die Bushäuschen nochmals deutlich übertroffen! Und ich habe dem historische Geheimwissen meiner männlichen Begleitung staunend zugehört.

Das hier ist: eine Minol-Tankstelle aus DDR-Zeiten! Sie steht immer noch da, wo sie mal war, nämlich bald mal rechts, wenn man auf Poel raufgefahren ist. Eigentlich unglaublich für ein Land wie Deutschland. Nach der Wende 1989 wurde diese Tankstelle wohl abgewickelt. Aber Aral, oder so, haben den Standort nicht übernommen. Meine männliche Begleitung hat rekonstruiert, dort selbst 1984 zuletzt mit einem grünen Trabant P500 getankt zu haben. Den Trabbi gibt es nicht mehr, aber die Tankstelle ist noch da.

19.11.2017 a. Poel im Wind

Die Insel Poel hat es in sich. Vor allem im Herbst und Winter. Wenn der Wind die Wellen in spannende Höhen treibt wird es am Strand richtig interessant. Neben mindestens 30 anderen Spaziergängern und deren erstaunlicherweise gutgelaunten Kindern, surfte auch ein wagemutiger Kitesurfer durch die Wellen. Und die schwarzen Algen, die da um diese Jahreszeit verstärkt angespült werden, sehen genau so aus wie die japanischen Hijiki-Algen. Etwas gewaschen und eingelegt schmecken die richtig lecker. In Berlin-Mitte kosten 40g davon 3.95€, selbst wenn sie aus dem Meer vor Fukushima stammen.

16.11.2017 Steuervergünstigungen für OST-WEST-PARTNERSCHAFTEN!

Nachdem ich eine Nacht lang nachgedacht habe, hier also nun mein Vorschlag, der dazu dienen soll, die vermeintliche Wiedervereinigung als wirkliche Wiedervereinigung zu gestalten:

1. Statt immer nur von Jobs zu reden, muss man die Gedanken auf die zwischenmenschlichen Beziehungen lenken.

2. Und noch konkreter: auf die Partnerschaftsbeziehungen.

3. Wenn sich Partnerschaften zwischen Menschen mit je mindestens 10 Jahren BRD- und DDR-Biografie bilden, dann tragen diese kleinen Beziehungen doch vielmehr zum gegenseitigen Verstehen bei, als wie wenn Führungsjobs mit Platzhirschen besetzt werden.

4. Um diese OST-WEST-Partnerschaften in das öffentliche Gedankengut zu befördern und sie zu würdigen, bin ich dafür, bei Eintrag einer Lebenspartnerschaft oder gar Hochzeit sofort "Wiedervereinigungssteuervergünstigungen (WVSV)" zu gewähren, und zwar in einer Höhe von 25%. D.h. einfach einen Abschlag auf die Einkommenssteuer von 25% für jeden, der in so einer Partnerschaft lebt!

Na? Wie schnell wäre das Land wohl richtig wiedervereint?

15.11.2017 Deutsch-Südost oder Oben-Unten Debatte?

Die Diskussion ob und wenn ja seit wann die ostdeutschen Länder eine Kolonie der westdeutschen Länder waren oder sind geht immer noch weiter. Also zumindest in der Berliner Zeitung. Das "Zusammenwachsen" wird nach Meinung der Kolumnisten auf breiter Front blockiert, weil zum Beispiel in Sachsen an einer Uni "der Chef aus Tübingen kommt und der Stellvertreter aus Thüringen". Oh je. So eine schlimme Ungerechtigkeit sollte man, also damit die Herren auch platzhirschgerecht auf ihren Pöstchen landen, doch vielleicht mit einer Ossi-Quote ausmerzen, meint Frau Kolumnistin. Also, erstens würde ich sagen, dass man nach 10 Jahren Überlebenszeit als Einwanderin auch als Ossi zählen sollte und zweitens kann man doch von gesetzes wegen keinen Führungsjob in seiner sogenannten Heimatstadt erwarten? Und was zählt überhaupt als Heimatstadt? Nur der Geburtsort? Sozialgeografisch betrachtet ist man eh erst ab der 6. Generation ein "Einheimischer". Wer ist denn wirklich "Ossi"? Jeder, der die kompletten 40 Jahre DDR miterlebt hat -- oder genügen auch die letzten 10 Jahre? Oder nur ein Jahr? Also, jedes Baby das 1988 irgendwo in Deutsch-Südost geboren wurde hat jetzt Anspruch auf einen Führungsjob in, zum Beispiel, Sachsen?

Das ist alles wirklich doof -- das Land braucht innovative Gedanken!

13.11.2017 Wildschweine im Maisfeld

Es gibt zu viele Wildschweine in Mecklenburg. Genauer gesagt: 80.000 Stück zu viel. Sie leben sehr gerne in Maisfeldern und fressen den Mais. Wird der Mais von den riesigen Erntemaschinen geerntet, so können die Tiere ja öfters nicht mehr fliehen, kommen in die Maschinen und somit auch in den Mais hinein. Wird der dann pulverisiert, ist ein gewisser Prozentsatz des Pulvers dann eben Rehpulver, Nandupulver oder Wildschweinpulver. Vegetarier betrifft das ja nicht, weil bei uns eigentlich nur Futtermais angebaut wird. Maiskolben und Polentamehl für Vegetarier kommen zum Beispiel aus dem Hochland Boliviens. Sehr beruhigend.

09.11.2017 Am 9. November 1989: Mauerfall

Die meisten meiner Generation erinnern sich, wo sie an diesem Tag waren. Ich wurde dazu aber noch nie befragt, auch nicht im Freundes- und Bekanntenkreis, obwohl ich jetzt schon seit 15 Jahren im Osten lebe. Wenn gefragt wird, dann werden ja die ehemaligen DDR-Bürger gefragt. Habe ich auch gemacht. Und ausnahmlos alle, die ich gefragt habe, meinten, sie hätten den Abend irgendwo verschlafen, auf Klausuren gelernt, ein Buch gelesen (an das sie sich genau erinnern können), oder so...ich habe noch keinen Menschen getroffen, der am 9. November euphorisch über den Grenzübergang gegangen wäre. Aber vielleicht sind die ja auch alle entweder gleich im Westen geblieben oder schnell danach abgehauen? Hier aus meiner Umgebung jedenfalls, sind alle immer noch da.

Und ich? Ich selbst stand mittags in Tokio auf der Straße und schaute durch das Schaufenster eines Elektrogeschäfts in viele Fernseher gleichzeitig hinein. Auf allen waren deutsche Fähnchen zu sehen, Trabbis und Menschen in Jeansjacken, die auf der Mauer saßen. In der tokioter Fußgängerzone eilten die Geschäftsleute wie immer geschäftig durch die Gegend. Ich hörte den Ton der TVs nicht, sondern nur die Zikaden, denn die Bäume Tokios sind auch noch im November voller enervierend laut zirpender Zikaden. Irgendwann blieb eine Gruppe japanischer Geschäftsleute lachend vor mir stehen und der Chef fragte mich: "doitsu? - deutsch?" Als ich bejahte, zog er einen Apfel aus seiner Aktentasche und schenkte ihn mir. So war's.

07.11.2017 Ostler sind keine Opfer

... sagt Sabine Rennefanz in der Berliner Zeitung. Sie ist 1973 geboren und mit ihrem Buch Eisenkinder in die OST-WEST-DIALOGE eingestiegen. Es geht um die "stille Wut der Wendegeneration". Ich habe es gelesen, davon profitiert und finde es gut. Es ist einfach gut, wenn die DDR-Bürger ihre Stimme erheben und diese Stimme auch gehört wird. Weil Sabine Rennefanz eine Kolumne in der Berliner Zeitung schreibt, weiß ich, dass sie Politik studiert hat, eine Weile in London gelebt und gearbeitet hat und jetzt mit Kindern in Berlin-Prenzlauer Berg wohnt. Komisch, dass sie ausgerechnet dort hingezogen ist. Da wohnen doch angeblich nur noch Schwaben, diese widerwärtigen Kolonisatoren.

01.11.2017 Kulturelle Kolonisierung?

Seit den Bundestagswahlen vom 24.09.2017 haben die Medien ja plötzlich ein neues Thema entdeckt: nämlich, dass die Wiedervereinigung 1989 / 1990 irgendwie immer noch nicht so richtig vollzogen ist, bzw. zur ziemlichen Unzufriedenheit Einiger vollzogen wurde. Die Menschen aus dem Osten, oder genauer: ein unbekannter Teil der Menschen aus dem Osten, rannte von Ost her auf die Grenze zu und wollte raus. Die damals noch sehr weitsichtig agierende Westregierung sowie die chaotische Führungsriege der DDR, bestehend aus alten und wodkatrunkenen Herren, öffneten zusammen irgendwie die Grenze. Zunächst mal besuchten kurzfristig einige der Menschen der DDR Westdeutschland und einige der Menschen der damaligen BRD Ostdeutschland. Dann wanderten einige aus der DDR nach Westen und einige der BRD nach Osten ab. Die aus der DDR fingen meist mehr oder weniger unten an und arbeiteten sich im Laufe der Jahre nach oben in eine neue Existenz in Westdeutschland hinein. Oder sie, also die Ostfrauen, heirateten einfach einen Westmann. Die aus der BRD, also die meisten von denen, kamen in Führungspositionen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und vertrieben jene, die zu DDR Zeiten dort waren. Andere holten sich ihre Häuser und Grundstücke aus der vor-DDR-Zeit zurück. Die meisten der Westbürger allerdings hatten und haben heute noch überhaupt kein Interesse an den Menschen und deren Schicksalen aus der ehemaligen DDR. Sie sind ihnen, schlicht und einfach egal, selbst wenn sie als PEGIDA die Straßen zubrüllen oder als Wolfgang Thierse nachhaltig rummeckern. Und umgekehrt haben die DDR-Bürger auch kein Interesse an den Menschen und Schicksalen der Westbürger, die nun unter ihnen im Osten leben. Man teilt sie schlichtweg als "Kolonialherren", "Verlierer", oder B- und C- Akademiker ein, die halt zu schlecht für Jobs im Westen waren. Und weil die Medien das Dilemma der vermeintlichen Wiedervereinigung nicht so klar formulieren wollen oder mal wieder nicht kapieren, nennen sie seit einigen Tagen diesen Zustand "Kulturelle Kolonisierung". Es geht einem doch gleich besser, wenn man einen neuen Begriff erfindet. "Kulturelle ....". Was für ein feiger Schwachsinn!  

31.10.2017 Schwerin im Fokus

Nach Güstrow rückte jetzt plötzlich Schwerin kurzfristig in die täglichen Terror-Abendnachrichten. Ein 19-jähriger Syrer wollte offenbar eine Bombe bauen. Schwerin ist zurzeit voller junger Männer von irgendwoher. Das kann ich bestätigen. Mehr nicht. 

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