NWM 2: Ost-West-Dialoge und mehr

14.10.2018 Leslie und die Kraniche

Jetzt ist wieder die Zeit der Tierrwanderungen in Europa. Die Wanderungen der Fische und Fledermäuse bemerkt man ja also normaler Mensch nicht so richtig, den Vogelzug aber schon. Vor allem jener der großen Vögel ist in Brandenburg und Mecklenburg sehr präsent. Störche, Gänse und Kraniche sammeln sich nun auf Feldern, in Sumpfgebieten und auf den Seen und am Himmel sieht man die pfeilförmig fliegenden Familiengrüppchen. Die Kraniche Mecklenburgs nehmen die sogenannte Westroute und fliegen zum Überwintern ca. 2000 km nach Spanien und Portugal. Und genau dort, wo sie hin wollen (oder müssen) zieht gerade der Hurrikan Leslie vom Atlantik her in den europäischen Kontinent hinein. Die Wetterberichte sind sich uneins, wie stark Leslie wird. Kachelmannwetter jedenfalls meint, dass sich der Sturm zu einem Tropensturm abschwächen könnte, aber dass jeder, der vor Ort ist, allen anderen sagen soll, dass sie sich bitte in sehr feste Häuser zurückziehen sollen. Wenn man gerade über ziehende und dann erschöpft ankommende Kraniche schreibt, ist das wieder mal so eine tragikomische Meldung.

05.10.2018 Staubsturm II

Zum Beitrag vom 29.09.2018 kamen so viele E-mails bei mir an, wie noch nie. Die eine Hälfte gab Kommentare zum Ost gegen West-Problem im Osten und die andere Hälfte beschrieb eigene Erfahrungen mit dem Staubsturm.

I. Zum Ost-gegen-West-Problem im Osten:

Zufällig habe ich vor einigen Tagen in einer Talkshow den Ost-Filmemacher Leander Haußmann gesehen. Der ist bald 60 Jahre alt und hat zu 100% meine persönlichen Erfahrungen mit den Idioten dieser DDR-Generation*, die zum Teil immer noch als Platzhirsche im Osten residieren, bestätigt. Zuerst lästert er über DIE Sachsen, die zu DDR-Zeiten als Stasi-Angehörige nach Berlin kamen, dann lästert er über DIE Wessis, die in seiner Umgebung nun wohnen würden - und zwar in Häusern! Man stelle sich das mal vor! Wohnen nach 28 Jahren Menschen, die vor fast 3 Jahrzenten aus Westdeutschland umgezogen sind, zusammen mit ihren eigenen Kindern (die oftmals im Osten geboren wurden, die Schulen hier besucht haben und inzwischen selbst erwachsen sind) doch glatt in Häusern genau in der Gegend, wo er auch wohnt (am Müggelsee in Berlin). Ich weiß nicht, was ich ihm wünsche (jedenfalls keine Filmfördergelder finanziert mit meinen Steuern!), aber falls er mir mal über den Weg laufen sollte, dann (xzyz)....dann: dann sage ich ihm ins Gesicht, dass sein Film "Haialarm am Müggelsee" zum Einschlafen langweilig ist! Jawollll! Zum Schnarchen lang-wei-lig ist dieser Film!

II. Zum (erfreulicheren) Staubsturm:

Ein Teil der Leser schrieb, dass die Ursachen des Sturms die Kombination aus der Trockenheit des Sommers plus die gerade abgeernteten, ökologisch desaströsen (aber wirtschaftlich rentablen) Riesenfelder hier im Osten plus der Wind in Küstennähe sind. Ein weiterer Teil schrieb, dass es sozusagen im Auge des Sturms (oder der wahrscheinlich zahlreichen, kleinen Staubstürme an diesem Tag) sehr sehr warm war. Jemand schrieb, dass er dachte, dass jetzt gleich die Gänse vom Himmel fallen würden, die da schreiend und in Panik nur wenige Meter über ihn rüberflogen. Eine Frau schrieb, dass sie sich nicht getraut hat, das Handy aus der Tasche zu holen, weil sie dachte, dass der feine Sand es sofort zertören würde. Eine andere Frau schrieb, dass sie beim Duschen lauter ockerfarbenen Sand "verloren" hat und auch das gelbe Handtuch danach ocker war und dass die Katze an diesem Tag nicht mehr das Haus verlassen wollte und dann unter den Küchentische gepinkelt hat. Noch eine weitere Frau schrieb, dass das kein Staub gewesen sei, sondern wertvoller, durch Winderosion erodierter Ackerboden (womit sie sicherlich Recht hat!).

Man könnte etwa 30 DIN A4 Seiten mit den Kommentaren der Leser zu diesem kleinen "Mecklenburger Staubsturm" füllen - und vielleicht sollte ich das auch tun. Denn es ist jedenfalls interessanter, kommunikativer, integrativer  und summa summarum wesentlich bedeutender, als Zeilen mit dem Gebrabbel von alternden, männlichen Ureinwohnern zu bestücken, die den Anschluß an das richtige Leben einfach verpasst haben!

 

*wichtig: ich habe inzwischen doch einige sehr normale und nette Ost-Bekannte, die biografisch zufällig zwar dem Herrn H. nahe stehen, aber Menschen von anderen Menschen unterscheiden können. Die sind nur leider nie bei Talkshows eingeladen. Aber vielleicht ändert sich das demnächst - wäre ja nun wirklich an der Zeit - nach bald 30 Jahren!

03.10.2018 Der 28. Tag der Deutschen Einheit

Heute ist ein Feiertag, der Tag der Deutschen Einheit. In Berlin regnet es. In Mitte, also am Reichstag und am Brandenburger Tor, gibt es die üblichen Feierlichkeiten dazu. Sonst merkt man aber nichts davon, ausser eben, dass die meisten heute nicht arbeiten müssen. Die Zeitungen veröffentlichen die jährlichen Umfragen. Und seit Jahren lese ich die selben Ergebnisse: Ostdeutsche halten Westdeutsche für arrogant, Ostdeutsche wurden nach der Wende nicht fair behandelt, blablabla... Über die Rache der Ostdeutschen liest man nichts. Und wirklich dumm ist, dass diese Rache auch noch die völlig Falschen trifft - denn jene bösen Wessis von damals sind aus Altersgründen entweder schon tot oder wohnen klugerweise natürlich nicht im Osten. Aber jene Wessis, die diese Feindseligkeit im Alltag trifft, sind einfach die nächsten, greifbaren Wessis, die entweder blöd genug sind, sich der unverholenen Feindseligkeit der Ossis aus der bereits 2ten und gar 3ten Nachwendegeneration auszusetzen oder es aus existenziellen Gründen müssen. Und gerade von dieser zweiten Gruppe gibt es ziemlich viele Wessis hier - und die sind alle still. Sie gehen geduckt und getarnt durch den Alltag im Osten (Ausnahme: Führungskräfte).

Hier noch eine Emnid-Umfrage zum Thema: Wie denken Ostdeutsche über das Verhältnis zu Westdeutschen und umgekehrt?

Verhältnis ist: Ossis Wessis
prima 33% 60%
neutral 22% 10%
schlecht 38% 22%

29.09.2018 Staubsturm

Als ich vor ein paar Tagen an einem ganz normalen Vormittag meinen Lieblingsweg mit Hund entlang spaziert bin, war es sehr windig. Die alten und großen Weiden entlang des Wegs bogen sich gefährlich hin- und her, über dem Schilfgürtel des Moorsees greisten Raubvögel und das Schilf selbst sah aus, als würde jemand drin rumrühren. Die einzelnen Halme drehten sich ganz eigenartig im Kreis. Es herrschte also ein wenig das, was man gemeinhin Weltuntergangsstimmung nennt. Und als ich auf dem Weg zwischen dem großen und dem kleinen Moorsee war, kam der Weltuntergang. Plötzlich waren nämlich der Hund und ich, also von einer Sekunde auf die andere, in einer riesigen Staubwolke gefangen. Die Temperatur stieg, es wurde richtig warm da drin, die Augen brannten, der Staub flog in Nase, Ohren und Mund hinein und der an sich leider zu eigenständige Hund wurde plötzlich anhänglich. Mit zugezwickten Augen, geschlossenem Maul und eingezogenem Schwanz schmiegte er sich an mein linkes Knie und trottete neben mir her. Dieser Staubsturm hielt mehr als 10 min an. Dann war er so schnell weg, wie er gekommen war. Beim Weitergehen traf ich plötzlich auf eine Frau mit Rad und Hund, die sich flach auf den Bauch ins hohe Gras gelegt hatte. Ich sagte freudig zu ihr: Der Staub ist weg! Sie blinzelte mich misstrauisch aus dem Gras heraus an, wischte sich die Augen frei, sah mich an und sagte: Schon? Ich sagte: Äh...ja. Schon! Und was sagte sie dann?! Sie sagte: Sie sind aber nicht von hier, oder? Dieser ewige Ost gegen West Rassissmus hier im Osten...

25.09.2018 Spinnennacht

Die letzten Tage dieses trockenen, heissen Sommers sind angebrochen. Unn wenn man dieses Jahr morgens über die abgeernteten Felder und gemähten Wiesen spaziert, dann fällt auf, dass es weniger mit Tau bestückte Spinnennetze gibt als das sonst üblich war. Der Altweibersommer (er wird so genannt, weil diese silbernen Spinnenetze über der Landschaft aussehen wie das grausilbern schimmernde Haar älterer Damen) macht 2018 bislang seinem Namen keine Ehre. Dafür gibt es ein anderes Phänomen: dicke Spinnen an den Häusern! An Häusern, Schuppen, Holzstapeln usw. sieht man dieses Jahr überall Spinnen! Und zwar deutlich mehr Spinnen als in den Jahren zuvor. In einer stürmischen Mondnacht vor ein paar Tagen habe ich das Fenster geöffnet, um den Mond mit meinem Handy zu fotografieren. Ich bin ja fototechnisch nicht besonders interessiert - mir genügt die fotografische Dokumentation und wenn das Bild hübsch wird... dachte aber, dass ich nun doch mal versuche, die Kreuzspinne, die da vor meiner Nase hing, statt den Mond mit dem Handy einzufangen. Und Erstaunliches ist passiert: im Blitz des Handys sieht man die dicke Spinne leuchtend bei der Arbeit und auch das Spinnennetz in weiß - in richtig leuchtendem weiß in der Nacht! Ich war so begeistert, dass ich mehrere Fotos machte, bis sich die Spinne genervt und in windeseile ganz plötzlich an einem langen Faden nach unten (ca. 4 m bis ins Gras) abseilte. Was blieb war zunächst das leere Spinnennetz. In der Morgensonne aber sah ich dann schon wieder etwas Erstaunliches: ca. 0.5 cm links vom Zentrum des Spinnennetzes saß eine Mini-Spinne, ein Männchen von ca. 0.3 cm Durchmesser! Bei genauerer Betrachtung entpuppte er sich als Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus). Wenn die weibliche Gartenkreuzspinne in der Nacht im Gras umgekommen ist, dann wird das kleine Männchen sich nicht paaren können - denn darauf wartet es...sich paaren zu können und so sein Spermapaket dem Weibchen zu offerieren. Wenn das Weibchen zurückkommen sollte, dann würde es das Spermapaket (Gartenkreuzspinnen machen das in Päckchen...) dankend annehmen, sich damit befruchten und danach das kleine Männchen mit einem Gift verflüssigen, um es dann als Stärkung, sozusagen als Protein-Smoothie, nach der Kopulation zu sich nehmen. Man ahnt eigentlich gar nicht, wenn man ganz naiv nur mal den Mond fotografieren möchte, was sich da in den Spätsommernächten um die mecklenburgischen Häuser herum auf der Erde und in der Dunkelheit so alles für Dramen abspielen.

17.09.2018 Zum Gedicht AOZORA vom 16.09.2018

Frager per E-Mail: Wessen Gedichte werden hier eigentlich in den Blog gestellt?

Antwort per E-Mail: Es werden Gedichte von allen gepostet, die mir Gedichte schicken, welche in Nordwestmecklenburg entstanden sind.

Frager: Und wie kontrollieren Sie das?

Antwort: Gar nicht. Ich vertraue.

Frager: Und wenn Ihnen persönlich die Gedichte gar nicht gefallen?

Antwort: Das wäre egal. Mein Kriterium ist, dass sie in Nordwestmecklenburg entstanden sind.

Frager: Und wenn das politisch rechte oder verletzende Gedichte sind.

Antwort: Es bleibt zunächst mal beim Kriterium "Entstehungsort NWM". Problemfälle gab es noch nicht - und Probleme löse ich immer erst dann, wenn ich sie habe. Abgesehen davon betreibe ich ungern Zensur. Meinungen und Kunst und Texte usw. sind vielfältig wie bunte Blumenwiesen. Das ist einfach so, weil Menschen so vielfältig sind.

Frager: Es gibt ja Gedichte, wo drinsteht, dass man jemanden umbringen will, wegen Hass oder Eifersucht oder sowas?

Antwort: Ja. Davon gibt's viele. Nur wenige sind in Büchern veröffentlicht. Die meisten sind versteckt auf den privaten PC oder Notizzetteln.

Frager: Und sowas würden Sie auch posten?

Antwort: Vielleicht. Wenn es sprachlich gut ist. Liebe schlägt ja öfters mal in Hass um.

Frager: Dann kann ich mal was schicken?

Antwort: Ist Ihr Gedicht in Nordwestmecklenburg entstanden?

Frager: Nein, wo ist das?

Antwort: Mal kurz die Seite hier lesen? Und dann wieder melden, OK? Für Ihr Gedicht finden wir dann schon eine passende Lösung.

16.09.2018 Gedicht zum Spätsommer von Viola Schneider, Insel Poel

 

AOZORA

Glutroter Abendhimmel färbt Hausfassaden

Spiegelt sich in Fensterscheiben wieder

Vögel singen Abendlieder

Wellen legen sich zur Ruh

Meer verschluckt die Sonne

Ich schau fasziniert dem Schauspiel zu

Glaub, die Welt hält für Sekunden den Atem an

Erleb auf Poel diesen wunderbaren Sonnenuntergang

 

TEXTViSch von Poel 2008

Viola Schneider

12.09.2018 Bhf Bad Kleinen

Bad Kleinens Bahnhof wird ja dieses Jahr umgebaut da er als wichtigstes Umsteigezentrum der Region erkannt worden ist. Und: es klappt. Im Moment liegen noch überall Sandberge herum, aber die neue Fußgängerbrücke ist schön geworden. Eine ganz ähnliche Brücke habe ich zuletzt am Flughafen in Zürich gesehen, wo sie die Ankunftshalle mit dem Parkhaus verbindet. Hier läuft diese mit buntem Glas bestückte Brücke über die Gleise und es macht Spaß, da durchzugehen!

04.09.2018 Man(n) bläst zur Jagd

Ich habe mich die letzten Tage über immer etwas darüber gewundert, dass die Politiker der FDP und deren Vorsitzender Christian Lindner gar nichts zu den Geschehnissen in Chemnitz gesagt haben. Nicht mal zur Party gestern, zu der von diversen Musikern geladen wurde, hat man sich gemeldet. Dazu hat, aber das nur nebenbei, sich der Herr Bundespräsident Steinmeier (SPD...) gemeldet, der die Band Feine Sahne Fischfilet (aus MV) als prima betitelt hat (sonst gab's da ja keine Themen, in Chemnitz...) und dafür natürlich von Seehofer (aus Bayern) gerügt wurde. Aha - der kennt sich aus mit gutem Essen, der ehemalige Diplomat aus dem Auswärtigen Amt. Jedenfalls habe ich nun zufällig hier in MV bemerkt, warum die FDP zurzeit schweigt - die ist nämlich andersweitig beschäftigt und zwar mit der Jagd! Christian Lindner hat nämlich mal eben mittels Einzelunterricht seinen Jagdschein hier vor Ort auf Gut Grambow bestanden. Jatzt darf er Rehe, Wildschweine, Nandus, Gänse, Füchse und auch Dachse (siehe Foto: Dachsbau bei Schattin) jagen. Das Problem an der Sache ist aber, dass alle Jäger, die ihre Jagdscheine nicht in MV sondern in einem der anderen 15 Bundesländer gemacht haben, gemeinerweise behaupten, dass es hier zum Jagdscheintourismus jener Kandidaten komme, die zu unfähig für die Prüfung in einem der anderen Bundesländer sind. Ich sage: Hut ab vor dem Geschäftsmodell des mecklenburgischen Jagdverbandes!  Warum sollte der strukturschwache Osten nicht auf diese Weise zu Reputation und Euros kommen. Als Nebeneffekt haben sie es sogar noch geschafft, einen FDP-Politiker in die ehemalige DDR zu locken und dann auch noch in eine Region, in der so gut wie niemand den vollen Namen seiner Partei zu kennen scheint (Friedensdemokratiepartei sagte mir mal ein älterer Herr am See - und der meinte das ernst). Das i-Tüpfelchen des Geschäftsmodells der mecklenburgischen Jäger wäre allerdings eine leider noch fehlende Fußnote im Jagdschein: *Darf ab sofort überall jagen außer in Nord-West-Mecklenburg. Denn nur dann könnte man sich hier beim Wandern durch Wald und Feld einfach wieder sicherer fühlen!

03.09.2018 Die Sofas der Nation

Letzte Woche ging im Land ja die Post ab...zuerst wurde in Chemnitz ein Deutscher von zwei Migranten, deren Legalitätsstatus offen ist, mit 18 - 35 (man erfährt es nicht genau) Messerstichen getötet. Ich würde sagen, im Anschluß daran und aus Rache wurde in Wismar ein Syrer mit einer Eisenkette von zwei Deutschen in einem Park niedergeschlagen. In Chemnitz wurde demonstriert, mit deutschen und mit bunten Fahnen, es wurde auf den Straßen diskutiert und die Medien hatten ihr Sommerloch überwunden. Ich erinnere mich sehr gut an die erste Einwanderungswelle in 2015. Die Kanzlerin sagte was (schaffen...schaffen...wir...äh, ich meinte ihr...), die Medien sagten da kommen syrische Ärzte, die brauchen wir hier in Deutschland total dringend, der nachhaltig doofe, damalige Innenminister de Maizière (der vor seinem Innenministeramt als Verteidigungsminister bereits die Bundeswehr in den Mist gefahren hatte), sagte uns ist nicht bekannt, dass mit den Flüchtlingen Kriminelle oder Gefährder ins Land kommen, die einsamen Frauen in meiner Ostumgebung sagten wir müssen helfen, helfen, helfen, helfen! Ich sagte jaaa: helfen. Und immer schön laut sein dabei, denn sonst merkt ja keiner, dass ihr alle so toll helft. Die lauten Helfer waren 2015 einfach zu laut und jetzt in 2018 melden sich die Nicht-Helfer zu Wort und sind noch lauter. Meine Bekannten in Japan und Australien halten die Deutschen für verrückt in jeder Hinsicht. Eine wahnsinnig vitale und vor allem emotionale Nation, die fast täglich entweder wegen HELFEN oder wegen TÖTEN weltweit in den Abendnachrichten erscheint. Und was sagt der Außenminister Heiko Maas, der plötzlich überhaupt mal was sagt? Er sagt im Zusammenhang mit Helfen und Nicht-Helfen und Rassissmus die Deutschen müssen mal vom Sofa hochkommen, den Mund aufmachen und ihre Bequemlichkeit ablegen! Das stand am Wochenende in der ZEIT. Die Straßen kochen und dampfen in diesen wunderschönen Spätsommerwochen vor brüllenden Bürgern jeglicher Couleur und der unterstellt der Bevölkerung, bequem (und feige) auf dem Sofa zu sitzen? Wenn er so weiter macht, toppt dieser Heiko Maas (SPD) demnächst noch den de Maizière (CDU) von 2015 in seinen fatalen Fehleinschätzungen!

25.08.2018 Die Bildungsministerin von MV heißt Birgit Hesse

... und steht auf einer Umfrage unter den Mitgliedern des deutschen Hochschulverbandes auf dem letzten Platz aller Bundesländer. Allerdings machten in MV nur 63 von ca. 800 stimmberechtigten Hochschullehrern mit, also nicht mal 10%. Und es kann sein, dass nur jene abgestimmt haben, die wütend auf Frau Hesse waren und deshalb schlecht abgestimmt haben. Die Zufriedenen haben, denn eine gewisse Bequemlichkeit bringt die Zufriedenheit ja gerne mit sich, vielleicht gar nicht abgestimmt. Man weiß es nicht. Jedenfalls kommt Birgit Hesse eigentlich aus dem Westen, nämlich aus Schleswig-Holstein. Ich würde mal tippen, dass eine Bildungsministerin in Bayern, die aus Brandenburg, kommt, von den bayerischen Hochschullehrern auch schlecht bewertet würde - hätte sie es denn  utopischerweise überhaupt geschafft, in Bayern Bildungsministerin zu werden. Oder die schlechten Bewertungen liegen evtl. mal wieder am Parteibuch. Birgit Hesse ist nämlich in der SPD. Und deren aktuelle Vorsitzende mit ihrem polternden, lauten Auftreten und ihrer "Ätschi-Bätschi-Rhetorik" ist sicherlich keine Unterstützung für die Bildung und ihre SPD-Minister in Deutschland 2018.

24.08.2018 Schulbeginn und Lehrerzahlen

Die Bildungsministerin von MV hat im August die Lehrerzahlen für das Bundesland bekannt gegeben. Es waren 642 Lehrerstellen ausgeschrieben und davon hat sie 633 besetzen können. Es gibt also nur noch 9 freie Stellen. Ein guter Wert für MV, da ja fast bundesweit Lehrermangel herrscht. Es wird zwar gejammert, dass 1/3 der neuen Lehrer Quereinsteiger seien und damit pädagogisch nicht ausreichend geschult...aber ich tippe mal, dass die Quereinsteiger zum großen Teil ihr Fach besser beherrschen als die vermeintlichen Profipädagogen. Und so etwas kommt den Schülern mehr zugute als etwa Diskussionen um Handys, was ja sowieso eigentlich Elternsache wäre! Wer etwa in London in Anglistik promoviert hat und dafür zum Beispiel 3 Jahre  gelebt hat, kann nun mal besser Englisch als ein Lehrer, der an der HU in Berlin studiert hat und 6 Monate mit einem Erasmus-Stipendium in den Dubliner Pubs abgehängt ist.  Und ich wette, der Quereinsteigert kann die Sprache auch besser lehren, einfach weil er cooler in seinem Fach ist, sein Fach liebt und deshalb wirklich will, dass die Schüler Englisch lernen. Profipädagogen sind immer schlechte Lehrer!! Die Profipädagogen wollen meistens ja einfach nur Lehrer werden und wählen dafür Fächer, von denen sie denken, dass sie für sie einfach zu studieren sind (also zum Beispiel Puppenbau und Ethik). Was das eigentlich für eine Anmaßung ist! Menschen, die ihr Geld damit verdienen wollen, Kinder zu beherrschen....das Unterrichtsfach dient nur als Mittel zum Zweck des Herrschens, ist also Nebensache. Also, liebe Bildungsminister dieser Republik: MEHR QUEREINSTEIGER verbessern die Schulen! Da bin ich sicher - aus eigener Erfahrung als ehemalige Schülerin und ehemalige Hochschullehrerin, die im Übrigen auch angehende BiologielehrerInnen unterrichten musste. Puh, das waren harte Zeiten...

18.08.2018 Der Lenin in Schwerin und ...

... ein kleiner Vortrag zur Finissage der Ausstellung Pionierpflanzenkunst und weiterer Wildwuchs zu finden bei Essays...

17.08.2018 Wespensommer

Nachdem in 2017 aufgrund des Dauerregens Frösche, Molche, Echsen und Schlangen lachen konnten, können es in diesem Trockensommer die Wespen. Im Haus auf dem Lande gibt es diverse Nebengebäude und Dächer und Balken und gesammeltes Holz usw. in unüberschaubarem Ausmaße. Und immer dann, wenn die menschlichen Bewohner den Überblick über ihre großzügigen Anwesen auch nur ein bischen verlieren, dann stürzen sich Pflanzen und Tiere bekanntlich in die Lücken dieses Chaos' hinein. In unserem Fall also die Wespen. Angeblich zieht die sächsische Wespe gerade nach Norden und besiedelt die hiesigen Dächer und Scheunen. Mich würde das alles nicht stören - es ist einfach der Lauf der Dinge - aber gerade an der Stelle, an der das Wespennest nun ist, befand sich in 2017 das Nest eines Zaunkönigs mit winzigen 4 Eiern! Die Eier der Zaunkönige sind übrigens kleiner als Wespen! Ich werde also im Winter die Wespen entfernen (Insektenschutz hin- oder her) - und inständig hoffen, dass das Zaunkönigweibchen im Frühjahr 2019 wieder zurückkommen wird!

16.08.2018 Hitzeopfer?

In der Kleinsststadt am Nordufer des Schweriner Sees gibt, bzw. gab, es ja drei Kaufhallen: Aldi, Netto und Edeka. Im Edeka ist gleich auch noch die Post mit drin. Nun hat vor einigen Wochen der Aldi zugemacht?! Ich war sehr überrascht, obwohl ich persönlich ja das interessante Angebot in den Tiefkühltruhen des Nettos sowieso immer interessanter finde. Trotzdem: es ist das allererste Mal in meinem bisherigen Leben, dass ich sozusagen Zeitzeugin bei der Schließung einer Kaufhalle war! Um den Aldi herum gibt es einige alte Häuser, von denen jetzt einige verkauft werden sollen. Keine Ahnung, ob das nun ein Zufall ist oder ob Kaufhallenschließungen das Immobiliengeschäft drumherum ankurbeln... ist für mich ja hier nun das erste Mal. Bislang empfand ich Kaufhallen, oder im Westen die Supermärkte, als gesetzt auf ewig, so in etwa wie Kirchen. Aber die ostdeutsche Provinz birgt einfach unvorstellbare Überraschungen in sich und nach wie vor komme ich aus dem Staunen nicht heraus!

27.07.2018 Anpassungen an die Trockenheit

Dieses Jahr ist es einfach knochentrocken in Nordwestmecklenburg. Das Getreide ist gerade mal kniehoch gewachsen (so hoch wie der Kopf meines Hundes) und in den Traktorfurchen sind Trockenrisse, die an die Topographie der Wüsten in der Sahelzone erinnern. Die Tümpel in den Söllen trocknen zum Teil aus, sodass Rehe, Feldhasen, Wildschweine, Vögel, Amphibien und Reptilien ein Problem haben. Natürlich haben auch die Nutztiere, bzw. vor allem deren Halter ein Wasserproblem. Überall sieht man Traktoren und (richtige) Geländewagen, die die weißen Wasserkanister von Weide zu Weide ziehen. In den TV-Nachrichten des NDR wird die Trockenheit erläutert: durch die Erhöhung der Temperatur Richtung Pol hat sich die Temperaturamplitude zwischen gemäßigten Breiten und Pol verringert. Dadurch hat sich das Windsystem in diesen Breiten, Jetstreams genannt, verlangsamt. Die Jetstreams blasen in den oberen Atmosphärenschichten in Wellen um die ganze Erdkugel herum. Die Bögen der Wellen sind größer geworden und dadurch das ganze System langsamer. Abwechselnd finden sich in den Bögen Hochs (= bei uns Sonne und kein Regen) und Tiefs (= bei uns Wolken und Regen). Weil die Jetstreams jetzt also langsamer oszillieren, bleiben die jeweiligen Wetterlagen jeweils länger über Nordwestmecklenburg als das früher der Fall war. In 2017 war ja ein extremes Tief über den gesamten Sommer hinweg präsent und in 2018 ist es eben ein extremes Hoch. Was tun? Auf Trump schimpfen? Man kann sich auf  Politiker doch sowieso nicht verlassen - weder im öffentlichen noch im privaten Leben. Deshalb sollte man sich anpassen - also, evolutionär gesehen, um nicht verrückt zu werden (oder auszusterben). Der erste Schritt hier vor Ort wäre wohl zunächst mal die Anschaffung von Löschwasserflugzeugen und die Ausbildung passender PilotInnen, welche die durch die Trockenheit geförderten Brände löschen können. In Deutschland gibt es immer noch kein einziges Löschwasserflugzeug. Weder im Westen noch im Osten - unglaublich aber wahr. Keine Fakenews! Das wäre doch eine Geschäftsidee für strukturschwache Regionen wie Brandenburg und Mecklenburg: Ziel ist es, die weltweit beste Löschwasserflotte aufzubauen - statt im Schatten zu jammern.

22.07.2018 Epische Strohballen

In der Trockenheit ist die Getreideernte in vollem Gang. Wenn die Traktoren und Erntemaschinen über die Felder fahren, dann ziehen sie hinter sich riesige Staubwolken her. Wenn ich über den Schotterweg zwischen den Feldern fahre (VW Polo) dann ziehe selbst ich Staubwolken hinter mir her. Gestern (Sonnabend) wurden die Strohhalme zu rechteckigen Strohballen gepresst und lagen über die Felder verteilt. Heute (Sonntag) wurden diese rechteckigen Strohballen zu Wänden aufgetürmt. Das ist insofern bemerkenswert, da rechteckige Strohballen selten geworden sind. Heutzutage sieht man meist ja die runden Strohballen auf den Feldern (und in den Ställen). Der Haufen auf dem Foto ist der kleinere der beiden Haufen von nebenan. Der große Haufen ist etwa 5x so lang. Morgen (Montag) werden die beiden Wände wohl verladen und abgeholt werden. Und dann: muss ich ein ganzes Jahr warten, bis ich wieder so eine epische Strohballenwand auf dem Feld vor mir sehen kann!

16.07.2018 Es brennt

Das Jahr 2017 hatte eigentlich keinen richtigen Sommer in NWM. Es hat geregnet und geregnet und geregnet. Das war gut für die Frösche und schlecht für die Äpfel. Das Jahr 2018 hat einen Mega-Sommer. Im Juni hat es gar nicht geregnet, im Juli bislang immerhin einen Tag lang. Ansonsten war und ist es warm oder heiß und eben trocken. Das ist gut für den Tourismus und die Brandstifter und schlecht für Getreide, Schafe und Schäfer, Kühe, Feldhasen und Feldhasenbabies, Rehkitze, Nandus, Frösche usw. und überhaupt. Letzte Woche brannte eine Wald (!) nahe Ludwiglust. Für vier volle Tage war ein Stück der Autobahn gesperrt. Dann wurde in einem Kanal südlich des Schweriner Sees Wasser aufgestaut und damit gelöscht. Sonst brannte es mindestens noch in Bobbin (330 Strohballen), in Kuhs bei Güstrow das Getreidefeld (oben), in Fahrbinde (ein Radlager, also alte Auoreifen), in Grebs (30 Strohballen) und im Märchenwald in Neustrelitz (5000 qm Wald). Gründe für die Brände (Trockenheit ist ja nicht der Grund sondern nur die Voraussetzung dafür), sind Zigarettenstummel, Lagerfeuer, Selbstentzündung (Strohballen), Versicherungsbetrug und allgemeiner oder  jugendlicher Wahnsinn. Eines der Getreidefelder tauchte im Internet auf, mit Selfies zweier Jungs (15 und 16 Jahre) und dem stolzen Bekenntnis, für diese Show verantwortlich zu sein.

26.06.2018 Die RAF und Bad Kleinen

Morgen vor 25 Jahren sind im Bahnhof von Bad Kleinen der RAF-Mann Wolfgang Grams und ein Polizist der GSG 9 gestorben. Grams wurde auf dem Bahnhof von einem Polizisten getroffen und hat sich daraufhin (angeblich) selbst erschossen. Die zweite Person der RAF auf diesem Bahnhof, Birgit Hogenfeld, wurde damals gefasst und ist seit 2011 wieder auf freiem Fuß. Der 27.06.1993 gilt als der letzte Tag der RAF. Als ich vor einigen Jahren das erste Mal in Bad Kleinen war, bin ich sofort zum Bahnhof gefahren, weil ich dachte, dass es dort eine Art Gedenk- oder Informationstafel zu diesem Vorfall gibt. Vielleicht auch noch Schusslöcher in einer der Bahnhofswände. Es gab aber gar nichts, einfach nichts. Der Bahnhof war verlassen im Nebel, in der Unterführung waren Pfützen, es roch nach Pisse, Putz und Farbe brökelten von den Wänden, die Anzeigetafeln funktionierten nicht, alte Zeitungen, fauliges Laub, Hundekot und Glasscherben zogen sich die Treppen rauf und runter. Ein eigentlich typischer Bahnhof für ostdeutsche Kleinststädte. Inzwischen wird der Bahnhof saniert, weil er als Knotenpunkt zwischen Schwerin, Rostock, Lübeck und Wismar erkannt wurde (Foto: Strecke in Richtung Lübeck). Nur 200 m vom Bahnhof entfernt ist der geniale Schweriner See und für mich liegt Bad Kleinen etwa so schön wie Starnberg in Oberbayern am Starnberger See. Dort also nahm die RAF ihr Ende. Warum gerade dort? Ich weiß es nicht. Zur RAF selbst habe ich auch keine richtige Meinung, obwohl ich mit dem Bewusstsein, dass es sie gibt, großgeworden bin - etwa so wie mit den permanenten Kriegszuständen im nahen Osten - da hatte ich auch noch nie einen richtigen Überblick und inzwischen eigentlich auch gar keine Lust mehr, noch einen zu bekommen. Bettina Röhl, die Tochter von Ulrike Meinhof, einer damals wichtigen RAF-Frau, hat anlässlich des 68er-Jubiläums kürzlich einen Satz zur RAF gesagt, den ich mir gemerkt habe: Leute mit Null Ahnung hatten den Anspruch, die Welt umzuerziehen. Ein sehr kluger Satz! Als Tochter! Die RAFs wollten Erwachsene umerziehen - das ist genau das, was ja so viele wollen: die anderen Erwachsenen erziehen. Und das klappt, wenn überhaupt, nur mit Gewalt.

23.06.2018 Überraschung: Rezension zu KOMA

Der Beitrag heute hat nichts mit NWM zu tun und auch nichts mit OST-WEST, oder so. Gibt ja auch noch andere Welten auf dieser Welt...

Jemand hat nämlich vor einer Woche unvermittelt eine Rezension zu meinem Gedichtband KOMA geschrieben. Jetzt gibt es zwei Rezensionen dazu auf amazon.de. Und ich finde diese hier so passend, dass ich sie jetzt hier reinstelle. Zum Gedichtband OSTMANN wurde nichts weiter vermerkt -- obwohl das doch viel viel einfacher gewesen wäre.

Ein großes Dankeschön an den Rezensenten!

 

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***** Verstand und Gefühl

Von Christian Schmincke (Klinik am Steigerwald) am 16. Juni 2018
Bei einer Dichterlesung bin ich auf diese beiden Gedichtbändchen ("Ostmann" heißt das andere) von Ruth Thomsen gestoßen. Eindrucksvoll, schön und etwas gruselig wie sie das Sterben und das, was danach kommt, aus ihrem unmittelbaren Erleben schildert. Gleichzeitig lakonisch knapp und sehr emotional. Wie ist das, wenn der geliebte Mann, gerade nebem einem im Auto gestorben, künstlich am Leben gehalten wird, wegen der Organe. Und der Medizinbetrieb überhaupt nicht weiß, wie damit menschlich umgehen. Man spürt an diesen Sätzen, dass die Autorin Naturwissenschaftlerin ist. Wie der Ausdruck von Trauer und Wut immer wieder kippt in das nüchterne, kalt-heiße Registrieren von dem was da abgeht. Und zurück. Keine Anklage. Man weiss auch so, was Sache ist. Ruth Th. soll weiter schreiben.
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18.06.2018 Wasservogelzeit

So nah war ich überhaupt noch niemals an Entenküken dran! Etwa 60cm.

Und die Seen sind voller kleiner Wasservögel und geschäftiger Vogeleltern, bzw. meist geschäftiger Vögelmütter. Haubentaucher mit Küken, Bläßhühner mit Küken, Schwäne mit Küken, Stockenten mit Küken, Kanadagänse mit Küken, Graugänse mit Küken...

 

Ein Kind, das ebenso paralysiert wie ich vor den Entlein sitzt, fragt mich:

Kind: Und die Vogelväter, was machen die?

Ich: Na, die paaren sich mit allem, was da so vorbeischwimmt und noch keine Küken hat.

Kind: Ach so.

Längere Denkpause des Kindes. Und plötzlich sagt es:

Kind: Ich weiß, warum sich die Väter immer weiter paaren! Weil die so viel Zeit übrig haben!

 

Die Vogelväter haben natürlich neben der vielen Zeit auch viel Sperma übrig, aber das sagte ich dann doch besser nicht. War ja nicht mein Kind.

12.06.2018 Gut Manderow

Jemand hat das alte Gutshaus in Manderow in NWM gekauft und saniert es jetzt. Meine ehrliche Bewunderung gilt allen, die sowas hier im Osten machen! Zuerst muss saniert werden - und Sanierungen in Ostdeutschland beginnen immer damit, Müll wegzuräumen. Den Müll aus Jahrhunderten, aber vor allem den Müll aus DDR-Zeiten. Und Müll: ist teuer. Danach beginnt das eigentliche Sanieren des Gebäudes, falls man genügend und gut genuge Handwerker findet. Meiner Erfahrung nach sind polnische und seit kurzem nun auch rumänische Handwerker gut. Nicht sehr gut, aber gut - und oft leider zumindest besser, als viele der Ansässigen, weil sie einfach total zielstrebig arbeiten (sie wollen ja wieder zu ihren Familien zurück) - und nicht so rumtrödeln. Tragisch, aber ein Erfahrungswert, den nicht nur ich habe. Ist ein großes Thema hier, sagt nur keiner. Nach Dach und Wänden und Böden und Heizung usw. beginnt dann irgendwann das Einrichten und Vermarkten als Pension, Ferienwohnung, oder so. Da haben viele aber schon kein Geld mehr und sparen dann entweder am Inventar oder an der Vermarktung oder an beidem. Irgendwann kommen dann aber die ersten Gäste und man findet sich, nachdem man schon RäumunternehmerIn, BauherrIn, InnenarchitektIn und WebsitenprogrammiererIn werden musste, nun plötzlich als HauswirtIn wieder. Dazu gehört zwischendurch natürlich auch noch eine Schnellfortbildung im Steuer- und Versicherungsrecht. Oft läuft es im Vermietungsgeschäft dann so, dass man es noch vor dem ersten Jahr wieder beendet und einen Käufer für das teil-sanierte Haus oder Gutshaus sucht. Entweder zahlen die Gäste nicht, oder sie nerven zu sehr, oder sie verschmutzen alles, so dass man wieder mit fremden  Müll zu tun hat und ... Oder die ländlichen Nachbarn, diese gelegentlich verpeilten Neidhammel, drücken einen auf diverse Art- und Weise nieder, statt die Chance zu sehen, da mitzumachen und zu profitieren. Lieber Hartz IV oder den Niedriglohnjob als Gärtner, bloß keinen Job beim Neueigentümer, der in *meiner DDR* nach einem Vierteljahrhundert Leerstand ein altes Haus als Eigentum erworben hat. Bloß nicht! Überlebt man also die Sanierungszeit und das erste Jahr, ja dann, wird's oft gut. Neue Menschen treffen ein, neue Bekannte, gute Gäste kommen wiederholt, mieten sich mal über den Winter gleich für ein paar Wochen ein, pflanzen Kräuter und lassen sie dann dort (ohne daran zu denken, dass das Eigentum, bla bla...). Ich weiß nicht, wer Gut Manderow gekauft hat - aber das ist ja auch völlig egal! Dort soll nach dem Verfall während der DDR-Zeit und während des Vierteljahrhunderts danach nun einfach wieder Leben entstehen. Oft geht es ja mehr um sowas als um die Euros, wenn man Häuser kauft, saniert und wiederbelebt. Sehr oft sogar - weil sich nämlich alte Häuser im Vergleich zum Aufwand gar nicht lohnen. Merkt euch das, ihr Neidhammel!

03.06.2018 Wetter und Hecken

Wetterkapriolen. Tolles Wort und jedes Jahr zunehmend passender für das Land! Ende Mai tropische Hitze, dann tropische Regenschauer, dann wieder tropische Hitze, dann wieder sintflutartige Regen... Ostern dieses Jahr war ja noch eisekalt (Schnee...) und nur ein paar wenige Wochen später sieht nun die Welt ganz anders aus. Aber Menschen sind ja anpassungsfähig. Und ausserdem wachsen nun erstmalig meine Thujen in Berlin über den Gartenzaun hinaus - und wenn es so weitergeht mit Wärme + Wasser, dann verdecken sie ab August das Küchenfesnter der neugierigen Nachbarin. Und das ist ja das Ziel dieser Heckenpflanzung: Sichtschutz! In Mecklenburg hat ein entfernter Nachbar vor 2 Jahren Mini-Thujen gepflanzt -- die sind jetzt schon so hoch wie kleine Apfelbäume und absolut Blickdicht. Aber dieses Jahr...schaffen es meine auch! Nach schlappen 6 Jahren! Ich bin einfach etwas langsam in allem...

27.05.2018 Vom Menschsein

Wenn man es über 20 Jahre beruflich mit nicht-menschlichen Primaten (=Affen) zu tun hatte, dann freut man sich immer über Verhaltensweisen, die so eine gewisse Erinnerung in einem wecken. Im Dschungel rennt man als Primatologin ja gerne mal Affengruppen, bzw. speziellen Affen aus der Gruppe hinterher und notiert, was die so den ganzen Tag über machen. In meinem Fall waren das Männchen --- 20 Jahre lang (... da sollte man besser nicht weiter drüber nachdenken). Waren diese Affenmännchen mal ausnahmsweise weder mit Sex (weder mit Sex-mit-sich-selbst noch mit Hetero-Sex) oder fressen oder schlafen beschäftigt, dann zeigte sich als eine ihrer auffallendsten Eigenschaften: die Neugier! Neugier ist eine sehr friedliche und smarte Eigenschaft, wie ich finde. Und es ist toll, wenn man dann in der menschlichen Zivilisation an einen Ort gelangt, in dem zufällig quasi eine wissenschaftliche Versuchsanordnung im Feld aufgebaut ist. Hier deshalb also nochmal Fotos aus der Ruine von Prora. Auf dem Weg zum Hafen steht noch dieses immer noch verfallende Gebäude. Es hat ganz viele Löcher, in denen mal Fenster waren. Im Erdgeschoß wurden alle Fenster bis auf eines zugemauert. Unter dieses einzige noch offene Fenster hat irgendwann jemand mal einen Ziegelsteinturm gesetzt. Beim Spaziergang vom Strand zum Prora-Museum muss man etwas durch den Sand und kann dann auf den Ziegelsteinturm steigen und in dieses einzige noch offene Fenster reinsehen. So. Das haben innerhalb von 2 min von ca. 15 Personen die da gerade hin-und-her gegangen sind, ca. 10 gemacht und 4 davon haben wir fotografiert -- obwohl ich ja eigentlich nie fremde Menschen fotografiere. Es war diesmal einfach eine umwerfend kommunikative Angelegenheit! Besonders amüsant war, dass jeder, der gerade wieder von den Ziegeln runtergestiegen war, in etwa sagte Da ist's nur schwarz und nichts drin...und trotzdem sind alle doch noch selbst nachsehen gegangen (...und auch darüber sollte man vielleicht besser nicht weiter nachdenken). Am Ende noch ein Foto des sanierten Teils dieser Anlage. Eine weiße, tote Architektur mit lauter solitären Urlaubern, die auf ihren Balkonen sitzen und rauchen - und das zu einem qm-Preis von bis zu 4200 Euro.

19.05.2018 Diese Skulptur zum Pfingstwochenende für alle

Sie läßt mich einfach nicht los. Diese Skulptur im Schlosspark von Putbus ist eine der, wenn nicht die schönste Skulptur, die ich überhaupt jemals gesehen habe! Wäre sie in einem der großen Museen dieser Welt eingesperrt, z. B. in Florenz, dann würde man etwa drei Stunden anstehen und zunächst mal ca. 25 Euro Eintritt bezahlen, so wie für den David von Michelangelo. Anschließend stünde man in einer wispernden Menschenmenge mit 3 m Abstand davor, usw.

Aber hier in Putbus befindet sich nun eine Skulptur dieses gefallenen Kriegers, die dem David mehr als ebenbürtig ist. Einfach so, unter der Sonne, unter den Wolken, unter dem Mond und unter den Sternen sitzt oder liegt er da. Er ist nackt und vor ihm befinden sich noch sein Schwert und ein Horn auf der Erde. Irgendeine Schlacht hat er wohl gerade verloren, ist psychisch geknickt aber körperlich unversehrt geblieben. Man kann frei um ihn herumgehen und so erkennt man, dass auch sein Rücken einfach nur wunderschön ist. Auf keinen Fall möchte ich irgendwelche kunstwissenschaftlichen Details über ihn erfahren - denn ich finde ihn perfekt, einfach genau so wie er hier ist.

Zum Pfingstfest 2018 nun für alle kurz gesagt: so fühlt sich die Liebe an!

18.05.2018 Bilder aus dem Schlosspark Putbus

Eine kleine Fotoauswahl für diesen Wunderpark zu treffen ist einfach schwierig. Am besten, man fährt selbst mal hin. Übrigens ist dieser Park, so wie ganz Putbus, sehr gepflegt, aber ziemlich menschenleer. Hier also, der Riesenmammutbaum, der Teich, der charmante Wipptierprinz, der geschlagene Krieger, der Marstall und das Wappen.

17.05.2018 Der Riesenmammutbaum von Putbus

Im Schloßpark von Putbus auf Rügen gibt es so viele bemerkenswerte Entdeckungen, dass ich gar nicht alle aufzählen kann. Spontan sehr besonders finde ich jedenfalls diesen Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum). Laut Wiki kommt die Art in Kalifornien vor und wurde im 19. Jhd. auch in Europa in Parks gepflanzt. Die Bäume werden zwischen 2500 und 3600 Jahre alt. Der hier ist ca. 190 Jahre alt und jetzt schon riesengroß für die Verhältnisse in diesem Wunderpark. Fürst Malte zu Putbus soll um 1820 hier etwa 60 Baumarten aus aller Welt anpflanzen haben lassen. Irgendwo soll auch noch eine dendrologische Besonderheit in diesem Park stehen: eine Baumart mit zwei Blattarten - und den habe ich doch glatt übersehen. Insgesamt interessant ist natürlich, dass die ehemalige DDR, in der es ja ideologisch gewisse Problem sowohl mit dem deutschen Adel als auch mit den USA gab, diesen Baum doch glatt übersehen haben muss, denn sonst wäre der wohl sicher gefällt worden um eine sibirische Kiefer zu pflanzen, oder so.

10.05.2018 und 13.05.2018 Herrentag & Muttertag

Der jährliche Herrentag findet ja auf der Straße statt. Ich musste eine nicht unbeträchtliche Strecke mit dem Auto von Berlin nach Rügen zurücklegen. Um 11:00 Uhr an der berliner Tankstelle die ersten Herrenmassen. Sie pumpten ihre Fahrräder und die Reifen der daran angebrachten Bieranhänger auf, standen kreuz-und-quer vor den Zapfsäulen rum, hatten Sepplhüte, Leuchtperücken oder sonstige auffallende Kopfbedeckungen auf und es ging ihnen allen super. Einer stellte seine Bierdose auf mein Autodach und als ich losfuhr, weil ich losfahren musste, ergoß sich das Bier über meine Scheibe. Mann, war das aber lustig! Auf der Autobahn dann etwa 100 km nördlich von Berlin standen an die 100 Herren mit Warnwesten über nacktem Oberkörper und Bierbauch auf dem Standstreifen. Ihre Fahrräder waren in das Feld nebenan gepackt oder an die Leitplanken gelehnt. Da war es ca. 13:00 Uhr und diese Herren waren demzufolge, ja, noch lustiger! Im Grunde ist der Herrentag eine riesige, unangemeldete Demonstration, die ganz Deutschland überzieht und einfach nur zeigt, dass die Straße dem Mann gehört. Selbst wenn er nur Fahrrad fährt - alles seins hier im Ländle. Zum Muttertag wiederum gab es nichts, was mir im öffentlichen Raum aufgefallen wäre. Keine Mütter an den Tankstellen, keine Mütter auf Standstreifen, keine Likörflaschen auf meinem Autodach. Im Radio gab es aber dann doch eine Meldung: ein 81-jähriger Rentner ist in Mecklenburg mit seinem Auto versehentlich nicht um die Kurve gekommen und in vier fahrradfahrende Frauen gerast. Drei sind schwer verletzt und in Lebensgefahr in der Klinik, eine ist bereits verstorben. Selbst im Alter und aus Versehen schaffen die Herren es noch ... es ist zum ... In gewissen Ländern Afrikas, die von hier aus gerne mal primitive Entwicklungländer betitelt werden, gibt es für derartiges Fehlverhalten immerhin noch die Verurteilung zu sehr-sehr-sehr hohen Geld- und Sachstrafen, die an die Familien zu zahlen sind - und das ist richtig so!

05.05.2018 Wo sind denn nun die Heringe?

 

Im März dieses Jahr habe ich das Heringsfest in Wismar verpasst - es war einfach zu kalt, um am Hafen zu stehen. Jetzt wo es endlich warm geworden ist, interessieren mich die aktuellen Standorte der Heringe in der Ostsee natürlich. Der Fischzug hat ja so seine eigene Magie! Es gibt diverse Websiten, wo man sich als Heringsanglerin, Heringsesserin oder Heringsinteressentin informieren kann. Zurzeit ist www.herings-angeln.de mein Favorit - so eine Kommunikation aus dem Fach zu lesen, ist einfach sehr entspannend. Meistens fängt man scheinbar ca. 100 Heringe, also entweder in zwei oder in sechs Stunden. Hier mal von gestern (F=Frau, M=Mann):

 

A-M: Moin, will WE nach Wismar und Umgebung ist da was los.

 

B-F:  Ist in Lübeck was gefangen worden?

 

C-M: 2-Stunden-4stuck.

 

D-M. Hallo. Es ist zwar nun schon 2 Tage her als ich die Heringe in Rostock gegenüber von „Pier 7“ geärgert habe.Hier allerdings mal ein kleiner Bericht.Ich habe morgens um 5.30Uhr mit angeln begonnen.Ich habe in der ersten Stunde sage und schreibe.36 Heringe gefangen.jeder Wurf brachte mehrfach Fisch.Dann legte gg 6.30Uhr die „Regal Princess“ an und es fuhren noch 2 große Fähren vorbei und da war es aus.Es kam erstmal nicht ein Fisch mehr.Da bin ich etwas weiter gezogen in Richtung Hohe Düne.Dort habe ich dann wieder ein paar Heringe gefunden.Ich habe bis ca 12Uhr geangelt und habe knapp 100 Heringe gefangen.Für mich war bzw ist das für vom Land aus auf Hering eine sehr gute Ausbeute

 

F-M: Moin moin, bin gerade von Rügen zurück. Dort läuft es super , fast jeder Wurf bringt Fisch.Vorne am Molenkopf (am Hafen wo die Gorck Fock liegt) zur Fahrrinne auswerfen. Wurfweite ca. 10 – 15m , allerdings solltet ihr UNBEDINGT kleine Haken – Fischhaut glänzend Gr.14 benutzen, sonst wird das nix, dann habt ihr schnell Erfolg . Petri Heil

 

G-M: War heute von 7 uhr bis 11 uhr im alten fischereihafen. direkt an der kaimauer heringe ohne ende ( 210 stück).alle angler haben ohne ende gefangen.

 

F-M: Wir haben heute Rollmops gemacht:)

30.04.2018 Zeit der Spatzen

Gegen Ende April brüten im Norden wieder die Spatzen (oder: Sperlinge). Irgendwie legen sie immer entweder zu viele Eier oder der Kuckuck wirft die kleinen Spatzenbabies aus dem Nest. Der Kuckuck, allerdings, ist ein Zugvogel und kommt erst im Mai zurück. Die Spatzen überwintern ja bei uns und wenn man im April also kleine Spatzen findet, dann kann das nicht der Kuckuck gewesen sein, sondern wohl eine Fehlplanung der Eltern. Zurzeit fallen diese nackten, blinden, dicken Mini-Vögelchen förmlich von den Dächern und aus den Bäumen herab. Und meistens überleben sie den Sturz auch noch...also, was tun? Natürlich kann man ein Nest nachbauen, hartgekochtes Eigelb mit Wasser zu Brei vermischen und alle zwei Stunden das hungrige Vögelchen füttern. Ist es dann flugreif, kommt das nächste Problem. Spatzen leben nicht monogam, sondern in Familiengrüppchen. Ohne Grüppchen kein Überleben in Garten, Park oder Wald. Der handaufgezogene Spatz findet nun garantiert keinen Anschluß, da auch die eigene Familie ihn nicht mehr als Mitglied erkennt (neuer Geruch, Singdialekt nicht gelernt usw.). Auch Spatzen sind böse Rassissten, wie die meisten Tierarten, die in streng hierarchischen Familiengruppen leben. Entweder verhungert oder erfriert er / sie oder wird gefangen und gefressen oder wird gemobbt oder stirbt an Einsamkeit. So ist das ja oft, mit Immigranten. Was also tun? Gleich liegenlassen?? Geht ja auch nicht! Der hier hieß Tschilp und wurde erwachsen. Als er dann endlich Federn hatte und richtig gut fliegen konnte, ist er mit dem Kopf direkt gegen den nächsten Türrahmen geflogen und war sofort tot. Ein weiterer...usw. Das schon geht seit Jahren so, immer ab Ende April.

23.04.2018 Ein Regengedicht und ein Haiku (beide von mir, leider noch unveröffentlicht;-)

 

Aus Nordwestmecklenburg (traditionelles Versmaß seit 2000 Jahren: 7-7-7)*:

Regenfragen

Wird es regnen, oder nicht?

Doch schon sicher, aber wann?

Wenn nicht heute, morgen dann!

 

Aus Japan (traditionelles Versmaß seit 2001 Jahren 5-7-5):

Begegnung im April

Von einem Kätzchen

beschnuppert schleicht die Schnecke

gleichgültig weiter

 

* Stimme aus dem Off: keine Scherze mit Poesie und alten Kulturen, bitte! Das bringt die aktuellen Abiturienten mit Deutsch im Hauptfach bei einer Gedichtanalyse noch voll-komm-en-dur-ch-einand-er!

 

21.04.2018 Schweriner Überraschungen III

In nur 50 m  Entfernung von der Leninstatue gibt es einen Halal-Supermarkt. Natürlich ist das für jemanden wie mich, nicht aus dem Osten stammend und auch nicht Muslima, einfach mal interessant - diese Kombination aus Ost-Platte und arabischer Kultur. Ich fühle mich doppelt fremd, als West-Frau. Hinzu kommt diese grausame Leere auf dem großen Platz davor. Den habe ich nicht mal fotografiert, weil da einfach nichts war, kein Leben, nur Beton. Der große Dreesch ist ja inzwischen international bewohnt und hinter den Fassaden der Platten befinden sich nun ganze arabische Dörfer in ihrer ganzen Lebendigkeit. Wenn diese Bewohner jemanden wie mich willkommen heißen würden, so wäre das natürlich toll. Aber man fühlt sich eher abgewiesen - durch die Architektur und durch die Leere. Und dann habe ich auch noch einen Hund mit (...). In die Dauer-Schlagzeilen ist diese Gegend in Schwerin seit 2015 / 2016 wegen Drogenhandels aller Art geraten. Leider hatte der Supermarkt geschlossen.

17.04.2018 Schweriner Überraschungen II

Der letzte Lenin? Wenn man in Westdeutschland zur Schule gegangen ist, dann hat man nichts Besonderes über Lenin erfahren. Es ging tagein-tagaus über Nazis und Hitler und über Hitler und Nazis und über KZs und Hitler und... Etwa solange, bis man sich daran gewöhnt hatte und nicht mehr abgeschreckt werden konnte. Eine psychologisch völlig verfehlte Schulpolitik. Privat wiederum hat man sowieso nicht über Lenin gesprochen, ausser man plante eine Revolution oder gehörte zur RAF, oder so. In der ehemaligen DDR war das natürlich etwas anderes. Auch weil Lenin die Sowjetunion gegründet hatte, standen zu DDR-Zeiten viele Lenin Statuen in den Städten. Die Sowjetunion gibt es nun ja auch nicht mehr - und ich dachte eigentlich, alle Leninstatuen seien nach und nach abgerissen worden. Manchmal wurden diese dann irgendwo vergraben - in Berlin zum Beispiel im Sand der Müggelberge nahe beim geplanten, neuen Hauptstadtflughafen - ein sehr bizzares Versteck! Diese Statue hier auf dem großen Dreesch wurde 1985 aufgestellt. Auch damals gab es schon die Plattenbauten im Hintergrud. Lenin soll hier an die Enteignung der Großgrundbesitzer während der Bodenreform in der Vor-DDR im Jahr 1945 erinnern. Natürlich gibt es seit langem Diskussionen in diversen Kreisen darüber, ob auch dieser Lenin verschwinden muss. Aber noch ist er da! Ich bin dafür, dass er bleibt. Ich war nach der Grenzöffnung übrigens ja auch dafür, dass die Mauer bleiben sollte, mit kleinen Türchen drin, damit man freiheitlich hin und her gehen kann. Dieses reflexartige Zerstören von DDR-Bauwerken war völliger Unsinn. Und es ist einfach nur gut, dass gelegentlich mal was vergessen wurde. Dass aber genau eine Leninstatue in der MV-Hauptstadt Schwerin vergessen wurde, ist schon bizzar. Vielleicht liegt es daran, dass Lenin hier die Hände tief in den Manteltaschen vergraben hat? Auch bizzar - und wahrscheinlich weltweit einzigartig.

10.04.2018 Schweriner Überraschungen I

Es gibt ja leider kaum Gedichte oder eben einfach Text im öffentlichen Raum. Meist werden Fassaden, wenn sie denn überhaupt aus ihrer Grauheit befreit werden, mit Graffity besprüht. Und Graffity werden fast nur von Männern gesprüht. Das muss man sich mal bewusst machen.

In Schwerin hat eine Wohnungbaugesellschaft am großen Dreesch eine Fassade mit Text* von einer Frau beschriften lassen. Etwas unverbindlich sind diese Wörter schon, aber natürlich gefallen sie mir besser, als gesprühte, tote Ratten, Astronauten oder lustige Monster - wie das in Berlin so üblich ist. Gegenüber dieser ausserordentlichen Fassade steht eine ausserordentliche Skulptur und diese nächste Schweriner Überraschung gibt es dann demnächst hier zu sehen.

 

 

 

*Der Bürgermeister des Dorfs Dechow, Bernhard Hotz, informierte mich nun darüber, dass die Fassadengestaltung unter "Kunst am Bau" fungiert und von Annette Czerny gestaltet wurde. Danke, Bernhard!!

07.04.2018 Versuchsfeld

Jetzt ist der Schnee endlich weg. Und in der Land-wirt-schaft tut sich was. Man hat offenbar eine kleine Fläche dieses immens großen, ehemaligen LPG-Feldes als Versuchsfeld angelegt. Auf den weißen Schildchen stehen Zahlen zwischen 300 und 330. Mal sehen, was da jetzt wachsen wird.

Was in der Gegend richtig fehlt, sind Hecken. Die bewachsenen Sölle in den Feldern sind gut, aber mit Hecken wäre alles noch besser für Vögel, Hasen, Insekten und überhaupt. Es ärgert mich immer, wenn diverse Umweltaktivisten in die Sahelzone, nach China oder in die Mongloei fahren, um dort Bäume & Büsche zu pflanzen, die dann nach und nach doch von den Ziegen aufgefressen werden. Abgesehen davon, dass diese permanente Bevormundung und Besserwisserei aus der westlichen Welt nicht zu ertragen ist, bringt sie auch nichts. Nachhaltigkeit entsteht von Innen, nicht von Aussen. Ich bin also dafür, dass wir hier-hier-hier Hecken pflanzen! Und wenn die mecklenburger LPG-Nachfolge-Kommanditisten dieses Wissen nicht mehr haben, da zu DDR-Zeiten nur große, heckenlose Felder in Mode waren, würde ich bei einer chinesischen Spezialistin nach dem passenden Pflanzenmix nachfragen. China hat eine fast 4000jährige botanische Historie zu bieten -- die können das!

02.04.2018 Neuer Schnee*

Ziemlich unglaublich, aber es hat nochmal richtig geschneit. Zum Glück scheint die Sonne.

 

 

 

 

 

 

*Dank an Katrin für das Foto!

 

01.04.2018 Bruthöhlen der Uferschwalben

Zu Ostern ein besonderes Bild: an der Steilküste der Insel Poel finden sich Löcher in der Wand. Das sind die Bruthöhlen der Uferschwalben (Riparia riparia). Die Uferschwalbe ist die kleinste der hiesigen Schwalbenarten mit einer Körperlänge von nur 12-13 cm (also etwa so klein wie der Molch vom 26.03.2018). Uferschwalben ziehen im Herbst nach Afrika und kommen im Frühling wieder zurück und schaffen es hier, wenn alles gut geht, zweimal im Jahr eine Brut aufzuziehen. Noch sind sie nicht eingetroffen - zum Glück, denn heute liegt Schnee an der Küste. Frohe Ostern 2018!

26.03.2018 Ein erster Teichmolch

Da ich aufgrund der Zeitverschiebung versehentlich nun eine Stunde früher als üblich im Grünen unterwegs bin, treffe ich nun auch auf andere Tiere. Heute überraschend auf der Wiese am Moor auf dieses Wesen....es könnte ein männlicher Teichmolch sein. Allerdings ist das mit der Bestimmung von Amphibien so eine Sache. Und insgesamt komisch ist, dass der (oder die) schon aus der Winterstarre erwacht ist, obwohl es dieses Jahr ja immer noch eisekalt ist. Der Bauch diese (Teich-)Molchs ist orange-schwarz getupft, der Schwanz ist abgeplattet und hat einen feinen, hellblauen Streifen. Da ja bei vielen Arten, Jungtiere anders als Erwachsene aussehen und erwachsene Tiere je nach Geschlecht wieder unterschiedlich aussehen und dann in der Paarungszeit nochmals anders aussehen als in der Nicht-Paarungszeit usw.....puh. Wahrscheinlich ist es ein-männlicher-junger-Teichmolch-noch-ohne-Prachtfarbe. Jedoch: laut der NABU-Molchbestimmungshilfe sind Deutschlands Teichmolche aber braun und höchstens 11cm lang. Der oder die hier ist aber pechschwarz und 12.5 cm lang. Passt schon mal wieder nicht - oder hier hat sich eine noch unbeschriebene Unterart herausgebildet. Gibt's ja häufig.

25.03.2018 Eine Woche vor Ostern

Es ist zu kalt für die Jahreszeit. Einfach zu kalt. Am Strand von Poel finden sich wie immer im Frühling Berge von aufgebaggertem Seegras, das irgendwie nicht so gut riecht. Eigentlich riecht es unbeschreiblich schlecht. Dazwischen liegen immer noch Schneeflecken im Strand. Bei dieser Windstille fühlt sich die Ostsee wie eine mit Eiswasser gefüllte Badewanne an. Und da die Osterferien begonnen haben, sind sehr sehr viele Menschen unterwegs. Auch viele Hunde - ganze Hundegruppen spazieren den Strand entlang. Aber es badet nur einer: meiner.

24.03.2108 Morgengruß aus Mecklenburg I

Welch Privileg es ist, vor die Tür zu treten und im Morgendunst über ein Feld zu laufen. Ausser mir und dem Hund sind da heute noch:

 

- zwei lautlos äsende Rehe

- ein Brutpaar lärmender Kraniche (es erschallt immer wieder ein markeschütterndesn "DOOOONG" aus dem Nebel hervor)

- etwa 60 schreiende Kanadagänse

- etwa 250 noch lauter schreiende Graugänse

- etwa 20 stille Schwäne

- ein Feldhase in Panik

 

Guten Morgen, liebe Natur im Früh-Frühling!

19.03.2018 Tonnen toter Seesterne am Strand

An den Stränden von Redewisch und Travemünde und dazwischen wahrscheinlich auch, sind über nacht unendlich viele tote Seesterne angespült worden. Das war in 2017 auch schon mal der Fall. Alle von der gleichen Art (Asteria rubens), der gemeine (= normale) Seestern,  rosa und fünfarmig. Die sehen in etwa so aus wie Patrick aus Spongebob. Es ist einfach schade. Seesterne sind ja Sympathieträger -- obwohl sie in den tropischen Meeren ziemlich schlecht für die Korallen sind. In Australien sind die dortigen "Dornenkronen-Seesterne" in Intervallen immer wieder eine Plage, da sie die Polypen der Steinkorallen abweiden. Aber in der Ostsee gibt's ja keine riffbildenden Korallen. Einfach schade.

18.03.2018 Dieses Wetter geht gar nicht!

Die Sonne scheint strahlenkalt, der Nord-Ostwind weht, die Temperatur liegt auf -10°C oder noch tiefer im Wind, die Autobatterie entlädt sich, die Weidezäune werden weggeblasen, die letzten Äste krachen runter, die Spatzen frieren, die Katzen frieren, die Wasserleitungen frieren ein, auf die Seen kann man auch nicht mehr, weil: es genau vor einer Woche +15° waren. Dieses Wetter geht gar nicht!

15.03.2018 Ministerium für Heimat

Die neue Regierung ist im Amt. Und dann auch noch mit einem neuen Innenminister & Heimatminister aus Bayern, dem Seehofer Horst. Es ist eigenartig, dass ich bei Heimat immer noch an Rehe auf Kartoffelfeldern im Nebel denken muss. Eigentlich ist es ja quatsch, so ein Bild in sich zu tragen, so ganz ohne Menschen?! Die Idee eines Heimatministeriums finde ich eigentlich gut. Wer auch nur ein bischen gegen die Globalisierung ist, der sollte umgekehrt für etwas mit Heimat sein - man kann ja nicht immer gegen alles sein. Und Heimat ist eigentlich nichts Peinliches - gelegentlich hat sie allerdings was mit Ausgrenzung anderer Menschen zu tun. Die eigentliche Frage aber ist ja, wo die Heimat des Einzelnen nun beheimatet ist?

 

ich liebe die vögel // ich liebe die vögel / und nicht die menschen / ich mag ihr gekrächze

und nicht das geschwätze / ich liebe die ruhe / und nicht das getue / ich will nicht mehr sprechen

bis zum erbrechen / wo kommen sie her / diese frage / ich will sie nicht hören / nie mehr.

aus: OSTMANN-WESTFRAU, tredition.de 2017

 

Für mich ist Heimat dort, wo ich mich und mein Dasein nicht rechtfertigen muss.

12.03.2018 Nachtrag zum Frauentag vom 08.03.2018

In meinem Geldjob bekamen alle Frauen von den Männern je ein Gebäck und eine Blume. Ich bekam einen rosa Donut und eine Sonnenblume. Den Donut habe ich sofort aufgegessen, wobei die rosa Glasur nicht so richtig lecker war. Die Sonnenblume habe ich bei der Heimfahrt und Einkaufsstop bei Lidl ihm Auto vergessen. Da hat sie mein dort wartender Hund aufgegessen. Shit happens...

Ich werde jetzt mal vorschlagen, dass zum Herrentag 2018 alle Männer der Abteilung jeweils zweit Donuts und zwei Blumen von den Frauen der Abteilung bekommen - wo kämen wir denn sonst hin?

09.03.2018 Schwarz-Rot

Die SPD hat's geschafft, Merkel hat's geschafft, wieder GroKo, zumindest für die nächsten zwei Jahre...oder so...Gabriel ist weg, Schulz ist weg...und obwohl die Neuen jetzt alle so gut gelaunt sind, fühlt es sich nicht gut an. Schwarz-Rot unter einem verrotendem Dach, das beim nächsten Sturm weggefegt wird. Und dann regnet's rein, in die GroKo, aus diesem bedrohlich hellblauen Himmel.

 

Leider, aber wirklich leider auch weg: Barbara Hendrichs. Sie hat ihren Job als Umweltministerin unspektakulär still und einfach gut gemacht. Sehr gut sogar!

08.03.2018 Zum Frauentag

Die Fassade auf dem Foto ist Teil der Alice-Salomon-Fachhochschule im Ost-Berliner Bezirk Hellersdorf Marzahn. An dieser Hochschule sind 75% der Studierenden weiblich -- warum wohl? -- weil man dort Soziales erlernen kann (Pflegeberufe etc.). An der Fassade nun prangt das Gedicht Avenidas von Eugen Gomringer, das er 1951 (!) auf Spanisch geschrieben hat:

Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer

In 2017 beschwerten sich StudentInnen darüber. Es gibt seitdem ausführliche Debatten in diversen Medien. Zusammengefasst gesagt meinen die StudentInnen: Wenn man über den weiträumigen Platz vor der Hochschule geht, dann ist das wie eine Art Brüste-Po-Schaulaufen, was eh schon nervig genug ist. Und das Gedicht nun würde diesen Effekt des sich Unwohlfühlens beim Über-den-Platz-gehen noch verstärken.

Als ich dort war, war's so. Und unter dem Gedicht standen dann auch noch Jungs mit Bierflaschen während direkt am Platzrand echte Männer in Grüppchen standen. Nur Männer - Null Frauen - ausgenommen meine Tochter und ich. Kurzum: die Hochschulleitung hat entschieden, dass dieses Gedicht im Herbst 2018 entfernt wird und dafür ein anderes hinkommt.

Freiheit der Kunst hin- oder her: ich finde die Entscheidung richtig. Es ist ein schönes Gedicht, rhythmisch und auch inhaltlich habe ich persönlich kein Problem damit, solange es auf DIN A4 Papier zwischen zwei Buchdeckeln steht. Für den öffentlichen Raum in Deutschland 2018 ist es schlicht und einfach nicht geeignet. Denn auch der öffentliche Raum muss neben dem Einkommen, den Besitzverhältnissen für Haus und Grund und den diversen Mitspracherechten an Machtpositionen mehr von der weiblichen Seite her geprägt werden. Zu 50 %. Vor allem die Finanzen! Dann braucht's auch keinen Frauentag mehr und man könnte ihn in einen weltweiten Lyriktag umwandeln.

Und das würde ich dann richtig feiern!

02.03.2018 Elche auf Eisschollen

Inzwischen ist es ja März geworden, aber es herrscht immer noch eine anstrengende, klirrende Kälte. In den lokalen Nachrichten gab es eine gute Meldung der Kälte zum Trotz: ein junger, männlicher Elch wurde in einer Kuhherde bei Parchim entdeckt. Kühe sind keine besonders integrativen Herdentiere - eigentlich vertreiben sie alles von ihrer Weidefläche und in die Herde rein lassen sie schon gleich gar kein Tier einer anderen Art freiwillig. Das reicht aus meiner persönlichen Erfahrung her von Stockenten bishin zu Eseln - alles muss raus! Ich stelle mir also eher vor, dass der junge Elchbulle etwas abseits der versammelten Kühe gestanden hat, alleine im Schnee. Doch wo kam er her? Laut Ulf Peter Schwarz vom Landesjagdverband MV bevorzugen aus Osteuropa einwandernde Elchbullen den Landweg. Die Elch-Wege aus Osteuropa nach MV und Brandenburg seien den heimischen Jägern von altersher bekannt, sagt Ulf Peter Schwarz. Tja...aber wie kommen sie dann über die Oder? Als ich 2001 ebenfalls in einem klirrend kalten Winter auf meiner ersten Party in Berlin-Friedrichshain war, traf ich eine Frau aus den USA. Ihre Familie war wegen der Nazis ausgewandert und stammte urprünglich aus Litauen. Die große mystische Naturerfahrung in dieser Familie war eine Kindheitserinnerung des Urgroßvaters, der damals in Litauen (also wohl vor 120 Jahren, oder so?) mit seinem Vater im Winter auf Elchjagd war. Als dieser Ururgroßvater das Gewehr anlegte sah der Elch das, trabte blitzschnell hin zur Memel und sprang auf eine Eisscholle, die davontrieb und ihn so vor dem Schuss rettete. Die Frau aus den USA war in Berlin nur auf der Durchreise nach Litauen um eben auch endlich endlich einen Elch auf einer Eisscholle auf der Memel zu sehen - sonst könne sie nicht mehr schlafen, meinte sie. Ich muss jetzt auch mal einen Elch auf einer Eisscholle suchen und natürlich unbedingt ein Foto von machen. Vielleicht auf dem Schweriner See.

28.08.2018 Zeitgeist: romantisches Mecklenburg!

Draußen gefühlte -20°C und eingefrorene Leitungen, drinnen ein flackernder Ofen und ein bunter Fernseher. Da einer der Nachbarn ein TV-Programm hat und dieses auch immer Gesprächsstoff liefert, habe ich jetzt auch eins, selbst in Berlin. Es kostet 89ct für 4 Wochen - unschlagbar. Und seit ich es lese, stelle ich mehr und mehr fest: da steckt doch ziemlich viel an Zeitgeist drin. Heute nun die große Überraschung: um 20:15 auf NDR eine Sendung Expeditionen ins Tierreich - Die tausend Seen im romantischen Mecklenburg. Aber Hallo: im romantischen Mecklenburg. Na, da haben die anderen das endlich auch mal kapiert! Sachsen-Anhalt oder NRW, zum Beispiel, könnte man etwa niemals mit romantisch betiteln. Mecklenburg eben schon! Man sollte auch gleich das Autobahnschild umschreiben: Willkommen im romantischen Mecklenburg statt aktuell: Willkommen im Land zum Leben.

25.02.2018 Schwerins Alter-Güterbahnhof

Ist, wie man sieht, schon lange außer Betrieb und verfällt. An einem eisigen Wintertag machten wir also, damit wir auch wirklich niemanden treffen, einen geheimen Ausflug an diesen geheimen Ort. Streng genommen gehört Schwerin nicht mehr in meinen Erkundungsbereich, da es nicht in NWM liegt. Aber egal, gelegentlich muss man ja auch den Rest des Landes erforschen. Meine Begleitung war von der Ausflugsidee sofort begeistert, da dort zu DDR-Zeiten, wie sie wusste, die Güterzüge aus Rüdersdorf ankamen und man Sand oder Kalk oder ?? (hab' ich vergessen) - also jedenfalls Baumaterial in Säcken direkt aus dem Zug in das Auto packen konnte. Ausserdem gab es eine Halle zum Befüllen für Gasflaschen, was für Schweißerarbeiten ja ganz wichtig ist. Kurzum: der alte Güterbahnhof war so eine Art DDR-Direkt-Vertriebs-Baumarkt und demnach von großer Bedeutung, da es ja noch keine normalen Baumärkte gab. Interessant ist auch, was aus dem Gelände wohl wird -- liegt ja gut, fast eigentlich sehr gut, neben dem Schweriner Hauptbahnhof. Solange dort aber noch nichts Neues entsteht, freue ich mich auf den nächsten Sommer, den Geruch des dann wieder hohen Grases und vor allem auf das leise Zirpen der Zikaden aus den Ruinen.

21.02.2018 Weit weg von Berlin 2...

...auf einer immer noch verfallenden Mauer des Alten-Güterbahnhofs-Schwerin befinden sich mal wieder einige dieser hübschen Provinzgraffities. Hier steht also übermenschlichgroß Yes, we will destroy. Das liest sich natürlich bei dem Gedanken an das Geschachere in CDU und SPD um die Minister- und sonstige Pöstchen wie ein böses Omen, dass wegen der Jusos - und überhaupt - die SPD-Mitglieder gegen die GroKo stimmen werden. Die Führungsriege der SPD war ja in letzter Zeit fast provokant gut gelaunt. Offenbar haben diese vermeintlichen Sieger im Machtrausch wegen ihrer persönlichen Karriereerfolgsgeschichten einfach vergessen, dass da erst noch abgestimmt wird (Schulz's Erbe: die Mitgliederbefragung) und im Falle von Neuwahlen vielleicht sogar die AfD mehr Wähler als die SPD hätte. Oder der aalige Bundespräsident empfiehlt die Minderheitsregierung.

20.02.2018 Weit weg von Berlin 1...

...hat der Nachbar nun wieder das Verkaufsschild an seinem Gartenzaun ausgewechselt. Seit Mitte November und exakt auf den Tag genau als die Regierungsbildung über eine Jamaika-Koalition gescheitert war, hing ja dort das Schild Enten geschlachtet. Nun also hängt dort neu das Schild Kaninchen geschlachtet (das Eierschild hängt ja eh immer, da es immer Eier gibt). Der Nachbar ist kein Biobauer, oder so. Er hält einfach Hühner in einem gemütlichen Hühnerstall mit nachmittäglichem Freilauf auf der Gartenwiese. Die Enten haben einen Ententeich (weil die ja so gerne baden) und die Kaninchen sind im Hühnerstall in normalen Kaninchenkäfigen (aus Holz!) mit viel Heu drin untergebracht. Nix Bio -- aber mehr als nur OK. Und eben auch bezahlbar. Da sich demnächst der Showdown für den 2. Versuch der Regierungsbildung in Form der Abstimmung der SPD-Mitglieder über ein Ja oder ein Nein zur angestrebten GroKo nähert, fand ich den Zeitpunkt des Schilderwechsels einfach mitteilenswert.

13.02.2018 Der Jäger...

...vor der Jagd. Auf dem Rückweg vom zugefrorenen Moorsee fährt ein silberner Pickup direkt vor meiner Nase vom Weg ab hinauf aufs Feld (und über die Wintersaat). Er hält auf einer Anhöhe und es steigen aus: der Jagdhund zuerst (Deutsches Drahthaar), der Hilfsjäger, der die Hundeleine hält, sowie der Jäger, der das Gewehr trägt. Der Hilfsjäger klappt hinten noch das Beutegitter aus, in dem sich in Kürze die geschossenen Wildschweine stapeln sollten. Dann gehen die beiden nach Osten in die winterliche Abendsonne hinein eine Strecke von ca. 200 m bis zu einem Hochsitz. In Mecklenburg müssen ja 2018 nur noch 80.000 Wildschweine (kein Scherz!) geschossen werden. Und danach müssen dann die etwa 20 Wölfe der Gegend geschossen werden, damit sie keine Schafe mehr fressen, weil die Wildschweine ja von den Jägern...usw.  Ich wünsche also den Wildschweinen viel Glück und trabe unter den Sternen zusammen mit meinem Hund schnell (jawohl!) nach Hause. Heute früh nun beim morgendlichen Hundespaziergang scheucht der Hund ein riesiges Wildschwein auf, das sich vor einem bewachsenen Söll befindet und im Kreis dreht. Es kann offensichtlich die Hinterbeine nicht mehr richtig bewegen. Zum Glück ist es weit weg und zum Glück kommt der Hund nach meinem Ruf ausnahmsweise auch mal sofort zurück zu mir. Das ist ja nicht der erste Fall dieser Art - und es nervt, denn sie treffen einfach nicht gut, diese nordwestmecklenburgischen Jäger!

11.02.2018 Auf dem gefrorenen Moorsee

Der Moorsee ist zugefroren. Und zwar nicht irgendwie, sondern spiegelglatt und glasklar wie eine riesige Glasscheibe. Und keiner interessiert sich dafür, weil die Gegend im Allgemeinen und um diese Jahreszeit im Besonderen einfach menschenleer ist. Auf diesem zugefrorenen Moorsee herrscht Totenstille. Man hört einfach nichts. Nicht mal die eigenen Schritte auf dem Eis, kein Wind, keine Stimmen, kein Schilfrascheln. Nichts. Unter dem Eis aber sieht man die Muscheln im Schlamm stecken und jedes einzelne Schilfrohr. Leider finde ich keinen eingefroreren Fisch....aber wer Muscheln kartieren möchte, sollte das jetzt tun! Denn wenn es schneit, ist das Eisglas ja dann sehr schnell mit Schnee bedeckt und das Leben unter Wasser bleibt einem für diesen Winter wieder verborgen. In der Abendddämmerung kamen dann plötzlich die Singschwäne angeflogen. Endlich ein Laut, nämlich ein Surren und Flirren am Himmel. Die Singschwäne kommen abends immer von den Feldern zurück und landen in der Mitte des Sees, wo es noch eine eisfreie Stelle gibt. Mir wurde erzählt, dass in einem der Winter vor einigen Jahren die Schwäne auf den Seen der Gegend sowie in der Ostsee im Salzhaff vor der Insel Poel über Nacht eingefroren sind. Die Nachbarin hat damals einige der eingefroreren Schwäne noch aus dem Eis retten können. Um 17:30 zählte ich auf dem Moorsee über 50 Singschwäne in der (noch) eisfreien Stelle paddeln.

09.02.2018 Feuer auf Eis

Kaum bin ich aus dem auf fast allen Ebenen gestressten Berlin raus, ist diese nervende Stadt auch schon vergessen. Zurzeit hat man dort das Gefühl, dass keiner keinen mag. Und die Politik ist auch schrecklich nervös. Nur eine Nacht nachdem die SPD denkbar gut verhandelt hat, beginnt sie mal wieder, sich selbst zu versenken. Und sogar Merkel wird sichtbar aktiv - sie gibt plötzlich Interviews, in denen sie sogar was sagt.

Hier draußen ist es einfach besser. Die Probleme die man hat, sind sehr greifbar und meist direkt vor der Haustür. Der Nachbar, zum Beispiel, hatte sofort nach meiner Ankunft zufällig das Problem, dass er Schilf auf seinem zugefrorenen Teich verbrennen möchte. Zuerst schnitt er das Schilf über dem Eis mit der museumsreifen, aber gut funktionierenden Schilfschneidemaschine, die aussieht wie eine Guillotine auf Rollen. Dann stapelte er das geschnittene Schilf zu einem Lagerfeuer und dann: dann machte er Feuer auf dem Eis! Für mich und meine 48 Jahre Lebenszeit eine echte Premiere. Ich habe noch nie Feuer auf Eis gesehen, geschweige denn persönlich auf Eis direkt neben einem Feuer gestanden, dass mich auch noch erwärmte. Spontan denkt man natürlich, da versenkt man sich jetzt gleich selbst im Eiswasser des Teichs. Aber das tut man nicht. Es wird einfach nur warm und wärmer und noch wärmer. Das Eis schmilzt nur ganz wenig und nur direkt unter dem Feuer selbst bildet sich Wasser und der ganze restliche Teich, auf dem man prima in der warmen Feuerluft stehen kann, bleibt einfach gefroren. Ein Magier, dieser Nachbar!

05.02.2018 Wismar!

In einer der üblichen Untersuchungen zur Lebensqualität in deutschen Städten hat WISMAR gestern in der Kategorie 25.000 - 50.000 Einwohner den 1. Platz bekommen! Wismar: die Stadt mit der besten Lebensqualität in Deutschland. Toll, oder? Ich finde jetzt, also 2018, Wismar tatsächlich die beste Stadt in NWM. Besser als Rostock und wesentlicher besser als das wirklich bürgerlich-spießige Schwerin mit seinem verpeilten Märchenschloß. Der Schweriner See jedoch...der ist genial!

Ich war zum 1. Mal im Sommer 1993 in Wismar und kann mich immer noch sehr gut daran erinnern. Wir waren Studenten auf einer Exkursion an die deutsche Küste, also Ostsee-DDR, Ostsee-BRD (damals gab es den Unterschied ja noch zu 100 %) und Nordsee. Wismar war der erste Stop des schicken, klimatisierten Buses. Wir durften in kleinen Gruppen durch die Stadt laufen, morgens um etwa 10:00 Uhr, um sie uns anzusehen. Weil ich immer rumgetrödelt habe und langsamer als andere war, habe ich meine Gruppe verloren und bin dann notgedrungen alleine durch Wismar spaziert. Meine Erinnerungen sind: vor der ersten Kirche auf dem Platz: Männer mit Bierflaschen. In der ersten Kirche drin wurde ich von einem alten Mann gefragt: Was wollnse hier? Doch nich etwa beten? Was klauen, nichwahr? Ich rannte fluchtartig aus der Kirche raus zurück auf den Platz. Die Männer sahen mich an. Diese Blicke, dieses Schweigen. Es war eigentlich nicht zu ertragen. Heute würde man dazu wahrscheinlich Rassismus sagen, also Ost-West-Rassismus. Ich ging weiter zum Marktplatz. Auch dort saßen Männer mit Bierflaschen um den Brunnen herum. Die Häuser waren grau und braun und komisch verputzt und verfallen. Die selben Blicke, das selbe Schweigen. Ich ging weiter zum Alten Hafen. Auf den kleinen Booten waren Männer in Ölklamotten mit Bierflaschen in der Hand. Einer trank sein Bier aus, sah mich an und warf die Flasche vor mir ins Wasser. In einem der grünen Fischernetze auf dem Beton war noch eine kleine, tote Scholle. Ich fummelte sie aus dem Netz heraus und warf sie einer Möwe vor die Füße. Die Möwe stürzte sich auf die Scholle und flog mit ihr im Schnabel davon. Keine Reaktion der Männer. Diese Blicke, dieses Schweigen. Wieder zurück am Bus sollte jeder vor dem Einsteigen dem Dozenten, der gebürtiger Hamburger war, kurz sagen, was wir gesehen hatten. Ich sagte: Männer mit Bierflaschen und eine Möwe. Er sagte nichts, machte einen Haken auf der Namensliste und ich flüchtete in den Bus. Das Foto der davonfliegenden Möwe mit Scholle habe ich immer noch. Es liegt ganz unten in der Kiste mit unsortierten Fotos.

30.01.2018 Gedichte OSTMANN-WESTFRAU
Jemand aus dem Verlag tredition.de hat eine Pressemitteilung geschrieben. Ob ich damit so glücklich bin...unterhaltsame Gedichte für romantische Seelen... nun gut. Es sind ja doch auch etwas politische und erotische Gedichte, oder etwa nicht?! Nur zwei der Gedichte würde ich persönlich für "rein" romantisch halten. Aber: an sich ist eine Pressemitteilung natürlich super: Danke Tredition.de!
Pressemitteilung 12: 2017.pdf
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29.01.2018 Ungerechtigkeiten in EUROS

Die neue Statistik ist da: in 2017 verdiente ein Arbeitnehmer in Hessen im Durchschnitt 50.000 EURO und einer in Mecklenburg-Vorpommern nur 32.000 EURO. Laut Gehaltsatlas 2018 liegt MV mit einem Verdienst von nur 73,3% des bundesdeutschen Durchschnitts schon wieder auf dem letzten Platz und Hessen ist auf dem 1. Platz (nicht Bayern sondern Hessen!). Schwerin ist im Vergleich zu anderen größeren Städten natürlich auch unterbezahlt. Vom platten Land sollte man lieber gleich gar nichts mehr schreiben. Was ich dazu sagen kann, ausser dass es ungerecht ist: ein  Angleich des Verdiensts würde sicherlich zu etwas mehr Gelassenheit der Bürger hier beitragen -- dann wählen sie auch vernünftiger.

28.01.2018 Blick nach Westen

Westlich von NWM liegt das Bundesland Schleswig-Holstein. Dort regiert Jamaika mit dem grünen Minister Robert Habeck für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung. Robert Habeck ist in seinem ursprünglichen Beruf Schriftsteller & Philosoph und hat einige Romane (gedruckt veröffentlicht) und Gedichte (online veröffentlicht) geschrieben. Außerdem führt er auf seiner Website einen Blog und schreibt natürlich auch in Zeitungen. Er hat seine Magisterarbeit über einen Dichter geschrieben und über literarische Ästhetik promoviert, erwachsene Kinder und er führt seit langem eine Ehe (das schaffen ja nicht mal die in der CSU ...). Offenbar weiß er worauf es ankommt, im Leben.

Am Wochenende nun wurde er zum neuen Parteivorsitzenden der GRÜNEN/BÜNDNIS 90 gewählt. Eine Titelzeile seiner Website ist: Fragt mich jemand, wie findest du Deutschland, sage ich: entspannt, tolerant und lässig. Das beschäftigt mich ziemlich! Ich bin im gleichen Jahr geboren, auch in der alten BRD aufgewachsen, habe auch mehrere erwachsene Kinder, war 20 Jahre mit einem Schriftsteller & Philosophen (Gregor Häfliger, verst. 2011) verheiratet, der auch im Bereich der literarischen Ästhetik (Kant'sche Urteilstafel) gearbeitet hat und ich jedoch könnte diesen Satz nicht im Traum denken.

Denn befindet man sich nur 50 km östlich von Schleswig-Holstein, findet man dieses Lebensgefühl der alten BRD einfach nicht. Hier fühlt sich Deutschland aktuell eher angespannt, aggressiv und verklemmt an. Und zwar so richtig!

Jedenfalls: DIE GRÜNEN scheinen mir nun zumindest auf Bundesebene wieder wählbar geworden zu sein. Und hoffentlich, hoffentlich breitet sich das Habecksche Lebensgefühl nach und nach auch in die Länder der ehemaligen DDR aus: entspannt, tolerant und lässig. 

20.01.2018 Schüleraustausch Ost-West: aber unbedingt!

Vor einigen Tagen hat der neue Präsident der Kultusministerkonferenz vorgeschlagen, dass es einen Schüleraustausch zwischen Ost- und Westdeutschland geben sollte. Also, zum Beispiel könnten Schüler aus Eisenhüttenstadt mal in einer Familie in Stuttgart leben oder Schüler aus München mal in Schwerin, oder so.

Ich finde den Vorschlag super, denn es gibt schließlich eine Menge Kommunikationsprobleme zwischen Ost- und West. Nicht zwischen den Schülern, natürlich, sondern zwischen den Eltern!

So weit so gut. Aber was ist dann passiert?! Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Frau Iris Gleicke, lehnt den Vorschlag eines Ost-West-Schüleraustausches kategorisch und sogar empört ab. Ist nicht zeitgemäß, betont sie. Ein Vierteljahrhundert nach der Einheit gehe es Schülern nicht mehr um Ost-West-Befindlichkeiten, sagt sie, selbst aus dem Osten stammend.

Wie doof kann man sein?

Schülern ging es doch sowieso noch nie um Ost-West-Befindlichkeiten, weil Schüler, also 99% der Schüler, einfach andere Interessen haben. Das ist 2018 genauso wie es 1990 war. Aber: die Eltern, die Verwandten, die Nachbarn (...). Ein Schüler aus München träfe auf 10 Ur-Schweriner. Da würden sie staunen, die Ur-Schweriner, dass der das selbe Handy hat wie der eigene Nachwuchs! Kein goldenes Handy und auch keins mit bayrischer Fahne drauf. Nein, nein. Einfach nur das neueste iPhone.

Also, Frau Gleicke. Es geht nicht nur um Schüler beim Ost-West Schüleraustausch. Es geht um die Eltern, die Nachbarn und alle Ur-Ossis oder umgekehrt Ur-Wessis vor Ort. Ausserdem, mal nebenbei bemerkt, auch um Ihre Stelle: eine Ostbeauftragte braucht es nun wohl ja gar nicht mehr, ein-Vierteljahrundert-nach-der-Wende.

Und in welcher Partei könnte Frau Gleicke wohl sein? Na? Versteht sich fast von selbst: natürlich in der SPD.

14.01.2018 Wessis in Stralsund...

Stralsund (die Stadt, in der Frau Dr. Angela Merkel ihr Wahlkreisbüro hat) macht mal wieder Schlagzeilen wegen Wessi-Rassismus. Eine fünfköpfige Familie, die irgendwann mal aus dem Saarland umgezogen ist, beschwert sich über den Verkehr in der Innenstadt. Also ein Anliegen, das alle haben, die an der betreffenden Strasse wohnen. Nichts familien-egoistisches. Und was passiert auf Facebook? Es beginnt ein Shitstorm von Ossis, die einfach meinen, dass eine zugezogene Familie ihre Klappe zu halten hat. Ich notier' das hier, weil endlich mal die Situation der ca. 1,8 Mio Menschen, die (bislang) von West nach Ost gezogen sind, thematisiert wird. Ich mag keine Platzhirsche...die machen alles kaputt.

09.01.2018 Wabi und Sabi in Nordwestmecklenburg

In der Lehre der japanischen Ästhetik gibt es zwei Begriffe, die man meiner Meinung nach nicht richtig übersetzen kann: Wabi und Sabi. Ungefähr bedeuten sie sowas wie "Patina". Gleichzeitig haben sie mit der Natur zu tun oder mit von Menschen geschaffener Kunst, die dann durch natürliche Einflüsse "patiniert", bzw. eben einfach verwittert. Hier mal drei meiner Wabi und Sabi Fundstücke aus NWM. Einfach schön!

05.01.2018 Stunde der Wintervögel vom 05. bis 07. Januar 2018

Für das erste Wochenende im Neuen Jahr 2018 habe ich einen Tipp:

Wenn nun nur 1% der mausklickenden Leser (also 32) dieses kleinen Blogs Spaß daran hätten, bei der Stunde der Wintervögel mitzumachen, so wäre das ein richtig guter Start in 2018.

 

Was ist zu tun?

1. Auf www.nabu.de die passende Seite aufrufen und die Vogelbilder der Wintervögel zunächst mal ansehen. Das hilft. Ich, zum Beispiel, habe bislang immer den Erlenzeisig, der klein und grün wie ein Grünfink ist, nie als solchen erkannt und mich gleichzeitig gewundert, wieso die Grünfinken im Winter plötzlich in (großen) Grüppchen rumfliegen...

2. Dann die Wintervögel 60 min lang in den mecklenburgischen Gärten, Parks und Wäldern suchen und versuchen, sie zu identifizieren.

3. Online-Formular ausfüllen und abschicken.

Uns allen viel Vergnügen und natürlich: Viele Vögel!

 

 

04.01.2018 HAPPY 2018 uns allen!

Natürlich zunächst allen Lesern des kleinen Blogs ein gesundes, frohes und entspanntes Neues Jahr 2018! Während meiner Silvesterpause 2017/2018 haben sich die Leserzahlen (also etwas genauer: die verschiedenen IP-Nummern, von denen aus hier mal reingeklickt wurde) auf über 3000 gesteigert. Große Neujahrsüberraschung!

29.12.2017 Grenzturm aus der DDR

Mal wieder ein historisches Baudenkmal ausfindig gemacht!

Das ist kein Leuchtturm, sondern ein ehemaliger Grenzturm an der Ostsee (Blaue Wiek), der zu DDR-Zeiten dazu da war, Republikflüchtlinge ausfindig zu machen (oder vielleicht auch westdeutsche Invasoren, die heimlich über die Ostsee in die DDR schwimmen, surfen oder tauchen wollten). Jetzt ist in ihm eine Ferienwohnung, welche zurzeit nicht belegt scheint.

28.12.2017 Integrationsprobleme

Die scheidende Vorsitzende der ARD sagte heute in einem Interview, dass es immer noch Integrationsprobleme mit "den OSTDEUTSCHEN" geben würde. Die Wessis hätten immer noch Vorurteile über die Ossis (kriminell, sozialschmarotzend, faul, gegen die Regierung) und deshalb könnten sich die Ossis nicht integrieren. Puh. Lebt man als Wessi im Osten, so hat man übrigens auch Integrationsprobleme, aber das interessiert nach wie vor ja niemanden, was mich echt langsam verzweifeln lässt! Ich habe drei Freundinnen, die gleich nach der Wende im Osten eine Partnerschaft mit einem Ostmann eingegangen waren - und alle sind gescheitert. Umgekehrt klappt es aber schon: Ostfrauen ziehen gerne zu Westmännern in den Westen. Schaut man nämlich etwas differenzierter hin, wie Integration funktioniert, dann darf man die Geschlechter nicht vergessen. Und das ist weltweit so -- nicht nur dann, wenn Wessis sich in Ostdeutschland integrieren wollen, sondern auch, wenn zum Beispiel SchweizerInnen sich in Japan integrieren wollen.

Wichtig für eine ehrlich fundierte Integrationsdiskussion ist: (1) mal ganz banal die Tatsache zu akzeptieren, dass wahre Integration auf der Partnerebene stattfindet und (2) dass man zwingend die Geschlechter differenziert betrachten muss. Hier mal eine Übersichtstabelle, die auch in einem Lehrbuch der Evolutionären Anthropologie stehen könnte:

OSTDEUTSCHLAND   klappt's? Begründung
WESTFRAU OSTMANN eher nicht

Wenn der Ostmann weibliche Verwandte hat, findet die Westfrau bei diesen verwandten Ostfrauen keinen Anschluss. Da kann sich sich noch so sehr unterordnen - sie hat keine Chance. In etwa so, wenn man ein neues Pavianweibchen in eine bestehende Paviangruppe setzt. Die Männchen paaren sich ganz gern mit ihr, aber ihre Kinder bekommt sie mangels der notwendigen weiblichen Unterstützung nicht aufgezogen. Wenn sie kann, dann verläßt sie die Gruppe. Und so verlassen die Westfrauen in der Regel spätestens nach einigen Jahren den Osten wieder. Weggemobbt.

Lösung: die Ostfrauen müssen ihre territoriale Dominanz und ihre Ostmänner mal "richtig" abgeben. Ich glaube aber nicht, dass das großflächig klappt. Dieses Beziehungsmuster wird selten bleiben.

OSTFRAU WESTMANN nein

Gibt es fast gar nicht. Hier sind die Ostmänner und der übliche Sexualneid das Problem. Ein Westmann bekommt keinen Fuß auf den Ostboden, geschweige denn eine Ostfrau vor Ort.

Lösung: ?? Die Sorte von Männerproblem, bei der ich nicht mitreden kann.

WESTDEUTSCHLAND      
WESTFRAU OSTMANN ja Selten, aber es klappt. Die Westmänner scheinen mir weniger territorialer zu sein, als die Ostmänner. Sie sind traditionell einfach weniger homogen geprägt. Zieht der Ostmann z. B. eine Lederhose an und arbeitet brav mit (Arbeit ist wichtig), dann ist er in Bayern schnell dabei und kann dort gut mit seiner Westfrau leben.
OSTFRAU WESTMANN JA Am häufigsten und am besten funktionierend. Der Westmann geht mal kurz in den Osten, findet eine Ostfrau und die zieht mit ihm (und meist seinem Geld) mit in den Westen. Auch hier gilt das gleiche wie oben: wenn die Ostfrau sich integrieren möchte, dann wird sie von den Westfrauen integriert.

FAZIT: niemals aufgeben!

26.12.2017 Frohes Hagebuttenfest

Ich wohnte einer Unterhaltung bei. Es gab die Diskussion, ob man sich nicht besser "Frohes Winterfest" statt "Frohes Weihnachtsfest" wünschen sollte, damit die nicht-christlichen Mitbürger und ihre Gefühle... usw. Zu bemerken ist, dass sämtliche Anwesenden außer mir (und ich wurde in die Unterhaltung natürlich nicht einbezogen), aus der ehemaligen DDR waren, kaum je ("nur bei Beerdigungen und nur weil ich da immer musste") eine Kirche betreten hatten und gleichzeitig aber sehr Wert darauf legten, nicht "seelenlos" zu sein, sondern eben einen eigenen, institutionslosen Gott zu haben.

Tja. Was tun? Da ich ja immer noch um Integration bemüht bin, dachte ich, ich denke mich da jetzt auch mal rein. So Ego-Götter sind wohl einfach praktisch. Und so habe ich mir dann auch gleich meinen Ego-Gott zugelegt. Mein persönlicher Ego-Gott ist nun der Hagebuttengott. Der hilft nur mir und ist stärker als die vielen anderen Ego-Götter Mecklenburgs. Frohes Hagebuttenfest! Äh, Winterfest.

25.12.2017 FROHE WEIHNACHTEN

Mit Sonnenschein über dem Herrenhuther Weihnachtsstern am Turm der Dorfkirche Hohenkirchen.

19.12.2017 Vor 1 Jahr

Heute vor einem Jahr ist ein Idiot mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin gefahren. Dabei wurden viele Besucher des Weihnachtsmarkts verletzt und es gab 12 Tote. Zuvor allerdings hat der Idiot auch noch einen polnischen LKW-Fahrer erschossen, um an den Lastwagen zu kommen. Ein paar Tage nach dem Anschlag war ich auf der Autobahn von Berlin nach Mecklenburg und überholte einen (anderen) LKW.

R.I.P. polish truck driver.

18.12.2017 Die Seekuh a

Während des letzten Sonntagausflugs über Land wollte ich scheinbar verfallene Lagerhallen erkunden. Vor den Lagerhallen grasten Schafe in der tiefstehenden Dezembersonne, auf den Lagerhallen wurden gerade Solarzellen installiert und hinter den Lagerhallen, am Feldrand, stand dieses Boot. Wenn man selbst nicht an der Küste aufgewachsen ist, dann wundert man sich immer wieder, wenn Boote am Rande von Kartoffelfeldern geparkt sind - aber das scheint hier ja völlig normal zu sein, wie meine historisch bewanderte Begleitung wusste. Ausserdem wurde mir berichtet, dass das Boot eine Fähre sei, auf der bis vor einigen Jahren Kühe über den Schweriner See auf die Insel Lieps transportiert wurden. Deshalb heisst das Boot Seekuh und das ist nun wirklich ein sehr lustiger Name!

18.12.2017 Die Seekuh b

Hier der Beweis....

16.12.2017 Meerforellenangeln

An der mecklenburgischen Küste lebt man nun mal mit den Fischwanderungen und Fische wandern leider auch noch gerne in den Wintermonaten! Momentan, also im Dezember kurz vor Weihnachten, ziehen die Meerforellen vorbei. Um sie zu angeln, muss man mit dicken Gummihosen bis zum Bauch in die Brandung. Der Wind war eisekalt, das Wasser war eisekalt und der Sonnenuntergang war wunderschön. Aber die tapferen Angler haben leider nichts gefangen. In der Kaufhalle der Kleinststadt habe ich dann eine gefrorene Meerforelle von ca. 60 cm Länge für 6.97 € erstanden. Ganz frisch...

10.12.2017 Ein Gedicht zur Jahreszeit

 

winterwarmer weg//winde pfeifen/durch das land/über schnee/am wegesrand

dunkel am morgen/grau am mittag/grau am nachmittag/dunkel am abend

und das licht/aus deinen augen/ist so endlos/voll vertrauen

 

Aus OSTMANN-WESTFRAU.

08.12.2017 Schild zu klein:-)

Da das Land ja noch immer keine neu formierte Regierung hat, sorgen inzwischen die Bürger in eigenem Ermessen für Recht und Ordnung. Wenn schon keiner mehr auf die Wahlentscheidung Wert legt, dann interessiert es einen auch nicht mehr, was da in Berlin passiert. Und ich finde weiterhin, wenn man fast ein halbes Jahrhundert hier auf der Welt ist, dann darf man das auch -- und sollte sich von so Jungpolitikern wie z. B. den JUSOS nicht lähmen lassen. Meine persönliche Sorge gilt ja unter anderem dem aktiven Naturschutz vor Ort (nicht den im Büro!).

In diesem Fall war das Schild einfach zu klein! Es musste schnellstens und fachgerecht entfernt werden. Nun kann der zuständige Landrat die Anbringung eines 10x so großen Schildes veranlassen, so dass nicht doch noch versehentlich ein Mensch in diesen Sumpfwald stolpert.

03.12.2017 Froschmehl für Mecklenburgs Störche!

Der NABU schlägt mal wieder Alarm. Die Störche in Mecklenburg-Vorpommern werden immer weniger. Zählte man 1994 noch 1237 Brutpaare, so waren es 2017 nur noch 699. Hinzu kommt auch noch, dass im Jahr 2017 ganze 40% der Paare es nicht geschafft haben, ihre Küken aufzuziehen. Gründe für weniger Brutpaare sind wohl auch im Storchenzug zu vermuten, da Störche ja in ihren Winterquartieren gerne gejagt und verspeist werden. Gründe für die aktuell miserable Aufzuchtrate in MV selbst sieht der NABU in der immer intensiveren Landwirtschaft und dem Verschwinden der Frösche, anderer Amphibien und Reptilien. Soweit so gut (obwohl Störche auch sehr sehr viele Feldmäuse fressen...) und auch nicht neu. Irgendwann aber, muss doch mal ein zukunftsorientierter Lösungsvorschlag her! Man kann ja nicht immer nur über die böse Landwirtschaft, die EU und jagende Menschen jammern. Ich halte mich da mal an Sarah Kirsch, studierte Biologin und Schriftstellerin. Sie erfand quasi "Froschmehl" als Begriff, als ihr kleiner Sohn keine lebenden Frösche verfüttern wollte. Die Produktion von Froschmehl - denn statt für Froschschenkel kann man auch für Froschmehl Frösche züchten - und Verfütterung desselben an wildlebende Störche an ausgewählten Futterplätzen wäre doch genau richtig, um die heimischen Störche wieder zu einer besseren Aufzuchtrate und evtl. sogar zum Überwintern hier in MV zu bewegen. Hier ißt man nämlich auch keine Störche und wird das auch in Zukunft nicht tun!

 

Tabelle erstellt aus einem Artikel des NABU vom 02.12.2017:

Jahr Gezählte Brutpaare
2017 699
2016 721
2015 800
2004 1142
1994 1237

02.12.2017 Die West-Frau im Gespräch

In der Berliner Zeitung schreibt die Journalistin Susanne Dübber über eine Begegnung mit einem Ost-Mann. Wichtig hier: 1. Ich lese zum ersten Mal die beiden Begriffe OSTMANN und WESTFRAU woanders als in meinen Gedichten. 2. In der Zeitung ist eine andere Schreibweise, also mit Bindestrich, gewählt. Qintessenz der Zeilen ist, dass der betreffende Ost-Mann (3x verheiratet), auch beruflich mit diesen seltsamen Typen aus dem Westen zu tun hatte. Die West-Frau hält er für einen Frauentyp, der a. sich immer verkaufe, und b. stark abhängig vom Verdienst und der Darstellung ihres Mannes sei. Am Ende des Gesprächs ist die Journalistin hilflos und bittet um Statements der Leser per E-Mail. Nun gut -- 1. Gibt es sehr sehr viele andere OSTMÄNNER (aber die lernt man nur kennen, wenn man im Osten lebt und sich dort verliebt - und  eben nicht in kurzen Interviews) und 2. werde ich ihr demnächst mal kurz schreiben.

01.12.2017 Was ist das?

Diese Anlage befindet sich auf dem platten Land kurz vor Mecklenburg. In der Nähe sind sich Rinder auf einer Weide. Die Anlage war mir und meiner männlichen Begleitung ein Rätsel. Sehr groß, sehr apokalyptisch, sehr menschen- und tierleer. Und diese Scheinwerfer oben auf diesen tunnelartigen Mauern. Hat nichts mit Potsdam-Babelsberg zu tun. Ist keine Filmkulisse. Ist echt! Und natürlich, so verlassen, auch irgendwie wieder sehr schön.

28.11.2017 Weihnachtsgänse II

Bei näherer Betrachtung sieht man, dass Weihnachtsgänse blaue Augen haben. Und wenn sie nicht neugierig schnattern, dann sehen sie sehr freundlich aus. Nachdem ich eine Vielzahl solcher Fotos sortiert hatte, habe ich mich im nächstbesten Supermarkt für eine anonyme, gefrorene Ente aus Polen für unser diesjähriges Weihnachtsmahl entschieden. So werden zumindest wir nicht mal versehentlich eine Gans von diesem Foto essen! 

28.11.2017 Weihnachtsgänse I

Wenn man von Berlin durch Brandenburg hindurch nach Mecklenburg fährt, so sieht man in der Landschaft sehr viele Tiere, die einfach nur da sind, um gegessen zu werden. Das beginnt bei den männlichen Kälbern auf den Weiden mit Mutterkuhhaltung und endet bei Gänsen. Die Karpfen in den Karpfenteichen sieht man ja nicht, aber mit denen habe ich kein Problem, also kulinarisch gesehen. Alle Säugetiere (Rind, Schwein, Wildschwein, Reh, Kaninchen) tun mir sehr leid. Ich esse sie aber trotzdem, bzw. eigentlich nur das Fleisch jener Tiere, die ich zum Glück nicht lebend zu Gesicht bekommen habe. Durch das Foto soll den deutschen Weihnachtsgänsen ein Denkmal gesetzt werden. Die waren so aktiv und neugierig!

27.11.2017 Danach erst geht's richtig los: die BuchBerlin 2017

Samstag und Sonntag je 10-18 Uhr in einer dröhnenden Messehalle an einem Messestand zu sitzen überlebt man nur mit guten Nachbarn. Ich hatte Glück und sehr gute Nachbarn. Zu meiner Rechten saß Friedhelm Marciniak, freier Autor, der Kurzgeschichten schreibt. Da er westlich der Nandupopulation Mecklenburgs lebt und ich ja östlich davon, könnten wir uns mal in der Mitte treffen. Nandus und deren neugierige Besucher sind sicherlich inspirierend für Kurzgeschichtenschreiber - behaupte ich jetzt mal ganz sachlich. Links von mir saß 16 Stunden lang Blanka Stipetic vom Verlag Schruf & Stipetic in Berlin-Weissensee. Blanka war beschäftigt! Es kamen und gingen einige ihrer Autoren, sie leitete eine Lesung und dann löcherte ich sie auch noch mit Fragen zum Verlegen von Büchern und den Umgang mit Buchbloggern. Da gibt's jetzt viel nachzudenken und im mecklenburger Schneeregen werde ich dann beizeiten meinen Kopf und Körper wieder sortieren.

21.11.2017 OSTMANN-WESTFRAU. Liebesgedichte.

Der neue Gedichtband ist fertig!

Er kann im Buchhandel bestellt oder am 25./26. November auf der BuchBerlin angesehen werden.

 

Ausserdem beweist er, dass meine Vorschläge in diesem Blog zur praktischen Ausführung der deutsch-deutschen Wiedervereinigung auf echten Erfahrungswerten basieren und nicht in einem Elfenbeinturm entstanden sind. Aber darum geht es eigentlich nun wirklich nicht -- denn es sind ja einfach nur Liebesgedichte.

 

Mein Dank geht an Julie August nach Buenos Aires für die wunderschöne Buchgestaltung, an den OSTMANN* nach Mecklenburg  dafür, dass es ihn gibt und natürlich an meine Kinder, die in ihrer buddhistischen Gelassenheit kaum zu übertreffen sind.

 

* drei der Gedichte sind diesmal aus seiner Feder

20.11.2017 No-Jamaika

Nach nur fünf Wochen sogenannter Sondierungsgespräche haben sich die vier Parteien CDU, CSU, FDP und GRÜNE nicht auf eine Jamaika-Koalition einigen können. Und jetzt ist ausgerechnet der aktuelle Bundespräsident Dr. Frank Walter Steinmeier wichtig. Und der ist ausgerechnet auch noch von der SPD. Ich tippe, dass er Neuwahlen ansetzen wird, weil Merkel keine Minderheitsregierung will (oder kann...). An solchen Tagen freue ich mich immer über die Bodenständigkeit gewisser Nachbarn. Das bürgerliche Leben geht nämlich auch ohne diesem Polittheater ganz normal weiter. Und mein mecklenburgischer Lieblingsnachbar hat aktuell das Problem, dass er seine 100 frisch geschlachteten Enten auch ohne Jamaika an den Mann bringen muss.

Er schafft das!

19.11.2017 b. Poels historische Baudenkmäler I

Nachdem ich ja die historischen Bushäuschen aus DDR-Zeiten eh schon immer so richtig toll finde, hat nun der Sonntagsausflug auf die Insel Poel die Bushäuschen nochmals deutlich übertroffen! Und ich habe dem historische Geheimwissen meiner männlichen Begleitung staunend zugehört.

Das hier ist: eine Minol-Tankstelle aus DDR-Zeiten! Sie steht immer noch da, wo sie mal war, nämlich bald mal rechts, wenn man auf Poel raufgefahren ist. Eigentlich unglaublich für ein Land wie Deutschland. Nach der Wende 1989 wurde diese Tankstelle wohl abgewickelt. Aber Aral, oder so, haben den Standort nicht übernommen. Meine männliche Begleitung hat rekonstruiert, dort selbst 1984 zuletzt mit einem grünen Trabant P500 getankt zu haben. Den Trabbi gibt es nicht mehr, aber die Tankstelle ist noch da.

19.11.2017 a. Poel im Wind

Die Insel Poel hat es in sich. Vor allem im Herbst und Winter. Wenn der Wind die Wellen in spannende Höhen treibt wird es am Strand richtig interessant. Neben mindestens 30 anderen Spaziergängern und deren erstaunlicherweise gutgelaunten Kindern, surfte auch ein wagemutiger Kitesurfer durch die Wellen. Und die schwarzen Algen, die da um diese Jahreszeit verstärkt angespült werden, sehen genau so aus wie die japanischen Hijiki-Algen. Etwas gewaschen und eingelegt schmecken die richtig lecker. In Berlin-Mitte kosten 40g davon 3.95€, selbst wenn sie aus dem Meer vor Fukushima stammen.

16.11.2017 Steuervergünstigungen für OST-WEST-PARTNERSCHAFTEN!

Nachdem ich eine Nacht lang nachgedacht habe, hier also nun mein Vorschlag, der dazu dienen soll, die vermeintliche Wiedervereinigung als wirkliche Wiedervereinigung zu gestalten:

1. Statt immer nur von Jobs zu reden, muss man die Gedanken auf die zwischenmenschlichen Beziehungen lenken.

2. Und noch konkreter: auf die Partnerschaftsbeziehungen.

3. Wenn sich Partnerschaften zwischen Menschen mit je mindestens 10 Jahren BRD- und DDR-Biografie bilden, dann tragen diese kleinen Beziehungen doch vielmehr zum gegenseitigen Verstehen bei, als wie wenn Führungsjobs mit Platzhirschen besetzt werden.

4. Um diese OST-WEST-Partnerschaften in das öffentliche Gedankengut zu befördern und sie zu würdigen, bin ich dafür, bei Eintrag einer Lebenspartnerschaft oder gar Hochzeit sofort "Wiedervereinigungssteuervergünstigungen (WVSV)" zu gewähren, und zwar in einer Höhe von 25%. D.h. einfach einen Abschlag auf die Einkommenssteuer von 25% für jeden, der in so einer Partnerschaft lebt!

Na? Wie schnell wäre das Land wohl richtig wiedervereint?

15.11.2017 Deutsch-Südost oder Oben-Unten Debatte?

Die Diskussion ob und wenn ja seit wann die ostdeutschen Länder eine Kolonie der westdeutschen Länder waren oder sind geht immer noch weiter. Also zumindest in der Berliner Zeitung. Das "Zusammenwachsen" wird nach Meinung der Kolumnisten auf breiter Front blockiert, weil zum Beispiel in Sachsen an einer Uni "der Chef aus Tübingen kommt und der Stellvertreter aus Thüringen". Oh je. So eine schlimme Ungerechtigkeit sollte man, also damit die Herren auch platzhirschgerecht auf ihren Pöstchen landen, doch vielleicht mit einer Ossi-Quote ausmerzen, meint Frau Kolumnistin. Also, erstens würde ich sagen, dass man nach 10 Jahren Überlebenszeit als Einwanderin auch als Ossi zählen sollte und zweitens kann man doch von gesetzes wegen keinen Führungsjob in seiner sogenannten Heimatstadt erwarten? Und was zählt überhaupt als Heimatstadt? Nur der Geburtsort? Sozialgeografisch betrachtet ist man eh erst ab der 6. Generation ein "Einheimischer". Wer ist denn wirklich "Ossi"? Jeder, der die kompletten 40 Jahre DDR miterlebt hat -- oder genügen auch die letzten 10 Jahre? Oder nur ein Jahr? Also, jedes Baby das 1988 irgendwo in Deutsch-Südost geboren wurde hat jetzt Anspruch auf einen Führungsjob in, zum Beispiel, Sachsen?

Das ist alles wirklich doof -- das Land braucht innovative Gedanken!

13.11.2017 Wildschweine im Maisfeld

Es gibt zu viele Wildschweine in Mecklenburg. Genauer gesagt: 80.000 Stück zu viel. Sie leben sehr gerne in Maisfeldern und fressen den Mais. Wird der Mais von den riesigen Erntemaschinen geerntet, so können die Tiere ja öfters nicht mehr fliehen, kommen in die Maschinen und somit auch in den Mais hinein. Wird der dann pulverisiert, ist ein gewisser Prozentsatz des Pulvers dann eben Rehpulver, Nandupulver oder Wildschweinpulver. Vegetarier betrifft das ja nicht, weil bei uns eigentlich nur Futtermais angebaut wird. Maiskolben und Polentamehl für Vegetarier kommen zum Beispiel aus dem Hochland Boliviens. Sehr beruhigend.

09.11.2017 Am 9. November 1989: Mauerfall

Die meisten meiner Generation erinnern sich, wo sie an diesem Tag waren. Ich wurde dazu aber noch nie befragt, auch nicht im Freundes- und Bekanntenkreis, obwohl ich jetzt schon seit 15 Jahren im Osten lebe. Wenn gefragt wird, dann werden ja die ehemaligen DDR-Bürger gefragt. Habe ich auch gemacht. Und ausnahmlos alle, die ich gefragt habe, meinten, sie hätten den Abend irgendwo verschlafen, auf Klausuren gelernt, ein Buch gelesen (an das sie sich genau erinnern können), oder so...ich habe noch keinen Menschen getroffen, der am 9. November euphorisch über den Grenzübergang gegangen wäre. Aber vielleicht sind die ja auch alle entweder gleich im Westen geblieben oder schnell danach abgehauen? Hier aus meiner Umgebung jedenfalls, sind alle immer noch da.

Und ich? Ich selbst stand mittags in Tokio auf der Straße und schaute durch das Schaufenster eines Elektrogeschäfts in viele Fernseher gleichzeitig hinein. Auf allen waren deutsche Fähnchen zu sehen, Trabbis und Menschen in Jeansjacken, die auf der Mauer saßen. In der tokioter Fußgängerzone eilten die Geschäftsleute wie immer geschäftig durch die Gegend. Ich hörte den Ton der TVs nicht, sondern nur die Zikaden, denn die Bäume Tokios sind auch noch im November voller enervierend laut zirpender Zikaden. Irgendwann blieb eine Gruppe japanischer Geschäftsleute lachend vor mir stehen und der Chef fragte mich: "doitsu? - deutsch?" Als ich bejahte, zog er einen Apfel aus seiner Aktentasche und schenkte ihn mir. So war's.

07.11.2017 Ostler sind keine Opfer

... sagt Sabine Rennefanz in der Berliner Zeitung. Sie ist 1973 geboren und mit ihrem Buch Eisenkinder in die OST-WEST-DIALOGE eingestiegen. Es geht um die "stille Wut der Wendegeneration". Ich habe es gelesen, davon profitiert und finde es gut. Es ist einfach gut, wenn die DDR-Bürger ihre Stimme erheben und diese Stimme auch gehört wird. Weil Sabine Rennefanz eine Kolumne in der Berliner Zeitung schreibt, weiß ich, dass sie Politik studiert hat, eine Weile in London gelebt und gearbeitet hat und jetzt mit Kindern in Berlin-Prenzlauer Berg wohnt. Komisch, dass sie ausgerechnet dort hingezogen ist. Da wohnen doch angeblich nur noch Schwaben, diese widerwärtigen Kolonisatoren.

01.11.2017 Kulturelle Kolonisierung?

Seit den Bundestagswahlen vom 24.09.2017 haben die Medien ja plötzlich ein neues Thema entdeckt: nämlich, dass die Wiedervereinigung 1989 / 1990 irgendwie immer noch nicht so richtig vollzogen ist, bzw. zur ziemlichen Unzufriedenheit Einiger vollzogen wurde. Die Menschen aus dem Osten, oder genauer: ein unbekannter Teil der Menschen aus dem Osten, rannte von Ost her auf die Grenze zu und wollte raus. Die damals noch sehr weitsichtig agierende Westregierung sowie die chaotische Führungsriege der DDR, bestehend aus alten und wodkatrunkenen Herren, öffneten zusammen irgendwie die Grenze. Zunächst mal besuchten kurzfristig einige der Menschen der DDR Westdeutschland und einige der Menschen der damaligen BRD Ostdeutschland. Dann wanderten einige aus der DDR nach Westen und einige der BRD nach Osten ab. Die aus der DDR fingen meist mehr oder weniger unten an und arbeiteten sich im Laufe der Jahre nach oben in eine neue Existenz in Westdeutschland hinein. Oder sie, also die Ostfrauen, heirateten einfach einen Westmann. Die aus der BRD, also die meisten von denen, kamen in Führungspositionen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und vertrieben jene, die zu DDR Zeiten dort waren. Andere holten sich ihre Häuser und Grundstücke aus der vor-DDR-Zeit zurück. Die meisten der Westbürger allerdings hatten und haben heute noch überhaupt kein Interesse an den Menschen und deren Schicksalen aus der ehemaligen DDR. Sie sind ihnen, schlicht und einfach egal, selbst wenn sie als PEGIDA die Straßen zubrüllen oder als Wolfgang Thierse nachhaltig rummeckern. Und umgekehrt haben die DDR-Bürger auch kein Interesse an den Menschen und Schicksalen der Westbürger, die nun unter ihnen im Osten leben. Man teilt sie schlichtweg als "Kolonialherren", "Verlierer", oder B- und C- Akademiker ein, die halt zu schlecht für Jobs im Westen waren. Und weil die Medien das Dilemma der vermeintlichen Wiedervereinigung nicht so klar formulieren wollen oder mal wieder nicht kapieren, nennen sie seit einigen Tagen diesen Zustand "Kulturelle Kolonisierung". Es geht einem doch gleich besser, wenn man einen neuen Begriff erfindet. "Kulturelle ....". Was für ein feiger Schwachsinn!  

31.10.2017 Schwerin im Fokus

Nach Güstrow rückte jetzt plötzlich Schwerin kurzfristig in die täglichen Terror-Abendnachrichten. Ein 19-jähriger Syrer wollte offenbar eine Bombe bauen. Schwerin ist zurzeit voller junger Männer von irgendwoher. Das kann ich bestätigen. Mehr nicht. 

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