NWM 1: Die Heringe kommen!

23.10.2017 Herbstlicher Acker

Der diesjährige Raps ist geerntet und der Acker bestellt für die nächste Aussaat. Mal sehen, was die Landhof Bobitz GmbH (eine ehemalige LPG) nun säen wird. Im Düngen sind sie ja fast besser als im Säen und Ernten. In der Mitte wachsen die Bäume aus dem Söll (= ein Toteisloch). Sölle sind einfach prima! Ohne Sölle wäre da jetzt nur Industrieacker soweit die Füße tragen, aber in den Söllen können sich von der Haselmaus über den Nandu bis hin zum Wolf viele Arten verstecken.  

22.10.2017 Künstler aus NWM

So nach und nach stelle ich fest, dass der kleine Landkreis Nordwestmecklenburg immer wieder große Künstler hervorgebracht hat und hoffentlich aktuell auch noch hervorbringt. Einen Schub gab es durchaus nach der Wende Anfang der 90er Jahre, als viele von NWM weg nach Berlin (meist Pankow-Prenzlauer Berg) zogen und dort wohl irgendwo doch befreit oder auch aus existentiellen Gründen künstlerisch so richtig in Schwung kamen oder einfach kommen mussten. Feine Bühnenkunst machen jetzt zum Beispiel Katrin Schwingel (Schauspielerin vom Hexenberg Ensemble) und Till Lindemann (Sänger von Rammstein). Da kann mein Heimatlandkreis in Niederbayern nun so gar nicht mithalten. Ausser dem vorherigen, aber immer noch lebenden Papst Benedikt den XVI (alias Josef Ratzinger) gibt's da eigentlich nicht viel zu melden und dieser ehemalige Papst stammt sogar nicht mal von dort - war da nur eine Weile mal als Kardinal stationiert, oder so. Kurzum: Bravo NWM:)  

17.10.2017 Die Heringe sind wieder da!

Auf dem Rückweg vom Sommer in das Winterquartier ziehen die Heringsschwärme nun wieder an der westlichen Ostseeküste Deutschlands vorbei. In Wismar also könnte man oder frau jetzt Heringe angeln gehen. Heringe waren ja kürzlich auch Thema in den TV-Abendnachrichten. Die Fangquoten 2018 wurden bekannt gegeben und jemand hat festgelegt, dass im nächsten Jahr 39% weniger Hering in der westlichen Ostsee gefangen werden darf. Dafür aber mehr Sprotten. Finde ich völlig OK für mich als Verbraucherin - dann esse ich eben 2018 Sprotten statt Hering.

15.10.2017 LIEBE - OSTMANN-WESTFRAU

Heute ist für mich persönlich ein bischen ein besonderer Tag. Deshalb war ich mutig und habe mich für die BuchBerlin 2017 am 25./26. November in Berlin (Estrell) angemeldet. Man muss ein Thema angeben und weil ich seit Jahren schon verstärkt Liebesgedichte schreibe, habe ich OST-WEST-Liebesgedichte als Thema gewählt.

Ich finde, Liebesgedichte müssen nicht subtil und zum Nachdenken sein (bei diesem Thema bloß nicht denken...), sondern vielmehr einfach, flach und sinnlich -- oder so --  und zusätzlich sollten sie sich reimen, dann finde ich sie schön.

 

Seit der Bundestagswahl vor vier Wochen nun ist das "OST-WEST-PROBLEM" ja wieder ein Medienthema geworden. Politisch wird man das zeitnah nicht lösen können. Die Lösung im Kleinen aber ist ganz einfach: körperlich. Und hier deshalb zur Feier des Tages ein Auszug aus dem Gedichtband OSTMANN-WESTFRAU, der im  November 2017 bei Tredition erscheinen wird:

 

was mir fehlt

mir fehlt /

dein boot und der see / und die hühner unter sternen / dein haus mit dem reh / und die farbenen laternen / dein licht in der tür / und der frisch gemähte rasen / dein glas auf dem stein / und die katzenfeuchten nasen / dein tor mit dem schild / und dein stolzer breiter rücken / dein bad mit dem bild / und dein weg mit hundert brücken / dein herd mit dem fisch / und den schummerigen kerzen / deine hand auf dem tisch / und deine brust mit tausend herzen /

doch am meisten / fehlen mir / die feuchten nächte / unter dir.

10.10.2017 A20 bei Tribsees

Tribsees liegt nicht in NWM, aber in Mecklenburg in einer Moorgegend. Und hier bricht eine Seite der A20 weg.

Das finde ich so beeindruckend - Deutschland, das Land ohne Tempolimit auf Autobahnen, hat beim Strassenbau mal versagt. Sieht übrigens genau so aus wie nach dem Erdbeben von Kobe 1995 in Japan.

Und Ob das in Baden-Württemberg auch passieren könnte? Also, ich hoffe mal: ja!

07.10.2017b Ochsenkopffahne

Die Fahne des Landkreises NWM sieht in echt aber so aus: ein grimmiger, halbierter Ochsenkopf mit Krone auf ockergelb und daneben ein rot-weißer Bischofsstab auf rot-weiß. Richtig kompliziert für einfach nur einen Landkreis, finde ich. Vielleicht sieht man sie deshalb ja auch einfach nirgends hängen. Obwohl ja in NWMs Städten und auf dem Land durchaus viele Fahnen wehen: in den Schrebergärten und Campingplätzen genauso wie von den Balkonen der Plattenbauten. Entweder ist da die DDR-Fahne (sehr häufig! Hammer und Zirkel in der Mitte) oder die aktuelle Deutschlandfahne oder (v. a. in Schrebergärten) die Fahne des ganzen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, welche es in mindestens zwei Varianten gibt (Ochsenkopf alleine oder Ochsenkopf und roter Adler) und mich immer irgendwie an Rumänien erinnert, so farbenfroh! Und zur Info: die Landkreisfahne gibt es bei bei Amazon für derzeit 19.99€.

07.10.2017a Gras, Sonne, Wintermeer

Heute wurde offiziell berichtet, dass die Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Regierung nun mit den möglichen Partnern einer Jamaika-Koalition begonnen haben. Also, die CDU / CSU (schwarz) lädt DIE GRÜNEN (grün) und die FDP (gelb) ein, sich darüber zu streiten, ob man vielleicht die nächsten (2-) 4 Jahre zusammen Deutschland regieren könnte.

Jamaikas Flagge passt ja auch ganz gut zu Nordwestmecklenburg: viel grünes Gras, viel gelbe Sonne und in den gefühlten 7 Wintermonaten von Oktober bis April ist die Ostsee schwarz (aber vor allem: kalt).

06.10.2017 - 4.8% und nu?

Da ich einfach so gar keine Lust habe, mich mit dem diesjährigen 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) genauer zu beschäftigen, auch weil der neue Bundespräsident (Thema der diesjährigen Rede: Heimat) für mich einfach einer der allerunsympathischsten Politiker ist (glatt wie ein Aal und sonst nix), widme ich mich mal wieder einem meiner Lieblingsthemen, nämlich den Zahlen und ihren Interpretationen. Passend nach der Wahl und zum 3. Oktober hat ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Achtung: Schleuderstuhl...) des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (genau: Köln) nämlich mal wieder Demografisches veröffentlicht. Bis 2035 wird die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern um 4.8% abnehmen, insgesamt die Bevölkerung Deutschlands aber in ihrer Anzahl an Köpfen recht stabil bleiben. Die Deutschen starben ja statistisch gesehen schon seit langem regelmäßig aus (die Pest, der 1870er Krieg, WWI und WWII, Aids, usw.). Also, völlig unabhängig von der kurzzeitigen Teilung des Landes wurden es immer mal wieder weniger und dann mal wieder mehr Menschen hier vor Ort. Was jetzt aber meiner Ansicht nach ziemlich neu ist, ist die Tatsache, dass bislang entweder beide Geschlechter weniger wurden (Pest), oder die Männer (Kriege). Weniger Frauen in kleinem und großem Maßstab gab / oder gibt es augenscheinlich nur 2x: einmal in den ostdeutschen, ländlichen Gegenden, aus denen nach der Wende 1989 die Frauen geflohen sind (oder von Westmännern abgezogen wurden) und jetzt seit 2015 einmal gesamtdeutsch durch die Einwanderung junger Männer aus fernen Ländern in großem Maßstab. Wenn also gepanikt wird - warum auch immer -, dass die Deutschen nicht weniger werden sollen, und, wie in diesem Bericht empfohlen, ein Einwanderungsgesetz ausgearbeitet werden soll, dann drängt sich doch ein glasklarer Gedanke auf: lasst dann doch mal endlich vor allem junge Frauen einwandern! Na? Wer sich schon mal länger in Gegenden mit deutlichem Männerüberschuss aufgehalten hat, also zum Beispiel auf dem Land in Nordwestmecklenburg, der (oder eher die) findet meine Idee sicherlich sofort auch gut - u.a. auch, da Männer nun mal immer noch keine Kinder bekommen.

Deshalb mal mein Tipp an die Kanzlerin: nächstes Selfie mit junger Frau möglichst zeitnah, spätestens aber am 3. Oktober 2018 um die Welt schicken - das hätte eine richtig gute Signalwirkung und wäre auch wesentlich bevölkerungsberuhigender als so eine doofe Rede über Heimat!

30.09.2017 Keine Pilzkurse in Mecklenburg-Vorpommern

Da ich kürzlich an einer Stelle im Wald vorbeigekommen bin, wo es von Fliegenpilzen nur so wimmelte, wollte ich mich im Internet mal kundig machen, wie viele EUROS man pro 100g getrockneter Fliegenpilze in der Magic Mushroom Szene denn so erhalten würde. Relativ schnell landete ich bei meiner Suche auf der Seite www.pilzschule.de von Dieter Honstraß. Dieser hat u. a. herausgefunden, dass es in Deutschland entgegengesetzt zu (ehemaliger) Lehrmeinung viele Trüffelfelder gibt. Und dass man viele Hunde sehr gut trainieren kann, diese Trüffelfelder zu finden. Er gibt jetzt also auch Kurse für Hundebesitzer, die ihren Hund zum Trüffelsuchhund ausbilden möchten. Das fand ich selbstverständlich zunächst mal wirklich toll! Doch dann kam der Schreck: die Kurse für Hundebesitzer finden regelmäßig in so exotischen Ländern wie Spanien, Luxemburg und Frankreich und noch einigen mehr sowie in *allen* deutschen Bundesländern mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns statt. *Mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommern*. Aber warum?

28.09.2017 Bestätigung

Anruf vom aktuellen Wolfsbeauftragten des BUND Naturschutz erhalten. Auf den Fotos (siehe Beitrag vom 18.08.2017) sieht er ebenfalls eindeutig Wolfsspuren. Er (gibt's eigentlich auch WolfsspezialistInnen?) empfiehlt das Anbringen einer Videofalle (ohne Selbstschußanlage) am Ortsschild des Dorfes. Ausserdem würden Herdenschutzhunde helfen, den Wolf vor Schafen, Hühnern und auch Hauskatzen abzuhalten. Mein Hund ist zufällig ein PON und somit der prädestinierte Herdenschutzhund - was für ein Zufall!

So. Aber was tun? Wir müssen nun ja schon davon ausgehen, dass der wahrscheinlich solitär wandernde, junge Wolfsrüde auf der nächtlichen Suche nach Fleisch einen kleinen Snack wie eine unserer Hauskatzen mal gerne im Vorbeitraben verschlingen würde. Dörfer sind für wanderende Jungwölfe ja in etwa so was wie Currywurstbuden für autofahrende Jungmänner, wo Eiweißhappen schnell, günstig und risikoarm zu erwerben sind. Um das Risiko für den Jungwofl etwas zu erhöhen, könnten wir nun ganz sachlich mal überlegen, den Hund ab sofort und über den Winter im Garten schlafen zu lassen, also statt auf dem Sofa oder bei Gewitter mit im Bett. Ich wäre da *sofort* mit einverstanden, aber leider leider habe ich bislang privat keine alleinige Entscheidungsbefugnis über meinen Hund durchsetzen können.

27.09.2017 Der Landrat!?!

Nach Bundestagswahlen können Spaziergänge in wilder Natur von unschätzbarem Wert für die Seelenlage sensibler Charaktere sein. Im September sind die Wälder Mecklenburgs voll von Pilzen, sich sammelnden Zugvögeln, den Waldschatten durchtränkenden Sonnenstrahlen, ziehenden Wolken, hohen Gräsern, zirpenden Heimchen, warmer Luft und surrenden Insekten. Die Seele kommt zur Ruhe und man fühlt sich nach einigen Kilometern barfuß wandern evolutionär wieder am richtigen Ort, nämlich als Primat mit Begleithund unterwegs auf Nahrungssuche in Wald und Savanne. Bis man völlig unvermittelt auf das idiotischste Schild aus der Gattung "Naturschutzgebiet" ever trifft: diese dumpfglotzende Eule, dieses nichtssagende Wort in fett, und dann, für mich zum 1. Mal auch noch getoppt mit der Drohung "der Landrat"??? Wel-cher-Land-rat-denn-zum-Teu-fel??? Deutschland - du machst einen fertig!

26.09.2017 Tipps für Bundespolitiker und Journalisten

Die diversen Medien und die Bundespolitiker gaben sich ja ziemlich sehr überrascht vom Ausgang der Bundestagswahlen 2017. Diese %-Werte waren aber nicht überraschend. Also zumindest nicht, wenn man unter gegebenen Lebensbedingungen im vermeintlich vereinten Deutschland mit offenen Augen durch die Welt geht. Damit sie in vier Jahren (oder auch schon in 2 Jahren, oder im Falle von Neuwahlen in ca. 3 Monaten) nicht wieder großäugig in die Welt staunen müssen, gebe ich hier mal zwei Tipps für Bundespolitiker und Journalisten:

1. Wenn Sie im Westen wohnen, dann verlegen sie sofort für 12-24 Monate ihren Hauptwohnsitz in das Territorium der ehemaligen DDR ausserhalb Ost-Berlins (also natürlich nicht nach Berlin Prenzlauer-Berg). Sprechen sie täglich mit wechselnden, zufällig ausgewählten einheimischen Personen ca. 5 Sätze (mehr an Kommunikation kommt meist eh nicht zustande) und notieren Sie jeden Abend in ein extra dafür angeschafftes Notizbuch ihre eigene Gefühlslage in Bezug auf das Gespräch: + (nett und freundlich), 0 (naja), - (depri oder bedrohlich). Überwiegen die - Zeichen in ihrem Feldbuch, dann bekommt die AfD bei den nächsten Wahlen  > 25%, also dort, wo Sie Ihren neuen Wohnitz haben!

2. Wenn Sie im Osten wohnen und natürlich keinesfalls westdeutsches Territorium betreten möchten (Ich hasse München ist ja einer der am häufigsten hörbaren Sätze im öffentlichen Raum von etwa Berlin-Köpenick, obwohl natürlich kaum mal ein Berlin-Köpenicker persönlich schon mal bis nach München unterwegs gewesen wäre), dann nutzen Sie das neue DVB-T mit seinen Regionalsendern. Sehen Sie täglich 60 min einen Regionalsender. Zum Beispiel:

Montag: SWR (...der deutsche Mittelstand in gefühlter 1000ster Generation...)

Dienstag: NDR (...die Küste und die Küste und die Küste...)

Mittwoch: HR (...vom Wein und vom Wald und von Großstadtproblemen...)

Donnerstag: MDR (...tja - was wohl?...)

Freitag: BR (...die Alpen, das Oktoberfest, BMW, die CSU, Schleich-Fernsehen und viele total süße Kühe!)

So lernen sie Deutschland kennen, ohne sich in dieses ekelhafte, westliche Territorium begeben zu müssen und gleichzeitig bekommen Sie ein Gefühl dafür, warum (auch) dort Parteien wie die CSU oder die CDU oder die SPD Wähler verloren haben, trotzdem aber kaum jemand Die Linke wählen möchte.

Viel Erfolg!

25.09.2017 Nach der Wahl

Wo ich lebe - in Berlin-Köpenick- ist Gysi-Land. Die alten DDR-Bürger sind stark vertreten und mobben mich als Wessi immer noch, vor allem wenn grade mal wieder kein Deutscher mit Migrationshintergrund (puh -- diese Wortwahl der Polik) vor Ort ist -- und davon gibt es im homogenen Gysi-Land immer noch so gut wie niemanden (ausser Sahra Wagenknecht, natürlich). Aber immerhin hat die Tierschutzpartei in meinem Wahllokal 18 Stimmen (jawohl!) erhalten.

Wo ich noch lebe - in Nord-West-Mecklenburg I - hat die AfD weniger Stimmen (16%) als der Durchschnitt aller Länder der ehemaligen DDR erhalten (> 20%). Und ausserdem hat die Tierschutzpartei hier mehr als 1% erhalten, obwohl sich der Landesverband erst 2014 wieder neu gegründet hatte. Somit ist sie von den kleinen Parteien in Mecklenburg jetzt die stärkste Partei (nachdem die AfD ja keine kleine Partei mehr ist). Das überrascht mich also jetzt doch und darüber freue ich mich auch!

 

% NWM I Berlin-Köpenick
CDU 32.1 19.0
SPD 22.1 13.8
Die Linke 17.2 39.9
AfD 16.0 14.9
FDP 4.8 3.7
GRÜNE 3.8 5.0
Tierschutzpartei > 1% !! 18 Stimmen !!

 

18.09.2017 Qual der Wahl

Nächsten Sonntag sind Bundestagswahlen. Noch 5 Tage also. Heute früh habe ich privat meine diesjährige Wahlentscheidung kundgetan: beide Stimmen für die Tierschutzpartei! Natürlich hält man mich nun nicht für politisch verzweifelt (...) sondern für ver-rückt von im Sinne aus der Vernunft raus-ge-rückt. Deshalb hier mein Erklärungsversuch:

Grün nicht weil: bislang habe ich die Grünen gewählt, weil ich stur aus persönlicher Erfahrung gegen Atomkraft bin. Nun sind die Grünen im Laufe der Jahre aber irgendwie vom Weg abgekommen und haben sich in diverse neue Themen begeben. Und sie haben eine ziemlich versnobte Wählerklientel angezogen, die weithin sichtbar Immigranten mit Luftballons und Trinkpäckchen empfangen hatten um sich danach erhobenen Hauptes in den dicken SUV zu setzen und das Einzelkind in die Kita mit Chinesisch am Nachmittag zu bringen. Da fühle ich mich einfach zu arm für. Ehrliche Integrationsarbeit sieht anders aus.

SPD nicht weil: die noch nie in Frage kam. Nach dem Krieg hätte ich die vielleicht gewählt aber eigentlich sind da zu viele Machos, die sich durchsetzen. Die hatten  ja auch noch nie eine Frau aufgestellt, seit ich wählen gehe. Nur farblose Männer mit Bart, Brille und ohne Haare die sich vermeintlich für Autos und (männliche) Arbeiter  einsetzen, damit diese Herren ja auch gut verdienen. Ich bin sowieso mehr für Pferde als für Autos.

CDU nicht weil: Merkel 2015 aus persönlichem Größenwahn-Ruhm-Historiendenken und dem Gedanken an die Grenzöffnung von 1989 im Hinterkopf einen Riesenmist gemacht hat. Sie hat nämlich die Grenzen nicht in erster Linie aus humanitären Gründen geöffnet - sondern aus rein egoistisch-narzisstischen Gründen, nämlich um international dick zu punkten!! Und dann noch diese peinlichen Selfies!! Und was die ausgelöst haben -- diese peinlichen Selfies. Und die Probleme im eigenen Land dadurch sind groß geworden - im Osten (übrigens!) noch größer als im Westen.

Die Linke nicht weil: die ein Pool aus ehemaligen SED-Typis und Karrierewessis sind. Immer nur meckern, da sind sie richtig gut drin. Aber konstruktiv bekommen sie nichts hin, so ohne Diktatur als Überbau.

AfD nicht weil: es die AfD ist. Obwohl ich finde, dass die Medien sie ungeheuer schlecht und tendenziös behandeln und dadurch ihre Wähler und die bislang Nicht-Wähler nur noch in ihrer Wut bestätigen. Eine coole, sachliche Auseinandersetzung mit den Themen der AfD wäre wünschenswert. Also, ich kann vieles nachvollziehen, aber ich kann sie nicht wählen, weil sie mir insgesamt einfach unheimlich ist. So, als würde man ein gewisses Risiko mitwählen. Die Medien, übrigens, würde ich auch nicht wählen!

CSU nicht weil: es da keine Frauen gibt und zu viel Vetternwirtschaft herrscht. Ich mag keine Platzhirsche. Ausserdem kann ich die gar nicht wählen, weil ich ja nicht in Bayern gemeldet bin.

FDP nicht weil: in meiner Jugend alle Männer, die BWL studiert haben und alle Frauen, denen die Papas zum Abitur einen VW Golf und einen 4-Tages-Kurs Immobilienmakler(in) geschenkt hatten, die FDP richtig gut fanden. Ausserdem hat man bei der FDP immer das Gefühl, dass am wenigsten von allen, um was es in der Politik gehen könnte,  es um Menschen geht. Und um Tiere schon gleich gar nicht. Und ärgerlich ist weiterhin, dass die mit ihren mickrigen %en schon so oft in der Regierung waren - - total undemokratisch ist das, sich immer so reinzuaalen. Ausserdem hat Genscher als Aussenminister damals im angehenden Balkankonflikt mal eben die Serben als die Bösen und die Kroaten als die Guten dargestellt - und irgendwo den  beginnenden Krieg damit unterstützt! Nicht mal in der Aussenpolitik waren sie also wirklich gut. Es gibt einfach gar keinen Grund, FDP zu wählen.

Die Piraten nicht: weil es die irgendwie eh nicht mehr gibt? Da haben sich halt mal ein paar Hipster zerfleischt.

 

... und diese vielen vielen anderen Parteien nicht, weil: ich keine Zeit habe, die alle seriös zu durchdenken.

Bei der Tierschutzpartei, hoffe ich, mache ich zumindest nichts falsch! Und heute Nachmittag habe ich in der Schweriner Zeitung dann auch noch als Bestätigung gelesen: 8.7% der U18 Wähler in Mecklenburg-Vorpommern wählten im Wahl-Test ebenfalls die Tierschutzpartei. Da fühle ich mich doch gleich wieder ganz jung.

17.09.17 Gegen Massentierhaltung, für Mäusezuchten!

Nachdem ich in diesem Blog schon desöfteren über Massentierhaltung in Nordwestmecklenburg berichtet habe, nun heute und auch im Rahmen meiner Wahlentscheidungsfindung für die Bundestagswahl 2017 eine Empfehlung für alle Haustierhalter mit Carnivoren. Jenes Katzen- und Hundefutter, das man sich leisten kann, wird ja ausnahmslos aus Tieren gemacht, die in Massentierhaltungen mit Massenschlachtung (diese schreckliche Schlachtung, das sollte man keinesfalls vergessen!) gehalten werden. Das finde ich persönlich ein großes Problem. Selbst wenn ich selbst mich mit Fleisch aus guter und Haltung und Schlachtung ernähre, ist das für die Haustiere auf Dauer doch irgendwie zu teuer. Und, übrigens, das Katzenfutter mit Fisch ist meistens ausverkauft. Was läge also näher, als naturnah und artgerecht das Futter selbst zu züchten? In diese Marktlücke ist nun ein kleines Start-Up gestossen. Auf www.mäuse-berlin.de gibt es zunächst Farbmäuse aus privater Zucht für private Haltung und als Anschauungstiere (Leihgabe) für den Unterricht. Wächst die Zucht, dann kommen die Futtermäuse für 1€ pro Kopf hinzu. Damit wird wohl niemand reich, aber darum geht es ja auch gar nicht.

14.09.2017 Sex in der DDR??

Beim fotografieren dieses schicken Graffities auf dem Land (denn hier auf dem Land finden sich nun mal die schickesten Graffities!) sprach mich vor einigen Wochen eine ältere Dame an. Sie meinte, das hier sei ein Porno. Hm. Unten rechts seien weibliche Schenkel und Brüste und oben links der Penis mit Hoden. Hm. Ich war so total völlig überrascht von ihr, was sie sagte und vor allem, wie sie mich ansah, dass mir keine indiskretere Frage einfiel als: Hatten Sie denn ein gutes Sexualleben, früher in der DDR? Da wurde sie plötzlich ganz zerknirscht und sagte: Ne, ich doch nicht. Aber mein Mann, wissense, der war bei der Stasi. Da haben die Kerle abgeräumt, wissense, so richtig abgeräumt. Es ging denen ja nicht nur ums Politische und die Privilegien in der Mangelwirtschaft, wissense, denen ging's ja um die Frauen, vor allem um die Frauen. Der hatte viele, mein Mann, wissense. Es stellte sich dann im weiteren Gespräch heraus, dass sich ihr Mann nach der Wende umgebracht hat. Feige war der, so richtig feige, wissense. Soweit so gut. Ich dachte nicht, dass das Fotografieren von bemalten Stromkästen derartige Untiefen von vor ca. 40 Jahren so unvermittelt nach oben spülen könnte. Und überhaupt: die sexuellen Privilegien der DDR-Stasi-Beamten, oder insgesamt von linientreuen Menschen in Machtpositionen der totalitären Regime ist ja ziemlich unerforscht, bislang. Natürlich ist es auch einfach nicht salonfähig im vermeintlich vereinten Deutschland - und überhaupt.

08.09.2017 Wahlkampf in NWM...gehört der Wolf zu Deutschland?

Der Wahlkampf kennt keine Grenzen -- jetzt werden Wölfe sogar indirekt mit dem Islam-Statement des ehemaligen Bundespräsidenten "Christian Wilhelm Walter Wulff" in Verbindung gebracht. Die Frage als solche stellt sich doch gar nicht (...).

Jedenfalls, Problemwölfe sollen abgeschossen werden dürfen. Soweit so gut. Das Problem liegt nur einfach in der sicheren Identifikation von Problemwölfen und (worüber natürlich mal wieder keiner spricht) in der schlechten Trefferquote der mecklenburger Jäger. Manchmal hat man ja wirklich das Gefühl, hier läuft mehr angeschossenes als gesundes Wild in den Wäldern und Feldern herum: hinkende Rehe, humpelnde Hasen, kieferlose Wildschweine...und überall diese Blutspuren!

Ich bin auch für den sicheren Abschuß als socher sicher identifizierter Problemwölfe. Ein Problemwolf für mich, zum Beispiel, wäre ein Wolf, der Nachts die Kälber aus den Mutterkuhherden herausreisst. Sowas geht gar nicht!  Die Mutterkühe versuchen nächtelang gemeinsam die Kälber vor den angreifenden Wölfen (= eine ganze Problemwolffamilie!) zu schützen. Sie schaffen es irgendwann nicht mehr, die Wölfe reissen tatsächlich Kälbchen und die Mutterkühe tragen Kampfspuren davon. Allein schon aus Sympathie mit den nachts kämpfenden Mutterkühen bin ich in diesen Fällen für die Reduzierung der "Problemwölfe". Und auch aus Sympathie mit den Bauern, die sich Mutterkuhherden leisten. Fährt man von Berlin nach Wismar, dann sieht man mindestens sechs Mutterkuhherden von der Autobahn aus. Meistens liegen oder stehen die Kälbchen irgendwo rum und die dicken Mütter grasen ein Stückchen entfernt von den Kälbchen. Einmal, vor kurzem, bei Ludwigslust, lagen sehr auffällig alle Kälbchen der Herde in der Mitte eines Kreises, den die Mutterkühe gebildet hatten - und das sah insgesamt einfach aus wie ein Schutzwall.

Also, strengt euch an, ihr mecklenburger Bauern. Schützt eure Kühe effektiv vor Raubtieren! Und verlasst euch dabei bloß nicht auf Jäger oder Lokalpolitiker im Wahlkampf!! Die Massai in Afrika schaffen das schließlich auch alleine!

07.09.2017 Ernteausfall

Vielleicht wegen des vielen Regens, der wenigen Bienen und Hummeln oder aus sonst irgendeinem Grund: dieses Jahr gibt es kaum Boskopäpfel und auch richtig wenig Brombeeren. Dafür gibt es Schirmpilze über Schirmpilze. Die kann man panieren und manche sagen, die würden dann so lecker schmecken wie ein Kalbsschnitzel. Oder eben wie ein panierter Schirmpilz.

03.09.2017 Spätsommerbild

 

Auf dem flachen Land

sehen die Wolken

manchmal aus wie Berge

 

Ein spätsommerliches Kunstbild gemacht von meiner männlichen Begleitung während des üblichen Hundespaziergangs. Der Hund war wie immer mit sich selbst beschäftigt: er fraß wilde Äpfel.

 

 

02.09.2017 Rote Lampen auf dem Land

Manchmal fühle ich mich einfach sehr privilegiert. Mir wurde nämlich etwas Tolles verraten: nämlich, dass es auch hier einen Landpuff gibt. Geht man eine Sackgasse eines kleinen Dorfes am großen See gelegen bis zum Ende entlang, kommt man auf eine Anhöhe mit nur zwei Häusern. Dort ist ein Bordell, das man leicht an der roten Lichterkette erkennt. In meiner niederbayerischen Kindheit gab es auch eine Art Bordell. Es sah ziemlich ähnlich aus (nur ohne Thujen und roter Lichterkette) und hieß Rosenau. Mein Großvater unterhielt sich mal am Stammtisch, wo ich regelmäßig dabei saß und Fanta trinken durfte, über eine mögliche Namensänderung der Rosenau, da ihm das Wort Rose im Namen einfach zu verräterisch erschien. Sein Stammtischfreund fragte ihn dann nach seinem Namensänderungsvorschlag für die Rosenau und mein Großvater antwortete, dass er alle Etablissements einfach Zur Eiche nennen würde. Das sei halt einfach unverfänglich, die deutsche Eiche. Es gab dann eine längere Denkpause von etwa einer weiteren Halben (= 1 Bier, 0.5l im Glas) und dann sagte der Stammtischfreund: Du Franz, des is aber schlau, da fehlt ja bloß mehr ein L !  Meine Denkpause dauerte dann etwa 10 Jahre bis ich diese Schlauheit meines Großvaters verstanden hatte. Der hiesige Landpuff hat irgendwie keinen erkennbaren Namen an der Tür, aber Zur Thuje würde vielleicht ganz gut passen.

01.09.2017 Suchbild (noch) lebendes Reh

Vor zwei Wochen morgens um ca. 10:00 Uhr hat dieses Reh noch gelebt. Inzwischen hat die Jagdsaison begonnen. Vielleicht lebt es immer noch. So gut schießen die Jäger hier nämlich nicht. Aus Anlaß eines weit hörbaren Schusses am Abend um 20:00 erzählte der Nachbar, dass ihn im Winter 2017 ein Keiler fast ungerannt hätte. Der hatte nur noch eine halbe Schnauze und brach in Panik aus einem Gebüsch heraus auf ihn zu, rannte dann zum Glück aber einfach weiter in das nächste Gebüsch. Passiert war dem Nachbarn zum Glück nichts. Das zumindest, sollte den Jäger auch interessieren!

20.08.2017 Die Wahlkreiswellenmachtfrau

Aus aktuellem Anlass sehe ich mal dank meiner Tochter die Youtube Interviews von Frau Dr. Angela Merkel an. Ihr Wahlkreis liegt ja in Mecklenburg an der Küste. Interessant sind bekanntlich ja eh nur die letzten 30 Sekunden der Youtube Interviews von Kanzlerinnen. Ein männlicher Youtuber, dessen Namen ich vergessen habe, fragt am Ende seines Interviews im Wahlkampf, welchen Spruch sie sich denn auf ein "T-shirt" drucken lassen "würde". Man hätte sie auch Fragen können, welchen "8000ter" sie gerne mal im nächsten Sommerurlaub besteigen "würde". Klar, dass weder T-shirts noch offene Worte bei dieser doofen Frage in Frage kommen. Und sie antwortet: "Keinen Spruch, aber eine Welle, weil mein Wahlkreis ja am Meer liegt". Sehr gut geantwortet, Frau Dr. Merkel. Denn Wellen haben ein gutes Image in Deutschland, weil es hier ja keine Tsunami gibt! Die Youtuberin Ischtar Isik wiederum beendet ihr Interview lachend mit der Bemerkung "Das war übrigens mein erstes Interview!" Und Frau Dr. Merkel antwortet: "Ihr allererstes Interview im Leben? Und sonst machen sie immer nur Selbstdarstellung?" Oh Gott -- die Frau hat sich immer noch nicht komplett im Griff. Machtmenschen im Machtrausch sind aber auch hoffnungslose Fälle!

19.08.2017 Hühnermastanlage Gut Banzkow

Auf dem Weg nach Sukow (E-bay-Kleinanzeigen, ein Schnäppchen, es müssen Samstag früh 10 qm Pflasterscheine abgeholt werden) fahren wir an dieser Hühnermastanlage vorbei. Die gab es schon in der DDR, sagt meine Begleitung. Also könnte man notieren,  dass wir am Zaun einer historischen Hühnermastanlage stehen. Nach Gut Losten (Schweinemast) nun hier zur Information mal ein Foto von so etwas. Ich denke, die meisten und mich eingeschlossen, haben noch nie eine Hühnermastanlage betreten und nur immer im TV die Zustände da drin angesehen. Übrigens laufen einige (ca. 200) der ca. 480.000 Hühner hier auf der Wiese herum. Es gibt noch mehr Grasflächen mit kleinen Schutzdächern, die aber derzeit unbenutzt sind. Ich nehme mir natürlich vor, hier mal einige Hühner zu klauen. Als wir wieder ins Auto steigen, kräht gerade ein Hahn - und das ist doch ein gutes Zeichen.

18.08.2017 Wolf oder nicht Wolf?

Beim morgendlichen Hundespaziergang 50 m am letzten (oder ersten) Haus des Dorfes vorbei und nach einer Regennacht erblicke ich plötzlich diese Spuren auf dem Weg. Mein Hund wiegt 20 kg und hinterläßt an diesem Tag gar keine Abdrücke im Sand. Also muss das hundeartige Tier, das diese Spuren gelegt hat, schon mal deutlich schwerer sein. Ausserdem ist es getrabt, da die Hinterläufe in den Vorderläufen abfußen. Kann also nicht an einer Leine gewesen sein -- ausser ein Hundebesitzer (z. B. Schäferhund, Husky??) wäre auch getrabt, aber dann hätte man die Menschenspuren wohl auch gesehen. Die Pfoten sind recht groß und die Krallen sind eindeutig recht lang. Wolf oder nicht Wolf - das ist hier die Frage!

11.08.2017 Suchbild: 1 Grasfrosch

Mein normaler Spazierweg über die Dauer von 60 min von Dorf zu Dorf ist dieses Jahr zu einem Schlammpfad geworden. Das Schilf aus dem echten See wächst in windeseile bis zum Weg hin hoch (ca. 50 m!) und wenn man den Weg geht, springen die Grasfrösche links und rechts zur Seite. Bei Frosch 100 (nach etwa 5 min) habe ich aufgehört zu zählen. Es dauerte dann weitere 500 m bis ich endlich einen vor die Linse bekommen habe. Man könnte diesen Weg mit Gummistiefeln gehen, aber das lohnt sich nicht. Barfuß bewährt sich am besten, da es ja in Mecklenburg weder Anakondas noch Blutegel gibt. Also, noch nicht gibt.

05.08.2017 Nandu-Safari

Da 1990 etwa 8 Nandus aus einem Gehege ausbrachen, kann man jetzt zwischen Utecht und Schattin östlich des Ratzeburger Sees wildlebende Nandus antreffen und beobachten. Ich hätte das nicht für möglich gehalten! Die größte Gruppe zählte 44 Köpfe, insgesamt sahen wir zwischen 13:46 und 17:03 mindestens 64 Nandus an 3 Orten. Einmal in einem abgeernteten Rapsfeld, einmal in einem riesigen Kleefeld und einmal auf einer Wiese. Nandus bilden kleine Harems, die sich zu großen Gruppen zusammenschließen und wieder aufteilen. Der Hahn besitzt das Nest in das 3-4 Weibchen ihre Eier legen. Er brütet und wenn die Küken ausschlüpfen, dann bleiben sie bei ihm. Wir haben 2 Hähne mit einmal 7 und einmal 11 Küken gesehen. Die Küken waren unterschiedlich alt (klein, mittel, mittelgroß) und genetisch wären es wohl Vollgeschwister oder paternale Halbgeschwister (= über den Vater verwandt). Spannende Sache ... wenn man sich für die Verhaltensgenetik von Vögeln interessiert. In Europa sind schon oft Nandus ausgebrochen, aber nur hier, in Nordwestmecklenburg gibt es diese kleine, langsam aber stabil wachsende Population von inzwischen ca. 240 Tieren. Überall anders scheinen sie sich nicht halten zu können. Ich denke, das liegt am lokalen Klima, den geomorphologischen Bedingungen und der historischen Landnutzung / Agrarwirtschaft. Also: 1. hier ist es relativ mild, im Vergleich zu z.B. Bayern oder Berlin. Es schneit wenig und der Frost hält sich in Grenzen, weil das Meer nahe ist. 2. Die geniale Gletscherlandschaft aus Moränenböden und Söllen erlaubt als solche schon mal super Verstecke und saftige Fresswiesen. 3. Wegen der DDR und den damaligen LPGs sind die Felder riesengroß im Vergleich zu 50 km westlich, wo eben Westdeutschland war. Dort sind die Felder klein parzelliert und dorthin haben sich die Nandus auch nicht ausgebreitet - nur nach Osten hin. Große Felder sind prima für große Gruppen, die sich aus vielen kleinen Harems zusammenschließen. Und je größer die Gruppe, desto sicherer ist sie, weil viele Augen mehr sehen als weniger Augen. Außerdem kann man sich als Vogel mit dieser Größe in großflächigen Weizen- Mais oder Sonnenblumenfeldern nun mal besser verstecken als wie in kleinparzellierten Kuhweiden.

28.07.2017 Fledermausnotstand

Nachdem der große Regen nun vielleicht mal vorbei ist, könnte die große Hitze kommen. Zwischendurch aber kommen die Fledermäuse. Dieses Jahr sind es besonders viele. Manche Arten leben das ganze Jahr hier und überwintern auch, andere ziehen wie die Zugvögel saisonal durch die Welt. Nachts natürlich. Im April-Juni etwa bekommen die Fledermausweibchen ein Junges. Genau, nur ein Einziges jedes Jahr. Wenn die Mutter stirbt, dann hat das Baby, das im Quartier hängt und auf die jagende Mutter warten muss, keine Chance. D. h. hinter jeder toten Fledermaus, so denn sie weiblich ist, steht im Sommer auch ein totes Fledermausbaby. Bei den Nachbarn gab es dieses Jahr ziemlich viele tote Fledermäuse - und es könnten noch mehr werden. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einer Fledermausaufpäppelstelle in Nordwestmecklenburg. Man kann hier Vögel und Igel, angefahrene Waschbären, tote Wölfe und tote Wildschweine abgeben, aber leider keine halbtoten Fledermäuse. Die Gründe hierfür sind divers und kompliziert, wurde mir erklärt. Überhaupt sei Westmecklenburg ein schwieriges Pflaster. Aha. Auf den Punkt gebracht kann man am Ende des Geplappers einfach sagen: KEINE EUROS für Fledermäuse vorhanden. Ganz schlimm, das alles. Für Wölfe gibt's Geld, für Fledermäuse nicht. Fledermäuse sind die nächstnahe Ordnung der Primaten -- also des Menschen nächste Verwandten, wenn man biologisch in Ordnungen denkt. Leider sind sie nun mal klein und fliegen und schnurren können sie zwar auch nicht aber im Prinzip fühlen sie sich an wie meine Katze - nur noch viel schlauer. Die hier starb am 09.07.2017 um 20:17 in einer Pappschachtel in unserem Schlafzimmer.  

26.07.2017 Horrorpflanzen

Parkt man einen Spaten neben einem Beet mit Beikraut (Unkraut war früher - jetzt heisst es offiziell tatsächlich Beikraut), im konkreten mit "Winden", dann wickelt sich die Winde innerhalb von 10 Tagen so um den Spaten herum, dass man ihn nicht mehr sieht! Den hier habe ich gerade noch gesehen und gerettet. Im trockenen Berlin undenkbar, aber im tropischen Mecklenburg normal.

Und gestern hat es 50l / qm geregnet.

24.07.2017 Schwanensee

Schwäne über Schwäne über Schwäne. Letztes Jahr waren die alle immer tagsüber auf dem Feld, haben dort gefressen oder sind rumgelegen. Gegen Abend sind sie dann auf den großen See geflogen um dort zu übernachten. Dieses Jahr sind sie tagsüber nicht mehr auf dem Feld sondern auf dem kleinen See. Nachts wahrscheinlich auch. Die Graugänse sind gerade nicht vor Ort -- eigentlich komisch, weil die ja im Mai hier noch gebrütet haben. Aber ich sehe zurzeit nur noch Schwäne über Schwäne über Schwäne.

20.07.2017 Froschjagd

Sommer in Mecklenburg. Gestern schwülheiß, Mücken, Bremsen und tropische Feuchte. Nachts Gewitter. Heute schwülheiß, Mücken, Bremsen und tropische Feuchte. Und der Hund macht, mal wieder, unbeeindruckt sein eigenes Ding. Heute früh hat er sich in die stinkende Moorbrühe gestürzt um Frösche zu jagen -- ein aussichtsloses Unterfangen.

18.07.17 Doppelter Besuch

Heute bin ich dann doch etwas sehr überrascht von der politischen Bedeutung Mecklenburgs. Frau Dr. Angela Merkel weilt in Stralsund (dort ist ihr Wahlkreisbüro) und erhält Schokolade von Frau Manuela Schwesig anlässlich ihres 63. Geburtages. Herr Steinmeier ist in Schwerin und wird im Ars Vivendi speisen. Laut deren Internetpräsenz gibt es dort Wachteln in Madeirasauce. Wachteln gab's im Winter mal in der Tiefkühltruhe von Netto in Bad Kleinen. Zwei Stück für etwa 3.50€. Der lebt ja bescheiden, der Steinmeier. Ausserdem besucht er dann noch eine Diskussion in Rostock zum Thema "Frauen in Führungspositionen". Da hätte ich gleich mal eine Information für ihn: die SPD hatte in der Neuzeit noch nie eine weibliche Spitzenkandidatin für das Kanzleramt. Die deutschen Frauen sollen lieber den schicken Schulz wählen (?!?). Wollen die scheinbar aber nicht...diese Frauen.

11.07.17 Grüner Wald

Und so sieht der Wald in einem Regensommer aus.

Die Fahrspur erkennt man kaum noch, die Brennesseln wachsen mir deutlich über den Kopf, die Baumkronen sind grün und kaum auszumachen und überall diese Mücken! Hinzu kommen Vögel, Vögel, Vögel und deren Gesang. Frösche, Frösche, Frösche und deren Gequake. Und manchmal des nachts hört man einen Fuchs bellen. Auf dem Rückweg zum Auto - oder besser: auf der Flucht vor den Mücken zurück ins Auto - hält der Hund plötzlich vor mir an und schnuffelt aufgeregt am Gebüsch. Ich bücke mich zu ihm runter und rieche auch am und ins Gebüsch hinein, eine Angewohnheit, die ich angenommen habe, weil der Hund ja nicht sprechen kann. Und es riecht tatsächlich komisch! Wildschwein, Dachs, Fuchs, Marderhund, Waschbär, toter Kranich? Oder gar Wolf? Wäre gut, mal zu erfahren, wie Wölfe so riechen. Die letzte Meldung von gerissenen Schafen kam kürzlich aus einer Entfernung von 25 km Südwest. Für Wölfe ein Katzensprung!

10.07.17 Sommerregen um 19:00

Der Sommer kommt einfach nicht so richtig in Gang. Aber es ist warm, zumindest, und wenn es regnet, dann ähnelt der mecklenburger Landregen dem subtropischen Regen der kleinen Regenzeit in Asien. Das heißt konkret: man ist sehr schnell sehr nass, aber immerhin ohne zu frieren. Den Feldern und den Blumen am Feldrand tut es gut. Der Mohn und die blasslila Kornblumen wachsen und die wilde Kamille duftet durch die offenen Autofenster hinein. Links steht der Weizen, rechts ist der Raps verblüht und auf dem Feldweg vor mir hoppeln mal wieder die beiden Feldhasen.

03.07.17  Adretta 

Bei einem Grillabend, wo ich mal wieder die einzige Wessi war (die Politik mit ihrem "Wiedervereinigungsgeschwätz" hat einfach keine Ahnung...), ging es im Gespräch nachts gegen 2:00 Uhr plötzlich um Kartoffelsorten. Während meine Gesprächspartner aus der DDR (alle zwischen ca. 50-75 Jahre) ausnahmslos genauestens wußten, welche Kartoffelsorten sie in der DDR (also vor mindestens 28 Jahren) am liebsten hatten, wusste ich, obwohl ich aus einer niederbayerischen Kohl-Kartoffel-Anbaugegend stamme, die Namen der Kartoffelsorten, mit denen ich groß geworden bin, überhaupt nicht. Wie peinlich! Die Lieblingskartoffelsorte der anwesenden DDR-Bürger war "Adretta". Eine mehlig kochende Sorte, die 1975 in Groß Lüsewitz im Institut für Pflanzenzüchtung gezüchtet worden war und die durch ihre "schnelle Jugendentwicklung und üppige Krautentwicklung auffällt" (Wikipedia). Googelt man jetzt Groß Lüsewitz, dann kommt als erstes "Chill & Grill" auf Schloss Lüsewitz Auch gut... Jedenfalls werde ich mich demnächst in der Gegend mal nach Kartoffelfeldern umsehen, im Herbst dann zielgerichtet ein paar Knollen ausbuddeln und hoffen, dass es sich um "Adretta" handelt.

28.06.17 Fellwechsel

In Nordwestmecklenburg, wie sonst auch in Deutschland, gibt es "zu viele" Waschbären. Dass es hier überhaupt Waschbären gibt, ist ja schon bemerkenswert. Sie kamen aus Nordamerika und fressen nun die einheimische Fauna auf. Leider, so muss man erwähnen, sind Waschbären zuckersüß. Wenn der Hund sie auf einen Baum jagt, dann sieht man in der Astgabel ganz oben Streifen, kleine Knopfaugen, einen dicken Bauch, einen geringelten Schwanz und dreieckige Ohren. Neben Nandus, Wölfen, der Schwarzmaulgrundel, dem Grauhörnchen und dem Marderhund gehören Waschbären also zur neuesten Tierwelt Mecklenburgs. So wie den Nandus soll auch ihnen nun der Garaus gemacht werden. Die deutschen Jäger rufen nämlich zur Aktion "Fellwechsel" auf. Wer Pelz trägt, soll nun bitteschön Pelz von einheimischen Wildtieren tragen, also z. B. Pelz von hier geschossenem Waschbär, statt Nerzpelz aus sibirischer Zucht. Ich finde das gut und warte auf den ersten Waschbärpelzkragen, der hoffentlich dann nicht zu teuer ist.

23.06.17 Engel? Ja! Was sonst?

Endlich ist es richtig Sommer geworden. Der ewige Wind bläst dem Hund nun warm ins Fell und die Heupferdchen zirpen den ganzen Tag vor sich hin. Und auf dem Weg zum Moorsee entdecke ich ein kleines Wunder!! Unter der dumpfen Eule des Schilds "Naturschutzgebiet" wurde vor einigen Wochen ja unvermittelt ein Zusatzschild angebracht auf welchem stand: "Betreten verboten!" Es hat mich so aufgeregt, fast bis zur Schlaflosigkeit! Und nun - das "Betreten verboten" Zusatzschild ist wieder weg!! Plötzlich weg! Wie toll ist das denn? Entweder ein Engel hat es heimlich über Nacht mal abgeschraubt oder die betreffende Behörde (Unteres Naturschutzamt in Grevesmühlen) hat sich beruhigt, vielleicht auch, damit die Wiesen am Moorsee weiterhin bewirtschaftet werden können?! Man sieht im Hintergrund das trocknende Heu - und sollte keinesfalls an die kleinen Feldhasen in ihren Nestern, Rehkitze und Gänse- und Lerchenküken denken, die da mal eben unter den Mähdrescher kamen! Was für eine aberwitzige Landschaftsgestaltung, hier, in der tiefsten Provinz. Aber egal -- ein Dank dem Engel, der das Schild abmontiert hat und ich nehme jetzt einfach mal an, dass der in Gestalt einer mutigen und sehr vernünftigen Privatperson angeflogen kam. Danke-Danke-Danke-Danke!

19.06.17 Schnorchelzeit

Der Schweriner See ist nach der Müritz der zweitgrößte See Norddeutschlands. An sommerlichen Wochenenden ist er voll Schiffchen und Schiffen und Badenden und anderen wasserliebenden Erholungssuchenden. Montagmorgen ist er dann: leer, also einfach weitestgehend menschenfrei. Falls der Montagmorgen dann auch noch aussergewöhnlich windstill ist, dann kann man mit einem kleinen Motorboot friedlich über die spiegelglatte Wasserfläche tuckern und trifft höchstens den Fischer, der seine Reusen leert (zwei sehr große Barsche kosten dann 10 € und können wie in Indonesiens Wasserstädten von Boot zu Boot lebend übergeben werden). Was man an solchen Montagmorgen ebenfalls kann: gefahrlos schnorcheln, also so, dass man nicht Gefahr läuft, beim Auftauchen aus der Tiefe von irgendeinem rücksichtslosen Ausflugsdampfer überfahren zu werden. Die genaue Tiefe des Schweriner Sees scheint irgendwie ungeklärt. Weil es ein Gletscherzungensee aus der Weichseleiszeit ist, sollte er also einigermaßen tief sein, nicht wie z. B. der Ostberliner Müggelsee mit seinen peinlichen 8-9 m an tiefster Stelle. Genau weiß man das ja hier ebenfalls nicht. Jedenfalls: Wikipedia sagt, der Schweriner See sei an seiner tiefsten Stelle 52 m tief. Eine private Karte unbekannten Datums von unbekanntem Kartografen sagt: 45 m ist die tiefste Stelle und liegt südlich der Insel Liebs im Außensee. Hin- und her (oder ab- und auf) geschnorchelt wären das dann 90 m (oder 102 m) -- also mehr oder weniger so weit wie 2 x 50 m im Schwimmbecken. Jetzt stellt sich nur noch die Frage nach etwaigen Strömungen da unten in der nachtschwarzen Tiefe.

18.06.17 Enteneier

Im Bootskasten fanden sich sieben Enteneier. Also ein komplettes Gelege. Leider konnte man das nicht weiter zulassen und auch in der Nachbarschaft fand sich kein Hühnerzüchter mit passendem Brutkasten und passendem Nervenkostüm. Vielleicht (aber nur vielleicht) stammen diese Eier von einem Paar Mandarinenten (www.entenweb.de), die auf dem See in der Nähe rumschwammen und uns genauestens beobachtet haben. Die Eierschale ist leicht graublau (sehr hübsch) und sehr sehr glatt, viel glatter als die von Hühnereiern. Vier der Eier landeten also zunächst zuhause auf der Fensterbank und dann für das Foto im Moos.

16.06.17 Badezeit

Ab Mai beginnt die Badezeit. Das ist einfach so. Man sollte sich im Angesicht der mehr als tausend Seen Mecklenburgs nicht weiter mit dem tagesaktuellen Wetter beschäftigen. Es muss eben gebadet werden! An dieser  Badestelle zum Beispiel muss man beim Rausschwimmen auf den See im Falle von Wind (und es weht eigentlich immer Wind) generell erstmal gegen fast ostseehohe Wellen anschwimmen. Im offenen See dann ist es bezaubernd. Eine Wasserfläsche, am Rand nur Schilf und über einem nur Himmel, mit oder ohne Wolken, aber das tägliche Wetter spielt ja, wie erwähnt, ab Mai keine Rolle mehr. Möchte man zurück an das Ufer, muss man nicht mehr aktiv schwimmen, sondern kann sich vom Wind, so wie ein Pappelblatt, einfach zurück treiben lassen. Und der Geruch von Schilf im Regen ...

10.06.17 X-Chromosom

In der frühsommerlichen Mittagssonne leuchten die Graffity der Mecklenburger Provinz besonders schön! Dies hier ist farblich wirklich gelungen, finde ich für meinen Geschmack: schwarze Umrandung, rot, hautfarben und bronzefarben. Sehr schön! Rechts steht "Moja" (Vorsicht: nicht Maja, sondern Moja...) und die Signatur des Künstlers. Aber was es darstellen soll? Nun gut. Auch das ist einfach: eine poppige Form der Befruchtung, von jemandem, der in der Schule in den künsterlisch-sprachlichen Fächern sehr gut ist, von den Naturwissenschaften inklusive Genetik aber eben überfordert. Das ist ja häufig. Der / die Künstler / in hat vielleicht versucht, die menschliche Befruchtung darzustellen und einfach alles durcheinandergebracht: von rechts kommt die kopflose Samenzelle einfach mal direkt auf das gleichgroße (?!)  X-Chromosom zugeschwommen. Vielleicht.

08.06.17 Behördengänge

Da in der Großstadt mal wieder die Arbeit ruft, muss ein Parkausweis her. Um einen Parkausweis zu bekommen, braucht es ein weiteres Formular und für dieses Formular wiederum braucht es eine Geburtsurkunde. Ausserdem braucht es in der Großstadt Termine auf den Bürgerämtern und weil diesmal zufällig ich vor Ort bin, bin ich zuständig. Viel Verantwortung! Termin ist morgen um 9:48. Jawohl, richtig gelesen: volle Stunde und dann 48 Minuten. Der letzte freie Termin vor Oktober 2017 - das muss klappen! Denn ohne Parkausweis kann das Leben bekanntlich richtig teuer werden. Ich bereite also die Formulare beflissentlichst vor und erschrecke zutiefst vor mir selbst, als ich in der Rubrik "Land" korrekt das Land "DDR" eintrage. Geht man über alte Friedhöfe, so stehen da Namen und Orte, also etwa "Charlotte Pietsch gest. in Berlin". Der Mensch ist tot, aber die Stadt lebt noch. Hier ist es (zum Glück natürlich) umgekehrt: der Mensch lebt, das Land ist weg, oder irgendwie eigentlich doch nicht weg - aber auf dem Papier weg, oder aber gerade auch auf dem Papier nicht weg, oder??? (bin gedanklich und praktisch mal wieder überfordert hier!) aber ich kann ja jetzt nicht "Deutschland" als Geburtsland eintragen, oder wie (...), also - jedenfalls, mal sehen was morgen passiert und ob diese Computermaske auf diesem Bürgeramt dann bitteschön "DDR" auch annimmt und ich mit Parkausweis nach Hause komme. Falls nicht, so wäre das direkt ein Fall für Gregor Gysi!  

06.06.17 Storch Heinar?

In der Kaufhalle der Kleinststadt hat sich zum Sommer hin das Angebot in den Kühltruhen, welches im Winter und Frühling sehr international bestückt war, in eine klar sortierte Richtung hin verschoben: Grillfleisch. Wo im Dezember noch Wachteln aus Spanien und Haustauben aus Frankreich ruhten, liegen jetzt marinierte Schweinerippchen aus Deutschland (die Schweinefarm ist ja auch nur 3 km entfernt) in gefühlten Tonnen an Masse. Ein Blick hinein genügt also für eine schnelle Wahl (Kräutermarinade) und ich wandere weiter zur Kassenschlange. Da man(n) ja mit zunehmender Wärme immer weniger Kleidung trägt, sieht man jetzt auch die Tattoos auf den Waden sowie die Aufdrucke auf den T-shirts: 1x Gotmituns in silber auf schwarz auf einem Mann, ca. 40 Jahre ohne Haare, 1x Thor Steinar in silber auf schwarz (oder war es doch Storch Heinar? www.storch-heinar.de) auf einem Mann ca. 30 Jahre ohne Haare und 1x Saller auf einem Mann ca. 65 Jahre mit Bart und Haare(n). Zuhause angekommen hat sich die anwesende Jugend vermehrt (sich vermehren, zumindest das klappt in diesem Alter zuverlässig von ganz alleine) und ich sitze in der Abendsonne am Gartentisch einem weiteren T-shirt gegenüber: 1x Yakuza in silber auf schwarz auf einem (...), der aber noch alle zehn Finger vollständig an seinen beiden Händen besitzt, was mich dann doch beruhigt, denn immerhin schlafen wir ja jetzt gleich ein paar Tage lang unter einem Dach. Die Kleinststadt hat übrigens zurzeit einen Bürgermeister der LINKEN. Ich mag diese Kleinststadt in ihrer unberechenbaren Vielfalt.

30.05.17 Rücktritt

Der Ministerpräsident von MV, Erwin Sellering (SPD) gab heute morgen seinen Rücktritt bekannt, wegen einer "Krebserkrankung, die nun massiv behandelt werden muss", wie er erklärte. Als Nachfolgerin schlug er die amtierende Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) vor, u.a. weil ja auch ihre Familie in Mecklenburg sei. Aha. Die Reaktionen im Netz waren divers, wie immer. Die offiziellen Medien (z.B. die Tagesschau) sprachen vom allseits beliebten Ministerpräsidenten. Die privaten Kommentare auf diversen Seiten schrieben etwa  "Gute Besserung dem Sellering, viel Erfolg der Schwesig etc." (ca. 15%) über "egal, wer da oben regiert, das platte Land verliert etc." (15%), aber überwiegend standen da Sätze wie: "Soll er schnell sterben, dann bekommt nur noch die Familie diese überhohe Pension - endlich weg - die Neue kommt eigentlich aus Brandenburg und ausser Schwerin kennt sie ja wohl gar nichts im Land -  was diese Behandlung kostet können sich in MV nur 5% leisten, der Rest stirbt einfach so  etc." (70%). So ist also die Stimmung an der Basis, liebe SPD. Und natürlich ärgerlich seit ein paar Jahren sind diese Staatsmedien. Hätte ich nur Tagesschau.de gelesen, so würde ich denken, dass er "allseits beliebt" war. So wie ich mal einen halben Tag lang dachte, da kämen jetzt "dringend benötigte Ärzte aus Syrien nach Deutschland (Tagesschau 2015)". Klar, dass man wütend wird und misstrauisch und...Das Foto oben kommt übrigens nicht von der SPD. Steht auf einem Altkleidercontainer in Putbus (Rügen) geschrieben.

27.05.17b Der Stall

In der sicheren Annahme nun, dass dieser Stall also leer sei und, Lothar Bisky zitierend, den "Charme des Verfalls" klar und deutlich vermitteln könnte, entscheide ich (nach 27 Jahren Zusammenleben mit Kindern jeden Alters und somit inzwischen diktatorisch in Erziehungsfragen), dass meine jugendliche Begleitung und ich da jetzt mal reingehen werden. Die jugendliche Begleitung ist i. d. R. sehr besonnen (ist ja bis dato auch komplett im Osten aufgewachsen) und wirft also erstmal vorsichtig einen Blick durch den aufgezogenen, schmalen Spalt des rostig beschlagenen Tors. Dann kommt sie auf mich zu, strahlend, aber irgendwo auch entsetzt und sagt: "Kühe!" Zwei große Kühe und viele Kälber tummeln sich da drin im Kühlen in einer sehr besonderen Art von Kuhstall. Unglaublich - diesmal auch / sogar für mich.   

27.05.17a Der Stall

Allen integrationsfreudigen Menschen und Politikern würde ich raten, in neuen Gefilden nur noch bei ebay-kleinanzeigen einzukaufen! Einerseits kommt man dadurch rum und andererseits findet man das Gespräch zu den Menschen vor Ort, denn die wollen einem ja was verkaufen. Heute nun ging es nach Seeberg, da ein fürsorgender Mann für mich über ebay Sommerreifen für mein ebenfalls vor einigen Wochen über ebay gebraucht erstandenes Auto ausgesucht hatte. Im Rahmen diverser Einkaufstouren war ich nun bereits 6x an diesem verlassenen Stall vorbei gefahren, hatte aber nie Zeit gehabt, mal durch die zerschmissenen Fenster reinzusehen. Hier wimmelt es ja von verlassen Ställen dieser Art, deren Zustand im südlichen Deutschland die totale Unglaubwürdigkeit auslöst. Glaubt mir einfach keiner. Bauland ist dort (unbezahlbar) teuer und Hotels brummen überall. Solch kunstvollen Luxus verfallener Gebäude leistet man sich halt eben (notgedrungen) nur noch in Nordwestmecklenburg - und irgendwo ist das auch einfach toll.

25.05.17

Anlässlich einer (sensationell guten und berührenden) Ballettgala wage ich es, mich am Herrentag ins Auto zu setzen und nach Putbus (Mecklenburgisches Staatstheater) auf Rügen zu fahren. Prora auf Rügen ist ja schon sehenswert - und Putbus ist es auch. Aber weil man alles architektonische ja eh woanders im Internet begutachten kann, habe ich während meiner nervösen Wartezeit vor der Ballettgala ausnahmsweise mal (auch) Menschen fotografiert. Diese beiden Putbuser haben sich ausführlich und lange über das alte Haus gegenüber, das von Bäumen und Büschen zugewachsen ist, unterhalten. Und weil ich mit einem Bier auf dem Gehsteig saß, durfte ich zuhören. Im Jahr 1860 war es das Kräutergartenhaus der Apotheke, im ersten Weltkrieg war es Polizeistation, zwischen den Kriegen war es leer, im zweiten Weltkrieg war es Polizeistation, nach dem Krieg war es wieder Gartenhaus, aber diesmal mit Hühnerstall. Nach dem zweiten Weltkrieg war es wieder leer und "unter Erich", wie der Mann sagte, war es "das Blockwarthaus". OK - die Details dieses Begriffs werde ich noch erfragen! Dann war es besetzt von Wende-Nazis (ein Plakat klebt immer noch dran, betitelt mit "Nationaler Sozialismus Vorpommern") und als dann "die-Jungens-rausgeschoben-wurden-unsre-Jungens, is-es-völlig-verfallen-zerstört", sagte der Mann. Rügen, die größte Insel Deutschlands - da ist doch Merkels Wahlkreis. Sollte sie sich mal ansehen, ihren Wahlkreis und das Haus, bevor sie wieder die ganze Welt vor dem Klimakollaps zu retten versucht, was sie ja eh nicht hinbekommen wird.

22.05.17

Na? Ein schönes und recht aussagekräftiges Foto (nicht von mir gemacht - aber so gut, dass ich es hier allen zeigen möchte). Ist ja so 'ne Sache mit Künstlern aus dem Westen für die ab 50+ Generation. Roland Kaiser kommt öfters mal nach Rostock und: Udo Lindenberg kam nach Schwerin. KEINE PANIK ist ein wirklich gutes Lebensmotto! Keine Panik wegen Donald Trump, keine Panik wegen Köln (? oder doch ein bischen Panik ?), keine Panik wegen Martin Schulz, keine Panik wegen blöden Nachbarn, keine Panik wegen leeren Konten, keine Panik wegen chaotischen Kindern, keine Panik wegen Lindenblütenstaub auf dem Auto, keine Panik wegen ... da kann jetzt jeder selbst weiterdenken. Viel Gelassenheit allen Lesern und viele Grüße an Udo.

17.05.17

Jetzt ist es wieder soweit, es beginnt die Rasentraktorzeit.

Rasentraktorfahren ist toll und Rasentraktorfahren ist ansteckend. Ein Virus, der sich mit wachsendem Rasen und trockenem Wetter von Garten zu Garten und von Grünstreifen zu Grünstreifen über Schallwellen verbreitet. Mäht einer, so mähen innerhalb kürzester Zeit, ja, alle. Sitzt man aber als schrullige Ausnahme am Schreibtisch, statt auf dem Rasentraktor, dann beginnt man irgendwann von der gemütlichen Tonlage des großstädtischen Auto-, Flug- und Straßenbahnverkehrs zu träumen. Tritt man dann aber irgendwann barfuß in die frisch gemähte Wiese sobald man auch die singenden Vögel wieder hört, so fühlen sich diese frisch geschnittenen Grashalme einfach nur  kühl, feucht, weich und unwiderstehlich sinnlich an. In Juli Zehs Roman Unterleuten spielen Rasentraktoren übrigens eine gewichtige Rolle - v. a. der eines Künstlers. Und man merkt, dass die Frau kompetent kennt, worüber sie schreibt! Überhaupt sind Rasentraktoren und die kleinere Variante, der Rasenmäher, ja ein Dauerthema. Mein Großvater bekam vor über 40 Jahren im ländlichen (und sehr armen) Niederbayern von seinem Sohn, einem theorieverquälten Griechisch- und Lateinlehrer, mal einen Rasenmäher geschenkt, also zur Arbeitserleichterung - nicht zum Lärm machen. Und mein Großvater fluchte, denn er liebte das Mähen seiner Blumenwiese im Morgengrauen mit der Sense. Jeden Frosch, dem er versehentlich einen Schenkel (oder gar sofort den Kopf) absenste, zeigte er mir voller Bedauern, bevor er ihn mit der Bemerkung "Für den Fuchs" in den Graben warf. Man stelle sich nun aber mal vor, wie viele Tiere seit dem Aufkommen von Rasenmähern und Rasentraktoren nun völlig unbemerkt in den Gärten zerhäkselt werden, so wie die Rehkitze demnächst wieder bei der Raps- und Weizenernte in den Mähdreschern ihren Tod finden. Alle reden immer vom Klimawandel, wenn es um das Aussterben der Amphibien geht. Ich behaupte, hier in Nordwestmecklenburg würde statistisch mit einer simplen, negativen Korrelation nachgewiesen werden können, dass seit Zunahme der Rasentraktoren die Anzahl von Amphibien stetig abnimmt. Aussterben hat nämlich nicht immer nur mit Wetter, sondern oftmals viel mehr mit anthropogenen Affinitäten zu tun.

13.05.17

Dies Schild ist neu und es regt mich so auf! 

Bislang bestand es nur aus der Eule und dem sinnfreien Wort "Naturschutzgebiet". Interessant, aber nicht weiter von Bedeutung. Vor vier Wochen wurde es neu lackiert und darunter nun zusätzlich das kleine Schild "Betreten verboten!" angebracht. "Betreten" impliziert ja ein "zu Fuß" gehen. Ich gehe seit 1.5 ++ Jahren hier zu Fuß durch die Gegend. In dieser Zeit habe ich 6x jemanden zu Fuß getroffen. Jede Begegnung war so überraschend in dieser Einsamkeit, dass ich sie locker aufzählen kann: 1x eine Frau mit Treckingstöcken und weißen Schäferhund, 1x eine Kleinfamilie auf Rädern, die durch die Wiese holperte, 1x eine Kleingruppe älterer Herren mit Ferngläsern und dicken Teleobjektiven, 1x eine Frau mit einem Dackelwelpen, die in der Sommerhitze unter einem Busch saß, 1x eine Frau, die einen Reitweg auskundschaftete und von mir erfuhr, dass es keinen gibt und 1x den Nachbarn mit Freundin und neuem Jagdhund. Das war's - zu Fuß. Zusammengefasst also: sechs Begegnungen mit Menschen in ca. 18 Monaten! Sonst habe ich hier nur motorisierte Männer getroffen: ca. 10x Traktoren, welche die nun nicht mehr zu betretene Wiese abmähten (man denke an die Bodenbrüter, Feldhasen und Rehkitze), das Gras wendeten und dann das Heu abtransportierten, 3x Jugendliche aus dem Nachbardorf in Schrottautos, die nachts den Feldweg hin- und her holperten, 3x einen Lada Niva Geländewagen (oder so), wobei der Fahrer einmal zum Zigaretten holen (Marlboro) abgekürzt hatte und dann noch 4x den Fischer in seinem SUV, der damit bis an den Steg zu seinem Boot gefahren ist. Das war's. So. Und jetzt: Kein Kindergartenkind, kein Grundschulkind, kein Gymnasiast, kein die Stille und den Vogelgesang suchender Mensch, kein Trauernder, kein Glücklicher, kein Gelangweilter, kein Verliebter....niemand niemand niemand darf jemals mehr zu Fuß in dieses Gebiet gehen um mal seine Ruhe vor der Welt da draußen zu haben. Das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Außenherum ehemalige LPG-Felder (dort darf man offenbar nach wie vor unbehelligt durch die überdüngten Rüben wandern) und nach hier drin, wo die Artenvielfalt brummt (meine Liste zählt bereits > 50 Vogelarten, von den Insekten ganz zu schweigen), da dürfen Menschen jetzt offiziell nicht mehr rein. Und warum nicht? Damit die Tiere und Pflanzen und Pilze (= "die Natur") unter sich sein können?! Aha. Als würde ein Mensch, der zu Fuß geht, irgendwas anhaltend verändern, bewirken oder zerstören. Wie soll man denn lieben oder gar schützen lernen, was man sich nicht mal ansehen darf? Ein Behördenmensch entscheidet: "Dort ist's schützenswert!" Und als logische Folge darf dann kein anderer Mensch, nur noch der Behördenmensch selbst, das vermeintlich "Schützenswerte" ansehen, fühlen, riechen, spüren usw...

Das Schild ist neu und es regt mich so auf, weil es so DUMM ist. Und Dummheit muss man einfach ignorieren, sag' ich meinen Kindern immer. Auf auf Kinder, besuchen wir die Eulen in den deutschen Naturschutzgebieten!

09.05.17

Provinzgraffity. Ist man viel in Berlin, dann kennt man sich automatisch aus, mit global anerkannten Graffities. Man findet sie RIESENgroß an Häusermauern, vor denen bis vor kurzem noch Brachen waren, auf welchen Sofas standen und Männer mit langen Bärten und Bierflaschen cool in der Sonne saßen. Diese Graffities aus Berlin kann man in Büchern und auf kleinen Leinwänden abgedruckt nun von Tokio bis Buenos Aires erstehen und sich, zum Beispiel, zuhause im Flur vor der Toilette aufhängen. Mit den Provinzgraffities der Mecklenburger Provinz verhält es sich völlig anders. Keiner kennt sie, keiner fotografiert sie, keiner verkauft sie. Sie sind irgendwie für niemanden interessant. Ich finde sie aber schön. Die Farben sind spontan, die Symbole sind geheimnisvoll (OBK?) und vor allem befinden sie sich ja in bombastischen, sich permanent verändernden Landschaften. Das kann keine Großstadt bieten! Hier nun: Kunst am Bahnübergang vor dem Feld. Irgendwann blüht der Raps, irgendwann liegt da Schnee, irgendwann ist der Acker unbestellt und dunkelbraun und Der Himmel über Mecklenburg ist in seiner Vielfalt sowieso unbeschreiblich.

06.05.17

Während an der Küste nun so langsam die Hornhechte zum geangelt werden eintreffen sollten (die Heringe sind "durch", also durchgezogen, und kommen erst im Oktober wieder) bemerke ich zufällig, dass es quasi nebenan eine der größten Schweinezuchtanlagen Mecklenburgs gibt. Die war 2014 schon mal im TV (...), aber danach wurde alles besser! Gut Losten hat derzeit 65 Mitarbeiter, keine freien Stellen  -  und macht in Schweinezucht, Schweinemast und Schweinehandel. Nach dem TV-Beitrag wurden 9 Mio € in diverse Verbesserungen investiert. Aufgezogen werden hier pro Jahr ca. 60.000 Ferkel. Die Mitarbeiter wurden nach 2014 geschult, kranke Ferkel nun "tierschutzgerecht" in zwei Schritten zu töten. Erst mit einem Schlag des Kopfes auf eine Platte (betäuben) und dann mit Herzstich final töten (ausbluten). So  bringt man übrigens nach den Richtlinien des Deutschen Anglerverbandes auch Karpfen (oder Hornhechte, etc.) um: erst Knüppel auf den Kopf, dann Herzstich. Ich kann inzwischen recht gut Karpfen schlachten (und danach essen) - aber Ferkel, das wäre einfach unmöglich. Und irgendwie zieht mich diese Anlage nun magisch an - nur zwei kleine Ferkel daraus retten und im Hühnerhaus + Garten halten, das wär's doch.

04.05.17

Es ist nun Mai und immer noch zu kalt, finde ich. Wir fahren über Land durch gelbblühende Rapsfelder bei 9°C und landen in der Klosteranlage Tempzin. Eigentlich heißt es jetzt Pilger-Kloster-Tempzin. Kaum bei der Klosteranlage angekommen, gibt es sofort viel zu sehen. Ein echter Turmfalke (oder Bussard??) sitzt im Glockenturm der Klosterkirche ganz ganz weit oben. Nebenan steht das ursprüngliche Hospital der Antoniter als Teil der Anlage nun ohne Dach da, aber die Mauern sind erhalten. Die Klosterkirche selbst wurde im 13. Jhd. genau an diesem Ort gebaut, weil hier eine heilende Quelle war. Von der ist aber nichts mehr zu sehen. Dafür ist auf dem Friedhof u. a. ein riesiges Grab für nur ein Ehepaar. Irgendwie vermessen von den beiden, aber gut. Die Informationstafeln an der Klosterkirche und jene im Internet zur Historie des Klosters unterscheiden sich in beträchtlichem Maße. An der Kirche etwa steht: 1419-1449 Veruntreuung und Mißwirtschaft. Auf der aktuellen Homepage (des Vereins) steht davon nichts, obwohl das doch eigentlich interessant wäre. Auch interessant ist, dass sich die evangelische Gemeinde Bad Aibling an prominenter Stelle des Ortes, nämlich am Pilgertor, eingekauft hat. Mir wäre das gar nicht aufgefallen, aber meine männliche Begleitung aus dem Osten ist verständlicherweise ziemlich sensibel für bayerische Übergriffe in Mecklenburg! Auf dem Foto also der Nachweis für alle. Bad Aibling, puh.

30.04.17

Neues zu Nandus: Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern hat nun den Landwirten erlaubt, die Eier der Nandus anzubohren. Das geht theoretisch einfach, weil Nandus ja wie Lerchen einfach so auf dem Boden brüten und nicht z.B wie Seeadler 500 kg schwere Nester in 20 m hohen Horsten haben. D.h. die Landwirte sollten jetzt einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Arbeitszeit mit der Suche nach Nandu-Nestern auf ihren Raps-, Rüben-, Weizen- und Maisfeldern verbringen?! Vor allem im Mais könnte man ja mal Nandu-Nester-Such-Drohnen einsetzen (aber auf mich hört ja keiner). Findet man ein Gelege, so vertreibt der Landwirt dann zunächst mal den Brutvogel, bzw. das Brutpaar (= 50 kg Vogel). Bohrt man dann die Eier an, so sterben die Embryonen in den Eiern, aber die erwachsenen Nandus brüten nachher weiter. Würde man ihnen die Eier wegnehmen und z.B. als Delikatesse an Hamburger Feinschmeckerlokale verkaufen (oder einfach selbst essen), dann würden die Nandus sich erneut paaren, Eier legen und wieder brüten und dann eben doch mehr werden...oder...und...aber abschießen darf man die erwachsenen Tiere, so wie auch die Wölfe, jedenfalls nicht. 

28.04.17

Beim Besuch einer weiteren Trödelhalle auf dem platten Land, diesmal in Gadebusch, gab es einen Aktenschrank, der komplett mit historischen Postkarten gefüllt war. Einige davon waren auch beschrieben und hatten tolle Briefmarken aus der DDR. Die rechts zu sehende Karte mit Motiven aus Rostock (Hafen, Interhotel Warnow, Hauptbahnhof, Rathaus) kostete damals M -,25 (25 Pfennige). Alle sechs von mir gekauften Postkarten dieser Sorte kosteten 3,- Euro. Keine Ahnung, wie man DDR-Mark in EURO umrechnet, aber es fühlt sich nach einer lukrativen Wertsteigerung an.

26.04.17

Bald ist ja wieder der 1. Mai. Das Plakat hängt in Schloss Wiligrad im Eingangsbereich. Da steht: Recht auf Arbeit Recht auf Kultur! 1. Mai 1978.

Zu jener Zeit vor 40 Jahren war im Schloss die Polizei untergebracht.

Meine DDR-historisch geübte Begleitung (kein Polizist, damals Handwerk) sagt: "Den Spruch noch nie gehört!"

Irgendwie ist er auch blöd, der 2. Teil vor allem. Viel zu kompliziert.

Man könnte ja auch mal einfordern:

- Recht auf Arbeit, Recht auf Schnaps.

- Recht auf Arbeit, Recht auf Sex.

- Recht auf Arbeit, Recht auf Fußball.

- Recht auf Arbeit, Recht auf Haushälterin.

- Recht auf Arbeit, Recht auf Kleingarten.

- Recht auf Arbeit, Recht auf Wellnessmassage.

...oder so.

 

 

22.04.17c

Qualitz. Hier geht's um Fleisch. Modern und international. Nur ein paar Kilometer von Bützow entfernt gibt es Dorperschafe. Dorperschafe kommen ursprünglich aus Südfrika und sind eine Kreuzung zweier Schafsrassen, deren Ergebnis jetzt eben in Mecklenburgs grünen Weiden rumliegt. Sieht man genau hin, so erkennt man schwarze Tüpfelchen im Fell einiger der Mutterschafe. Sehr hübsch ... wie Dalmatiner.

So entspannt wie die Mutterschafe mit ihren Lämmern hier gerade im Grünen liegen, so entspannt kommt einem auch der ganze Qualitzer Ökobetrieb hier vor. Mecklenburg ist einfach sehr vielfältig, in allem.

22.04.17b

Diese Farben! Mintgrün finde ich sowieso toll, aber zwei Nuancen von verwitterndem Mintgrün so nah beieinander sind einmalig. Ist vor, hinter und neben diesen Wellblechzäunen zu finden. Diese beiden Töne von Mintgrün kann man weder kaufen noch selbst herstellen. Irgendwann vor langer Zeit wurden sie wohl mal von einem praktischen Künstler aufgemalt und dann haben die Sonne, der Wind, die Wolken, der Schnee, der Regen und die Graupelschauer künstlerisch ein Meisterwerk gestaltet. Mein Großvater war Maler, in Niederbayern -  und ich bin dadurch dort in den 70er Jahren unter Farben im Freien aufgewachsen. Aber so schöne Farben wie hier findet man wegen der regelmäßgen Erneuerungsbedürfnisse dort einfach nicht mehr. Ein Hoch auf Bützows Schrebergärten und deren Vergangenheit!

22.04.17a

Bekanntlich arbeitet man als Selbständiger ja 24/7. Wir verbinden also einen Wochenendausflug mit der Besichtigung von Dachrinnen, Fallrohren und diversen Kleinteilen von Rinnensystemen, deren Bezeichnungen ich mir nicht mal annähernd merken kann. Das vielleicht zu erwerbende Baumaterial befindet sich in einer Schrebergartenanlage in Bützow, der Inselstadt an der Warnow. Schafft man es denn hinter einen dieser Wellblechzäune der etwas eigensinnig gestalteten Schrebergartenalange, so macht man eine Zeitreise zurück in ein so gar nicht ausgestorbenes Land!! Bei den Verhandlungen über den Europreis der Rinnen usw. beharrte der Verkäufer auf dem Begriff "Mark" für die Währung. Ausserdem vertraute er meinem Taschenrechner auf dem Handy nicht, einfach so gar nicht, und wollte schon Bleistift und Papier holen, da er in der Schule, "Plus-, Minus-, Prozent- und Promille-Rechnen" gelernt hätte und eben dies auf Papier auch noch immer sicher beherrschen würde. Es kam dann leider zu keiner Einigung, so dass wir zwar mit leerem Hänger aber vielen Gedanken (ich zumindest) zurück fuhren, auf die andere Seite des großen Sees, durch eine berauschende Frühlingslandschaft.         

20.04.17

Man rechnet nicht unbedingt damit, dass fußläufig zu einem Schloss, welches sich auch auf die Ausrichtung von Hochzeiten spezialisiert hat, ein Bestattungswald zu finden ist. Am Fuße großer und kleiner Bäume werden Verstorbene in "biologisch abbaubaren" Urnen beerdigt. Asche zu Asche - dieser Gedanke ist ja nicht neu. An den Bäumen werden dann die Namen der Verstorbenen auf kleine, silberne Schilder graviert. Es gibt also Bäume, kein Unterholz, aber dazwischen Bänke, von denen aus man sehr gut auf den großen See blicken kann. Meine bayerische Großmutter riet mir als Kind (unter 10 Jahren) bei fast jedem Besuch auf dem Dorffriedhof: "Wenn du mal die Ehre haben solltest, für jemanden einen Grabbplatz auszuwählen, dann nimm' ja ein Eckgrab, denn dann hast du bloß mehr einen Nachbarn".  Dieses Kriterium wäre mit einem Baum mal sicherlich erfüllt. Und zusätzlich lassen sich in Bestattungswäldern ja auch noch die sozialen Machtverhältnisse zwischen der alt-eingesessenen und neu-angekommenen Bevölkerung nicht so gut darstellen wie auf traditionellen Friedhöfen. Wäre also eigentlich auch was für Berlin(er).  

19.04.17

11:00 morgens und Schneeflocken knallen an die Autoscheiben. Am Nachmittag dann Sonne, kalter Wind und ich hänge Meisenknödel an den blühenden Forsythienbusch im Garten. 

 

Um nicht ganz am Wetter zu verzweifeln, hier mal etwas deutsche Bildung zum diesjährigen Frühlingswetter (...):

Aus Faust I (1808); Faust sagt zu Wagner:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick / Im Tale grünet Hoffnungsglück / Der alte Winter, in seiner Schwäche / Zog sich in rauhe Berge zurück (...).

Dieser Frühlingsmonolog des Dr. Faust endet dann irgendwann mit: (...) Hier bin ich Mensch hier darf ich's sein.

Hm. Goethe. Würde mich nicht unbedingt über's ganze Jahr hinweg begleiten.

 

Noch 11 Tage, dann ist Mai. In den Monaten ohne "R" darf man in freien Gewässern baden und keine Muscheln mehr essen. Hat beides auch was mit dem Menschsein zu tun.

18.04.17

Mitte April, Ostern ist vorbei und es ist eisekalt. Bei gemessenen 4°C plus Wind fühlt es sich an wie -10°C, in etwa. Heute konnte kein Fischerboot aufs Meer fahren, der hohen Wellen halber, die Heringe sind aber sowieso schon fast durchgezogen, erfährt man im Fischladen, der auch wirklich Fischladen heißt, an der Nordspitze der Insel Poel. Wir kaufen dann noch einen Dorsch mit Kopf. 1kg kostet 4.50€ und der ganze Dorsch wiegt genau 1kg. Links auf dem Foto sieht man ein Segelschiff, das einzige sichtbare Schiff heute auf See weit und breit. Es schlingert wirklich hin- und her wie die berühmte Nussschale. Ich bin nicht so richtig seetauglich und überlege, ob ich dort draussen eher erfrieren oder eher wegen Übelkeit ins Wasser fallen würde. Rechts sieht man aber noch eine sehr reizvolle Boje. Diese sollte im Sommer doch mal angeschwommen werden können, an einem heißen, wellenfreien Sommertag. Ich freu' mich drauf!

16.04.17

Ostersonntag.

An Ostern kommt das Licht zurück. Und diese Osterglocke, die an einem mecklenburgischen Feldrand aus einer Trockenmauer heraus wächst, wird sicher bald von einer dicken Hummel bestäubt werden.

Frohe Ostern an alle Leser!

14.04.17

Dieses Bushäuschen (ohne Scheiben mit direktem Blick in die Felder und entsprechendem Durchzug) ist oft besetzt mit Wartenden. Manche sitzen nur zusammengekuschelt auf den Stühlen, manche warten einfach und schauen vor sich hin, manche lesen im Handy, manche spielen mit dem Handy, manche rauchen, manche reden. Sich miteinander streiten habe ich hier noch niemanden gesehen, aber viele küssten sich dort unterm Dach im Wind. Heute ist es verlassen. Karfreitag.

13.04.17

Gründonnerstag. Altarraum aus der Dorfkirche Hohenkirchen mit dem Ölbild "Letztes Abendmahl".

11.04.17

Die lokalen Zeitungen berichten in quasi einem Atemzug darüber, dass es in Mecklenburg-Vorpommern nun zu viele wildlebende Nandus (größte Population Europas) und zu viele Wölfe geben würde. Statt nur durch die südamerikanische Pampa (Grasland mit hohem Gras) zu laufen, rennen kleine Trüppchen von Nandus nun auch verstärkt über Mecklenburgs Rübenfelder.

Von den Nandus habe ich kürzlich total nebenbei schon gehört, weil eine Nachbarin sechs davon bei ihrem morgendlichen Spaziergang durchs Dorf auf dem Feld direkt am Dorf gesehen hat. Ich habe meine perplexe Überraschung nicht zugegeben! Man hätte mir auch erzählen können, dass ein Ufo gelandet sei. Nandus? Hier?? Wo wohne ich nochmal???

Jedenfalls sind einige Nandus ja vor ca. 25 Jahren aus einer Post-Wende-Nandu-Farm ausgebrochen und haben sich inzwischen so stark vermehrt, dass sie auf den Feldern und in den Wäldern Schäden anrichten würden. Die Wölfe sind ja aus dem Osten eingewandert und greifen natürlich auch Schafe an. Bauern und Schäfer finden, dass es mehr Ausgleichszahlungen geben sollte und gleichzeitig, dass beide Populationen gezielt dezimiert werden sollten. Ich finde, es sollte nur mehr Schadensausgleichszahlungen geben (statt diese teuren Dienstwägen für die lokalen Politiker) und ausserdem Schutzzäune und Esel, um die Schafe vor den Wölfen zu schützen. Dann würden die Wölfe sich nach und nach an das Jagen der wildlebenden Nandus als neue Futterquelle adaptieren indem sie auf längere Beine und Kurzsprintfähigkeit hin selektiert würden. That's it.  

07.04.17b

Die Dorfkirche Hohenkirchen ist im vorderen Teil neu mit vielen Holzstühlen bestückt und im hinteren Teil sind noch die alten Kirchenbänke, die wohl die sozial-politischen Verhältnisse in der Gemeinde widerspiegeln / oder widerspiegelten. Die Bewohner des Dorfes Hohenkirchen selbst durften / dürfen? in den Bänken Nr. 26 und 27 Platz nehmen. In den alt-bayerischen Kirchen sitzen / saßen gerne mal die Gechlechter durch den Mittelgang getrennt voneinander (also eher eine sinnlich-biologische Ordnung). Dass die Dörfer getrennt wurden / werden, finde ich schon irgendwo exotisch. Aber gut - beide Formen der Sortierung der Kirchgänger dienen / dienten wohl einfach nur der Bewahrung des kirchlichen Friedens;-)

07.04.17a

Die evangelische Dorfkirche Hohenkirchen in Hohenkirchen liegt auf einer Anhöhe, von der aus man sogar die Ostsee sehen kann. Sie wurde 1260 erstmals urkundlich erwähnt und somit etwas früher erbaut. Ich finde es sehr besonders, dass neben dem "normalen Altarkreuz" ein fast lebensgroßes weiteres Kreuz hängt. Ein sogenanntes "Triumphkreuz" aus dem Mittelalter. Triumphkreuze verweisen auf den "Triumph über den Tod" (mittels Auferstehung). Es stammt aus dem 13. Jahrhundert (also lange bevor Luther...) und: es ist bunt! Man fühlt sich gut, vor bunten Holzkreuzen. Leider sind sie so selten.

06.04.17b

Und hinter Schloss Plüschow im Schlossgarten steht bekletterbare Kunst aus Stein. Ein "R", ein "H" und dazwischen ein zerteilter Buchstabe, vielleicht früher mal ein "E". Die weiteren ca. zehn Fotodokumente dieser kurzen Bewegungskunstaktion meinerseits bleiben jedoch besser allen Lesern erspart.

06.04.17a

Mal so zwischendurch einfach etwas Zeit haben ist etwas sehr sehr Gutes. Wir fahren über das in der Frühlingssonne liegende Land und sind eigentlich auf der Suche nach einem preisgünstigen Pferdestall für ein altes Pferd. Wir finden dann (schon wieder) ein Schloss. Etwa 200 m vor Schloss Plüschow aber verfällt dieses Haus. Und ich verspürte gar kein Bedürfnis mehr, auch noch ein Foto von der eigentlichen Schlossfassade zu machen. Aber innen drin scheint viel los zu sein, im Schloss Plüschow Mecklenburgisches Künstlerhaus (plueschow.de).

05.04.17

Kopfweidenallee im Klützer Winkel nahe Schloss Bothmer (schloss-bothmer.de). Der Himmel ist auch unglaublich, aber sehr normal für diese Region am Meer. Unglaublich eben.

04.04.17

Jetzt wird es wirklich richtig Frühling. Obwohl es im Wind am Moorsee noch sehr kalt ist, kann man es in der Sonne nun gut aushalten. Und mit noch fehlendem Blattwerk an den Büschen und Bäumen sieht (und riecht) man um diese Jahreszeit auch die Wildschweintunnel inklusive deren Eingangs- und Ausgangsspuren. Auch deshalb sollte man (oder zumindest ich) Hunde nun besser angeleint lassen.

03.04.17

Schwerin: Um die Mittagszeit eine große Überraschung, die mich wieder aufweckt. Die Allgemeine Fernsprech- und Datenanlagen Deutschland GmbH (www.afd-deutschland.de) aus Hamburg steht vor mir im Stau auf dem Obotritenring.

02.04.17

Moltenow: Der sogenannte Nahbus ist für die Gegend extrem gut angebunden. Er fährt zwischn 5:59 und 16:16 gleich 6x täglich, 2x sogar bis nach Lübstorf. Ausserdem gibt es drei orangefarbene Sitzschalen in diesem sehr durchsichtigen Bushäuschen. Diese Modelle von Sitzschalen habe ich zuletzt ca. 1975 in Niederbayern gesehen. Und die Zahl "Drei Wartende" ist selbstredend einfach ungünstig für Bushäuschen - und überhaupt: im Sozialleben des modernen Menschen hat "Drei" ein schlechtes Karma. Da hätten auch vier Sitzschalen reingepasst! Oder einfach nur zwei plus Sichtschutz auf allen drei Seiten.

 

31.03.17

Die Landtagspräsidentin Frau Sylvia Bretschneider (SPD) hat kürzlich einen 2ten Audi A8 geleast, weil ein zweiter Dienstwagen billiger sei, als "weitere Personalkosten". Sie (SPD-Mitglied) hat also einem Angestellten des Landtags den Job entzogen, bzw. einen neuen Job verhindert. Gibt hier ja eh zu viele freie Stellen (....?!). Gleichzeitig hat sie damit offensichtlich ihre männlichen Kollegen im Schweriner Schloss provoziert. Der Verwaltungschef des Schlosses, Herr Armin Tebben, hat nun auch gleich einen neuen Dienstwagen bekommen: einen Audi Q7 mit 373 PS für 81.000€. Das ist ein dicker Geländewagen! Wenn sich Herr T. denn mal aus seinem Schloss herauswagen sollte, um zum Beispiel an einem sonnigen Sonntag seine Gattin (oder die Geliebte) über Land zu fahren, dann könnte er mit  diesem Auto auch über die vielen alten Misthaufen und deren vor sich hin faulenden Strohballenumrandungen fahren, die sich gelegentlich an den zubetonierten Feldrändern befinden. Anders kommt man da nun wirklich nicht drüber.

29.03.17

Vor der Kaufhalle der kleinen Stadt treffe ich eine Frau wieder, die ich vor einigen Wochen hier an der Kasse kennengelernt hatte. Sie kommt aus dem Süden Deutschlands und ist mit ihrer an Depressionen und mehr erkrankten 55-jährigen Tochter im Januar hierher gezogen. Der Süden war ihr zu teuer geworden. Das (private) Geld für die gelegentliche stundenweise Betreuung der Tochter (dort: 20.00€ hier: 10.00€ plus 1€ Trinkgeld), die Miete, die anderen Lebenserhaltungskosten, die wenige Rente. Und überhaupt sei es dort schwierig, wenn man nicht in Arbeit sei, sagt sie mir, etwas verbittert, als Rentnerin. Sie meint, hier sei diese Sorte von Druck einfacher zu leben. Wir stehen bei den Einkaufswägen und heute befinden sich noch drei Männergrüppchen auf dem Parkplatz und das übliche Frauengrüppchen mit den bunten Kinderwägen am Tisch der Bäckerei. Eine Gruppe von sechs Männern steht in orangefarbener Arbeitskleidung an einem Stehtisch im Freien und frühstückt mit Wurstbroten und Bier. Auf ihren Rücken steht in großen grünen Lettern gedruckt "bug", was ich ziemlich lustig finde. Sie bemerken das und sehen mich unzweideutig an und ich erschrecke und flüchte schnell der Frau hinterher in die Kaufhalle. Wir treffen uns bei den Gefriertruhen und ich sage: "Die Männer sind heute aber drauf!". Sie lacht und sagt: "Freuen Sie sich doch, ich werde vom anderen Geschlecht schon seit Jahren für Luft gehalten".  In der Gefriertruhe finden sich an Besonderheiten diesmal zwei Kisten mit je 30 Austern zu 14.99€ und "Mufflongulasch aus Spanischen Wäldern" zu 11.49€. Ich kann mich nicht erinnern, überhaupt schon mal gefrorene Austern gesehen zu haben. Und wie ein Mufflon genau aussieht, weiß ich spontan auch nicht. Wir werden besser wieder Heringe essen.

28.03.17

Kunst im Frühlingswald. Oder Philosophie. Oder Religion. Oder Mathematik. Oder...

Für mich war der 28.3.16 ein besonderer Tag. Und dieses Bild aus dem mecklenburger Frühlingswald passt vielleicht zu diesem Jahrestag heute. Die Lebenswege zweier Menschen laufen nebeneinander. Das finde ich echter, als "einen gemeinsamen Weg gehen". Immer parallel sein, immer in Nähe, aber mit ein klein wenig Abstand voreinander. Ausserdem kann man sich über dem bemoosten Mittelstreifen bei Bedarf ja an den Händen nehmen. Und gelegentlich kann Einer den Anderen in seine Spur ziehen oder man hüpft selbst mal rüber, in die Spur des Anderen.

Nun aber sehen die beiden Menschen das Hindernis und auch, dass ihre Lebenswege auch nach dem Hindernis weitergehen werden. Die entscheidende Frage ist: Wie kommen sie gemeinsam an diesem Hindernis vorbei, ohne sich zu verlieren? Zusammen unten durch, zusammen oben drüber, der Eine zieht den Anderen zu sich und sie gehen zusammen links in den Wald und dran vorbei, oder umgekehrt, sie gehen rechts in den Wald und dran vorbei? Oder sie kommen zum Stillstand und warten darauf, dass die Schranke sich von alleine öffnet. Oder sie suchen den Schlüssel für die Schranke. Oder sie treten gemeinsam gegen das mittige Schild der Schranke, damit sie zerbricht. Oder nur der gerade Stärkere zertritt...oder...

Sicher jedenfalls ist: wenn dieses Hindernis überwunden ist, wie auch immer, dann gehen die beiden parallel laufenden Lebenswege weiter - und das fühlt sich doch alles gut an!

27.03.17

In Cramonshagen mitten auf dem platten Land gibt es eine sehr ausführlich bestückte Trödelhalle, in der vorwiegend Trödel aus Haushaltsauflösungen der Umgebung verkauft wird. Eine Welt für sich. Bei der Suche in einer Kiste nach alten Bilderrahmen hat sich mir plötzlich neben unzählig vielen anderen Sprüchen genau dieser Spruch ins Gehirn gebrannt. Ich habe den Rahmen mit Schrift (3.00€) nicht erstanden, aber ich werde die Worte auch so nicht mehr los. Sie sind ja je nach persönlicher Lebenslage wohl superschön oder superschrecklich. Vielleicht hilft bloggen statt Psychiater;-)

26.03.17

Am Ende der großen ehemaligen LPG-Felder finden sich immer wieder mal große Haufen von Feldsteinen. Diese Steine wandern im Winter aus dem Moränenboden durch Frosthub an die Oberfläche und würden die diversen Landmaschinen irgendwann blockieren. Deshalb sammeln die jetzigen Nachfolger der vor- oder nachkriegs mecklenburgischen Bauern oder der LPG-Arbeiter (wie man will) diese Feldsteine und stapeln sie am Feldrand. Dann kommen kleine blaue Autos mit Rentnerpaaren drin, in diesem Fall, und suchen sich die passenden Feldsteine für die neuerliche Befestigung ihres Gartenteichs. Das fand ich bei diesem windigen Morgenspaziergang alles sehr gut. Vor allem, wenn man sich überlegt, dass diese Steine wohl mit den Gletschermoränen aus der Weichsel-Eiszeit spätestens vor ca.10.000 Jahren von noch weiter aus dem Norden hier angekommen sind. 

23.03.17

Geht man um diese Jahreszeit die Kopfsteinpflasterstraßen, die durch die Felder laufen, am morgen entlang, dann finden sich dort oft kaputte Eier der Graugänse. All jene Brutpaare, die im Schilf des kleinen Moorsees keinen Platz mehr bekommen (also wohl die niederrangigen), weichen offenbar auf die Felder zum Nestbau aus. Und nachts kommen dann die Fressfeinde, wie vielleicht etwa Fuchs, Dachs, Marderhund, Waschbär, normaler Hund, Wolf (?) und tragen die Eier zum Verzehr aus den Nestern. Besonders unschön ist es aber schon, wenn sie ihre Beutestück nicht mal richtig ausschlecken! Das Ei auf dem Foto lag genau so mitten auf dem Weg und war noch halbvoll. Übrigens wiegt ein Gänseei maximal 200g (Hühnerei: ca. 30g), schmeckt intensiver und gilt als Delikatesse unter Menschen.

22.03.17

Der erste sonnige, klare und noch frische Frühlingstag. Am alten Hafen von Wismar kosten die Heringe mit Kopf 3,00€ das Kilo und ohne Kopf 4,00€. Ausserdem essen natürlich alle Anwesenden (Menschen und Möwen) um die Mittagszeit Fischbrötchen.

Auf dem Schild vor dem Fischbrötchenboot steht: "Bitte keine Möven füttern. Sie werden zu Piranhas! Piranhas fressen Menschen, schlagt zurück, esst mehr Fisch!" Das Schild ist neu und ich muss gestehen, dass ich es zufällig erst gelesen habe, nachdem ich mein Fischbrötchen bereits mit einer Lachmöwe, einer Silbermöwe im Balzkleid und einem Mann geteilt hatte. Es war sehr lecker!

21.03.17

Nachdem der gestrige offizielle Frühlingsanfang in Regen und Wind untergegangen war, scheint heute früh unerwartet die Sonne über dem Moorsee! Ausserdem sind die Gänse wieder "richtig" zurück. Angeblich waren sie über die Wintermonate (ca. Dezember bis Mitte März) an der Westküste der iberischen Halbinsel - also etwa in Portugal. Von Wismar bis Lissabon sind es ca. 2900km und als Mensch würde man etwa 30h Auto fahren, um dort zu überwintern (oder 60 Tage zu Fuß gehen). Hier nun brüten jetzt wieder die Graugänse der "östlichen Rasse", also jene mit den orangenfarbenen Füßen und Schnäbeln. Die westlichen Graugänse haben einen gelben Schnabel. Mit ziemlich großem Glück habe ich es erstmals sogar geschafft, eines der ersten Brutpaare auf dem matschigen Acker zu fotografieren. Das ist ziemlich schwierig ohne Tele, weil: a) man einsinkt und nasse Füße bekommt und b) gesagt wird, dass "Graugänse auf jeder Feder ein Auge haben" - und folgerichtig bislang immer sofort weggeflogen sind, wenn ich (plus Hund) daherkam. Wer hier wer ist - keine Ahnung! Männchen und Weibchen sehen wirklich gleich aus. Aber vielleicht finde ich ja sogar noch heraus, wer von den beiden die Eier legt...

18.03.17

Heute beginnen in Wismar die Heringstage 2017 (heringstage-wismar.de). Zwei Wochen lang steht die Stadt nun also unter dem Zeichen des Herings. Die Zeitungen überschlagen sich in ihrer Begeisterung über "das Silber des Meeres" und in den Restaurants und an Straßenständen gibt es nun überall Hering. Zwei Stück mit Beilagen kosten ca. 9.90€ (3 Stück 11.90€). Meine Lieblingszubereitungsart ist: Hering in Mehl gewendet und in Butter und Mandelsplittern gebraten. Als ich vor vielen Jahren in Westjapan gewohnt habe, gab es eine ähnliche Euphorie, denn auch dort lebt man mit dem Meer und den Tierwanderungen darin. An einem lauen Maiabend bin ich die Küste entlang spaziert als plötzlich das Meer zu leuchten begann. Millionen kleiner Pünktchen bewegten sich grün fluoreszierend unter den Wellen. Aus der Ferne konnte ich nicht erkennen, was es war und dachte, das seien einfach nur Algen oder Plankton. Weil Vollmond war, saß ich die Nacht hindurch bis zum Sonnenaufgang auf einem Felsvorsprung über dem Strand und sah den kommenden und gehenden Lichtlein zu. Ich verbrachte die ganze Nacht ganz alleine, ganz verzaubert, an einer Stelle. Am nächsten Morgen laß ich im lokalen "Toyama-Boten" die riesige Schlagzeile: "Die Leuchttintenfische sind eingetroffen! Auf auf, lasst sie uns essen!"

16.03.17

Der ehemalige ev. Pfarrer (zu DDR-Zeiten in Rostock) und aktuell noch Bundespräsident Joachim Gauck, kam auf seiner Abschiedsrunde gestern auch in Wismar vorbei. Ganz kurz. Und wer die die Super Illu liest, erfährt auch immer das Neueste über sein Beziehungsmodell: ein Harem. Er ist nach wie vor mit seiner Ehefrau, mit der er Kinder hat, verheiratet ("der Macho", sagt die Supper Illu). Diese lebt bei Rostock. Aber eigentlich lebt er schon seit 15 Jahren mit seiner ca. 20 Jahre jüngeren Lebensgefährtin zusammen, die ihn offiziell als "Frau Bundespräsident" begleitet (hat). Die Lebensgefährtin verdient ihr eigenes Geld als Journalistin, hat aber durch die Amtszeit einen Karriereknick erlitten. Sie hat keine eigenen Kinder.

Männliche Harems sind häufig in der deutschen Politik. Wissenschaftlich korrekt bezeichnet sind das aber meistens "serielle Harems" (die Frauen also hintereinander...so wie bei Gerhard Schröder oder Willy Brandt). Offensiv "parallel geführte Harems" - hm, eher selten - vielleicht noch Horst Seehofer? Und irgendwie ist man da als Frau einfach ratlos. Ich nehme mir vor, beim nächsten Besuch der Dorfkirche eine kleine Opferkerze für alle Haremsfrauen evangelischer Pfarrer zu spenden!

14.03.17

Die Heringe kommen! Am Rügendamm bei Stralsund wird schon emsig geangelt. Männer (ja...nur Männer...) stehen auf der Brücke, halten einen "Paternoster" ins Wasser und ratzfatz hängen dann da bis zu 6 Heringe dran. Ein Paternoster ist eine Sorte Köder, bei der bis zu 6 Haken im Abstand von einigen Zentimetern übereinander an der Angel ins Wasser geworfen werden. Heringe sind bekannt dafür, dass sie sehr einfach zu angeln sind (als Angel-Laie würde ich sagen: eigentlich der perfekte Anfänger- und Frauenfisch). Sie erinnern mich in ihrem massenhaften Auftreten mit den geöffneten Mäulern etwas an die Sardinen bei Spongebob. Demnächst poste ich dann hier mal Heringsrezepte. Wer möchte, kann auch per E-Mail welche zur Bekanntgabe schicken.

Und noch zur Information: Ostseeheringe sind ökologisch zurzeit sehr korrekt: 1 grüner Punkt vom WWF (fischratgeber.wwf.de). Haben 2016 / 2017 z. B. auch einheimische Karpfen aus Karpfenteichen und Langusten aus Kuba bekommen. Etwas verwirrend, aber egal. Essen wir einfach Heringe!

13.03.17

Montagmorgen und ich bin seit 5:14 wach. Es ist noch gar nicht hell gewesen, aber der frühmorgendliche vorfrühlingshafte Amselgesang beginnt meiner langjährigen gefühlten Erfahrung nach seit einigen Jahren nun schon bereits vor Sonnenaufgang. "Er" trillert und zwitschert aufgeregt aus der dunklen Nacht zu meinem Fenster hinein und im Halbschlaf hört er sich an, als würde da ein popbunter australischer Papagei sitzen. Aber bis auf den orangenen Schnabel sind Amselmännchen ja nun mal einfach nur tiefschwarz, leider. Ob das nächtliche Geflöte jetzt was mit dem Klimawandel zu tun hat oder mit einer neuen Generation europäischer Amselmännchen, die einfach noch früher aufstehen - keine Ahnung. Wissenschaftlich betrachtet jedenfalls singt das Amselmännchen am Morgen aus zwei sich ergänzenden Gründen: es erklärt allen anderen Amselmännchen, dass hier (Garten+Gartenzaun) sein Revier ist und allen anwesenden Amselweibchen, dass es hier präsent ist und sie zu ihm ins Revier, bitteschön, kommen sollen um zu brüten. Wer sich dann mit wem verpaart...und wer welche Amselkinder durchfüttert...ist auch geklärt: ca. 40% der Nestlinge sind nicht vom singenden Revierinhaber sondern von den nicht-so-laut-singenden-aber-sich-trotzdem-verpaarenden-eher-stillen-jungen-Amselmännchen. Also, das heisst dann wohl auch, dass die Amselweibchen auch stille Männchen gut finden!

10.03.17

Der Frauentag wirft lange Schatten. Eine lokale Zeitung druckt 4 Fotos von 4 Kandidatinnen, die auf Listenplatz 1 für Ihre jeweilige Partei für die Bundestagswahl im September 2017 stehen. Und gemeinsam haben diese 4 Frauen, dass sie aus Ostdeutschland kommen. Weiterhin gemeinsam haben 3 von Ihnen, dass sie irgendwie tief im Protestantismus verwurzelt sind. Und eine davon, die Chefin aller Chefinnen, stammt ja sogar fast aus Mecklenburg, also hat zumindest ihren Wahlkreis hier.

Zur Übersicht:

1. Dr. Angela Merkel, CDU, Vater Pfarrer, Brandenburg und dann Mecklenburg

2. Katrin Göring-Eckardt, DIE GRÜNEN, selbst Präses der Synode der Ev. Kirche Deutschlands gewesen, Thüringen

3. Sahra Wagenknecht, DIE LINKE, nicht protestantisch, der verschollene Vater war aus dem Iran, also mit Migrationshintergrund, Thüringen und dann Ost-Berlin

4. Frauke Petry, AfD, von einem ev. Pfarrer geschieden, Sachsen

Bevor wir also die ganze Welt retten, könnten sich die Ost- und die Westfrauen dieser Generation (ca. 40-65 Jahre) ja mal so richtig befreunden, da gibt's ja noch ziemlichen Nachholbedarf - vor allem im Berufsleben. Angela Merkel könnte z.B. mal ihre Büroleiterin gegen eine Westfrau austauschen! Von mir dazu schon mal das passende Foto aus Crivitz: die "Straße der Freundschaft".

08.03.17

Heute ist internationaler Frauentag. Der wurde in der DDR groß gefeiert - im Westen nicht. Dort gab es den "Muttertag". Für alle Frauen heute Tulpen aus der Fußgängerzone in Wismar. Und als Aufruf in eigener Sache: als gelernte Evolutionsbiologin und Affenforscherin bin ich der festen Überzeugung, dass sich auch die menschlichen Geschlechter in ihren Eigenheiten gegenseitig respektieren sollten. Wäre auch klug, nach Millionen Jahren von Evolution wird sich im Kern der Menschen auch die Nächsten 100.000 Jahre, mal sicher, nichts ändern - und auf Details dazu (...) wird an diesem feierlichen Tag natürlich verzichtet!

07.03.2017

Boltenhagen. Vor einigen Monaten waren wir an der Küste spazieren und sind danach Fischbrötchen essen gegangen. Obwohl der Kurort im Sommer ein sehr frequentierter Kurort ist, hat sich bis heute in einem augenscheinlich sehr umsatzstarken Fischbrötchenstand weder IKEA noch eine Mikrowelle durchgesetzt. Bestellt man Backfisch, so wird der bereits gebackene Backfisch rein zur Erwärmung einfach nochmal frittiert (so richtig frittiert!) und man bekommt das Stück mit tropfender Panade auf einem wunderschönen, augenscheinlich historischen Teller aus DDR-Zeiten serviert. Dann steht man im regenkalten Wind und beisst in heissen Backfisch - und das ist ganz toll so. Ich habe schon Angst vor dem Tag, an dem die Pächter wechseln werden, irgendwann - denn dann wird wieder ein Stück gutes Leben verschwunden sein und die neuen Teller werden so trist werden wie jene auf Sylt oder Mallorca es heute schon sind.

02.03.2017

Die Heringe kommen! Im Monat März beginnt jedes Jahr die Heringssaison auch an der mecklenburgischen Küste. Auf dicht-am-fisch.de kann man den Stand der Wanderungen der Heringsschwärme in der Ostsee verfolgen, weil dort Angler berichten, wann sie denn nun wo Heringe angeln. Im Jahr 2016 ging es ab Mitte März so richtig los: Die Heringe kamen! Hier angelt man die "Ostseeheringe" - eine Unterart der normalen (atlantischen) Heringe. Ostseeheringe wandern horizontal, vertikal, saisonal und diurnal - wenn man so will. Im Frühjahr kommen sie an die Küsten. Im Herbst wandern sie ins offene Meer, um dort zu "überwintern". Tagsüber sind sie in der tiefen See und nachts kommen sie an die Oberfläche, um Plankton zu fressen. Also: sollte man in den Nächten im Frühjahr an der Küste Heringe angeln können...Mal sehen, was dicht-am-fisch dazu demnächst zu berichten hat.

28.02.2017

Faschingsdienstag. Hier merkt man davon nichts. Karneval ist kein Thema. Die Schweriner Volkszeitung informiert heute mit einer Grafik und Statistik aus dem Jahre 2014: der Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze beträgt (also: 2014) in Mecklenburg-Vorpommern 21.2%. Berechnungsgrundlage für Armut ist ein Einkommen von < 60% des Medians der gesammelten Werte der bundesweiten Durchschnittsbevölkerung. Ärmer waren 2014 nur noch Sachsen-Anhalt (21.3%) und Bremen (24.3%). Alle anderen waren reicher und am wenigsten Armut gab es in Baden-Württemberg mit 11.4%. Hm. Warum wohl der Median genommen wird...und nicht der Durschschnitt? Und warum man das ausgerechnet mit dreijähriger Verspätung am Faschingsdienstag 2017 wissen muss? Aber zumindest scheint heute etwas die Sonne.

27.02.2017

Wieder Vorfrühling. Schneeglöckchen, etwas Sonne aber doch noch mehr Wolken Die 11°C erlauben mützenloses Spazierengehen. Und dann plötzlich vor mir: ein Zitronenfalter.

26.02.2017

Stralsund. Hier wurde gestern doch glatt Frau Dr. Angela Merkel von ihrem CDU-Landesverband für die Bundestagswahl im September auf Platz 1. der Landesliste gewählt. Mit 95% der abgegebenen Stimmen. Bei der anschließenden Rede sagte sie, u.a. ein Schwerpunktthema in ihrem bevorstehenden Wahlkampf sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für junge Familien. Dann noch die Mütterrente, Algerien, Tunesien und Marokko (als sichere Herkunftsländer...) und mehr Ausgaben für das Militär. Aha. Vor dem Gebäude standen etwa 100 Menschen - die nun inzwischen fast üblichen "Merkel muss weg" Rufer. Das Wahlkreisbüro Merkel befindet sich übrigens in nur etwa 100m Entfernung zum Meeresmuseum zentral in Stralsund gelegen. Dort kann man die Gesänge der Wale anhören - und die sind wunderschön.

24.02.2017

Wismar. Heute kommt im Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern in Wismar ein Film über die Bewohner des Dorfes Jamel. Ein Ehepaar ist in das Dorf gezogen, schon vor langem, und kommt nicht klar dort - aus vielerlei Gründen. Jamel ist ziemlich bekannt geworden dadurch, dass dort im Anhang an das Ehepaar nun jährlich das Festival "Jamel rockt den Förster" stattfindet - eine Initiative gegen Rechtes Gedankengut. Im TV gab es mal eine Doku, bei der ein deutscher Journalist iranischer Abstammung eine Woche lang ein Holzhäuschen auf eine relativ zentral gelegene Wiese gestellt hat und mit den Bewohnern reden wollte. Und jeder Versuch wurde mitgedreht. Dass die Dorfbewohner durch diese Aktionen, an denen (nebenbei bemerkt) ja auch noch so viele finanziell profitieren (der Journalist hat seinen Film verkauft, die Rockstars bekommen Publicity, Zeitungen füllen ihre Seiten etc.), natürlich noch stiller werden, ist ja eigentlich klar. Ein Zeitungsartikel kürzlich dazu hatte den Titel: "Wer nicht reden will, muss schießen". Geschossen hat wohl noch keiner, so richtig, aber die Scheune des zugezogenen Ehepaars ist mal abgebrannt.

21.02.2017

Die goldene Sonnenkugel strahlt vom Ende des schwarzen Baumtunnels in die Kopfsteinpflasterstraße hinein. Ich steige aus, mache ein Foto. Bin geblendet. Für ab Übermorgen ist schon wieder ein Sturmtief angesagt. Diesmal heißt es " Thomas".

19.02.2017

Bushäuschen haben oft einen besonderen Zauber. Das weltweit bekannteste Bushäuschen (obwohl der betreffende Ort dort nur ein Schild ist, ohne Häuschen) mag vielleicht jenes aus dem Anime "Totoro" sein, wo ein kleines Mädchen alleine auf dem japanischen Land des Nachts im Regen auf den Bus wartet und plötzlich der riesige, kuschelige Totoro neben ihr steht. In Mecklenburg könnte man auch derlei Phantasien entwickeln. Vor allem auch deshalb, weil man mit gar nicht so wenig Pech auch mal mehrere Stunden auf einen Bus warten kann. Der Bus von Tressow nach Wismar, zum Beispiel, fährt Mo-Fr je um 7:19, 12:45 und um 14:05. Am Wochenende fährt er überhaupt nicht. So ein ländlicher Busfahrplan Mecklenburgs sollte demnächst auch Martin Schulz interessieren, wenn er es denn ernst meint, mit der "Gerechtigkeit". Oder wie kann man hier sonst ohne eigenen PKW, oder ohne Fahrerlaubnis, oder ohne Dienstwagen mit Fahrer überleben, Frau Merkel?

14.02.2017

Immer Dienstags bekomme ich von mv4you den Newsletter und die aktuellen Jobangebote zugeschickt. Ziel dieser Firma mit Sitz in Schwerin ist es, ehemalige Mecklenburger, die jetzt woanders wohnen, wieder zurück zu holen in den "eigenen" Arbeitsmarkt. Viele Anzeigen finden sich im Bereich der "Hafenwirtschaft" für die Häfen Wismar und Rostock. Am Hafen, oder insgesamt in Häfen dieser Welt zu arbeiten, fühlt sich verlockend an für jemanden, der aus den Nebelfeldern stammt. Vielleicht stimmt das Gefühl - vielleicht auch nicht.

11.02.2017

Informationskasten: Im Dorf B. ist die Bürgermeisterin unter zwei Telefonnummern von Montag bis Freitag jeweils von 8:00 - 18:00 zu erreichen. Und nebenan in der alten Kirche wurde 2012 eingebrochen. Die Diebe klauten kirchliche Kunst und weltliches Mobiliar. Sie stiegen über eine Bank durch das einzige, unvergitterte Fenster ein und hinterließen Fußabdrücke. Auf den Fotos sieht man weißen Staub von Profilen von großen Arbeitsschuhen. Die Pfarrerin der Gemeinde ist noch immer geschockt. Sie sagt, verzeihen könne man ja erst, wenn man wisse, wem.

09.02.2017

Möwen an der winterlichen See. Lachmöwen haben einen schwarzen Kopf und sind klein und laut. Silbermöwen haben einen silbernen Flügelspiegel und sind groß und eher leise. Silbermöwen werden erst zwischen 3 und 7 Jahren geschlechtsreif. Das muss man sich mal vorstellen! Katzen können schon mit etwa 1.5 Jahren Junge bekommen, Pferde mit etwa 3 Jahren -- und Möwen fast noch später. Viel elterliches Investment, bis die erwachsen sind!

06.02.2017

Dieser Winter.

Fahrten von Eisloch zu Eisloch.

Und kein Sonnenstrahl.

In Sicht.

02.02.2017

Pressemitteilung aus dem Arche-Verlag. Eine junge Frau hat NWM verlassen, ist nach Berlin gezogen und hat ein Buch über die von ihr verlassene Heimat geschrieben. 

Aus der Pressemitteilung: "Vornehmlich Männer sehnen sich nach einem traditionellen Familienbild, das Ihnen als Ernährer wieder mehr Bedeutung zukommen lässt. Da machen aber immer weniger Frauen mit. Aus keiner Region in Europa wandern prozentual so viele Frauen ab, wie aus den ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Die Männer bleiben frustriert zurück. Mit den Frauen verschwindet auch das Gefühl, sich dort eine glückliche Zukunft aufbauen zu können."

Buchpremiere ist am 21.2.2017 um 20:00 in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg.

13.01.2017

Der Schneesturm "Egon" ist eingetroffen. Um meiner Gefühlslage Herr zu werden gehe ich trotzdem mit Hund zum Moor. Das nasse Schneetreiben peitscht uns ins Gesicht. Im weißtrüben Himmel sieht man nichts, aber es ist trotzdem laut. Die Gänse schreien und man kann nicht orten, ob sie fliegen oder auf den Feldern sitzen. Auf dem Moorsee liegt wieder eine dünne Eisschicht und oben drauf verweht es den Schnee. Kein Vogel, kein Hase, kein Reh weit und breit. Nur der Hund und ich im Schneetreiben. Das kleine Fischerboot ist voll mit gefrorenem Wasser und die Schilfhalme drumherum sind unter der Schneelast umgekippt. Danach frierend in die Kaufhalle: es gibt noch vier französische Rest-Haustauben. Sie liegen bei den Pommes in der Tiefkühltruhe, Stück je 5,99€. Eine gespenstische Welt.

24.12.2016

Weihnachten, ein Baum, viele Kerzen, fünf Süßigkeitenteller, diesmal, kleine und große Geschenke, kochen, zusammen essen, nachts zur Dorfkirche wandern unter einem funkelnden Stern, singen, danken, hoffen, abgeholt werden, Spiele spielen, lachen, gemeinsam sein, sicher sein, leben.

16.12.2016

Crivitz. Wieder Arbeit in Häusern. Wieder kalt und sonnig. Die Plattenbauten sind halb leer, viele Briefkästen einfach abgeklebt. Eine trostlose Schule und ein unbenutzter Spielplatz liegen davor. Und Graffity an einer der Garagenwände. Auf der Suche nach Leben findet sich um die Ecke eine vertrocknete Hecke voller Sperlinge. Sie erschrecken vor dem Hund und mir, fliegen im Trupp zeternd auf und eine Hecke weiter, diskutieren dort die Plätze, fliegen wieder zeternd auf, ... Ein Mann sieht aus dem Fenster des Erdgeschosses genau über meinem Kopf. Das war wahrscheinlich der erste Lärm hier heute. Ich sehe nach oben, der Hund sieht auch nach oben und was geschieht?: er zieht die Gardine zu. Klar, sieht man sofort - ich bin nicht von hier. Dieser provinzielle Rassissmus kann einfach auch mal nerven. Um die Ecke dann wieder verbeulte Autos, Männer mit Glatzen und Kampfhunde auf dem Beifahrersitz. Der Hund und ich gehen zu langsam über die Straße. Es wird gehupt. Zuletzt waren der Hund und ich, nicht in Berlin, sondern in München von einem BMW angehupt worden. Wahrscheinlich hängt auch hier die Jugend, wie fast überall in der besmartphonten Welt, gerade zuhause mit Smartphone auf dem Sofa. Denn "Freitag ab Eins macht jeder Seins!". Gilt ja immer noch.

15.12.2016

Morgens um 8:15 herrscht Totenstille und Eiseskälte am Moorsee. Der Reif klebt an den Gräsern und auf der hauchdünnen, riesigen Eisfläche spiegelt sich der im Westen untergehende Mond. Als im Osten die orange-gelb-rote Sonne über dem schwarzen Wald aufzugehen beginnt, verwandelt sich die Welt vor mir. 

14.12.2016

Nebel und 4°C. Nebel soweit das Auge reicht. Nebel über den Rübenfeldern, Nebel über dem Kopfsteinpflasterweg, das Schlehengebüsch im Nebel. Alles voll Nebel im Nebelland. Noch neun Tage bis Weihnachten und wenn ich heute irgendwas sicher sagen kann, dann, dass die weiße Weihnacht nicht hier im Landkreis NWM erfunden werden konnte!

Blick auf den Nordteil des großen Sees: Nebel und die Wellen sind so stark, dass sie sogar kleine Schaumkronen bilden. Am Wegrand ein Schild: der Hechtfischer lädt ein. Man kann auf das Boot und mit fischen gehen. Der Hund und ich gehen den Hang runter zum See, werden voll gepustet mit Wind und feinem Regen und Nebel. Zurück im Auto denke ich: trotz allem: besser als die Seen des Voralpenlandes! Weiter zum Einkauf zu Netto. Die Gefriertruhe ist, wie schon oft, etwa auf dem Niveau der KaDeWe Feinkostwarenabteilung. Heute befinden sich dort: Stubenküken, Wachteln, Gänse in allen Größen und: viele Meerwasser-Lachsforellen von ca. 70cm Länge! Vor vier Wochen gab es Perlhühner und Tauben. Wegen der anstehenden Festtage, die wir nun zu Viert und Fünft verbringen werden, wähle ich eine polnische Hafermastgans-nicht Lebendrupf-nicht gestopft (4800g für 16,99€), zwei frische Wachteln (wie klein die sind) für 3,04€ und eine riesige Forelle für 11,75€. In der Kassenschlange sind die Menschen sehr freundlich zueinander - in etwa das Gegenteil zum Berliner Einkaufsalltag. Auch ihre Einkäufe sind bemerkenswert. Die Frau hinter mir kauft 8 kg Orangen, eine Gurke und einen kleinen Wacholderschnaps. Der Mann hinter der Frau kauft getrocknete Röstzwiebeln und eine Flasche Klaren. Ein Rentner hat die Bildzeitung in der Hand, ein (ein!) Brötchen und eine Flasche Kräuterschnaps. An der Bäckerei sind wie immer die beiden runden Tische besetzt mit jungen Frauen, die rauchen und von poppig bunten Kinderwägen umringt sind. Sie unterhalten sich angeregt über Schlagzeilen. An der Theke ein Schild: wir nehmen keine 200€ und 500€ Scheine mehr an. Alles klar, im Nebelparadies!

10.12.2016

Derzeit sind es sieben Hühner und ein Hahn der Rasse "Italiener" im Garten. Die Hühner haben einen abgegrenzten Bereich und ein Hühnerhaus mit 4 Legenestern.  Weil wir mehr Eier wollen und brauchen, wollen wir ab nächstem Frühjahr mehr Hühner haben und planen, 10 dazu zu kaufen. Ich bin wegen Informationsbedarf zu schicken und gut putzbaren Hühnerhäusern und guten Hühnerrassen ("Zweinutzungshühner" = viele Eier und viel Fleisch) nun auf Facebook einer Hühnergruppe beigetreten. Der erste Post, den ich erhielt, bestand aus einem Foto, auf dem silberne Federn zu sehen waren. Drunter stand: "Mein neuer Seidenhahn ist weg!" In den Kommentaren entzündete sich eine hitzige Diskussion darüber, ob auch Habichte Hühner schlagen, oder nur Bussarde. Da 500m von unserem Garten entfernt gelegentlich ein echter Seeadler (jawohl!) fliegt, hat mich das doch alles etwas beunruhigt, mit diesen Greifvögeln vor Ort. Der zweite Post, den ich erhielt, enthielt ein Foto von einem Thermomixer mit einem braun-orange-farbenen Brei darin. Die Frau schrieb, sie mache täglich 2x Salat für ihre Hühner im Thermomixer, inkl. eigener Biokarotten, Bioquark und Biokörnern. Der Dritte Post bestand aus einem Küken, das auf dem Kopf einer Katze saß. Die Facebook-Hühnergruppe überfordert mich.

02.12.2016

Heute in Neustadt-Glewe gewesen. Eigentlich bekannt wegen Paul Schockemöhles Gestüt. Arbeiten an einer Wohnung am Stadtrand zwischen alten Plattenbauten und neueren Häusern von nach der Wende. Ich gehe spazieren. Hinter den Häusern ein verwildertes Feld und das Rauschen der Autobahn. Zwischen den alten Platten ahnt man noch das Lebensgefühl von früher, von damals, in diesem anderen, verschwundenen Land. Es gibt die immer noch benutzten Trampelpfade auf dem Rasen zwischen den Häusern, Wäscheständer, und diese Garagen, mit diesen Holztüren. Im Netto sind vor allem junge, füllige Mütter mit Babies in allen Größen. Eine alte Frau lächelt mich an und ich bin überrascht. Kommt in Berlin ja doch eher selten vor. Der Hund findet die hiesigen Gerüche äusserst interessant. Persönlich trifft er aber eigentlich nur auf Kampfhunde. Ansonsten viele zerbeulte Autos, meistens Golf. Und dann plötzlich um die Ecke: ein Geburtstagsauto! Zum 18ten und zum Führerschein für Annika. Alles Gute, dir, liebe Annika!

01.12.2016

Kalter Regen, Wind und grauer Himmel. Die Hühner sind in der Mauser und verlassen selbst tagsüber den Hühnerstall nicht mehr freiwillig. Wenn man sie rausschubst rennen sie einmal aufgeregt im Kreis und dann wieder rein. Eier legen sie seit ein paar Wochen nun gar keine mehr, nachdem die Legeleistung ja den ganzen Sommer über gut war, befinden sich jetzt Null Eier in den Nestern. Ausserdem herrscht hier auch noch angeblich mal wieder die Vogelgrippe und damit sowieso Stallpflicht. Am Nordufer des Schweriner Sees wurde eine tote Ente gefunden. Oh je...

Lichtblicke im Regen bringt manchmal das Internet. Habe eine Facebook-Seite neu entdeckt, bzw. wurde zufällig durch kulinarische Wünsche drauf gestossen: DDR-Kinder. Mit Rezepten aus der DDR. Also heute zum Beispiel Soljanka mit Kirschtomaten und Ketchup. Da war die DDR den westdeutschen Gourmets aber weit voraus. Im ländlichen Niederbayern meiner Kindheit gab es beides nicht -- also weder kirschgroße Tomaten noch Ketchup. Und Wurst, das möchte ich mal sagen dürfen, tat man einfach nicht in Suppen. Trotzdem werde ich nicht dran vorbeikommen, das Nostalgie-Gericht mal zu kochen, denn es ist ein Wunsch.

30.11.2016

Über die Nacht hört der Wind auf und die Wolken verschwinden Richtung See. Am Morgen ist die Luft glasklar, kalt und eine weiß-gelbe Sonne steht tief am Osthimmel und scheint mir über das LPG-Rübenfeld ins Gesicht. Leider sind die Singschwäne noch nicht eingetroffen. Letztes Jahr waren mehr als 200 von ihnen hier tagsüber auf dem Feld und sind dann immer in der Abenddämmerung zum Moor runtergeflogen, singend natürlich. Ich mag ihre gelben Schnäbel.

29.11.2016

Ich sehe die lokalen Nachrichten abends im TV. Die Müritzfischer haben einen neuen Praktikanten: ein etwa 30-jähriger, fließend Französisch sprechender Mann aus dem Senegal. Er ist seit drei Monaten in Mecklenburg, Deutsch sei schwierig, aber er könne die 11 Fischarten, mit denen er zu  tun habe, bereits benennen. Ein Flüchtling, so genannt, der auch im Senegal Fischer war. Er steht in dicken gelben Fischerklamotten auf einem Boot und fährt über die spiegelglatte Müritz. Dann kommt das Boot zurück und er hieft drei große Hechte in eine Plastiktonne. Danach befindet er sich im Kühlhaus, steht zwei Frauen gegenüber und nimmt einen etwa 1m großen Wels aus. Der Chef sagt im Interview, dass die einheimischen Damen und Herren sich nicht mehr in der Kälte die Hände schmutzig machen möchten. Es fehle der Nachwuchs und den Flüchtling, so genannt, würde er gern einstellen. Meine Nachbarn in Berlin kamen vor zwei Wochen aus dem Senegal zurück. Sie hatten einen prima Urlaub dort, haben etwas bei einer NGO mitgemacht, die den Straßenkindern (eigentlich: den Straßenjungs) hilft, sind auf Kamelen geritten und mit dem Auto zur Safari in ein tolles Naturschutzgebiet gefahren. Der Senegal wird bald das neue Mallorca der Deutschen, könnte man fast denken, wenn man ihre Fotos ansieht. Und ich schlußfolgere: Dieser neue Müritzfischer könnte hier jemanden ausgetrickst haben. Na und?

18.11.2016

Hundespaziergang. Ich trete aus dem Gartentor heraus und stehe auf dem Kopfsteinpflasterweg. Die 50m bis zum Ortsschild muss der Hund an der Leine gehen, links neben mir. Ab dem Ortsschild darf er losrennen. Seine Schlappohren fliegen über die Rübenfelder soweit das Auge reicht und ich hoffe nur, dass er nicht schon wieder einen Feldhasen aufstöbern wird. Am Horizont sieht man verdorrte, knorrige schwarze Riesenbäume und aus den Toteislöchern wachsen viele Büsche mitten in den Feldern. Gut, dass hier mal die skandinavischen Gletscher waren. Seit dem schweren, nassen Schneefall vor ein paar Tagen sind überall am Wegrand noch abgeknickte Äste. Die Wolken ziehen von Süd nach Nord Richtung Meer und wenn man von der Anhöhe aus Richtung Süden blickt sind sie schwarz, dann kommen alle denkbaren Grautöne und in Richtung Norden zur Ostsee hin werden sie weiß. Ein bunter Novemberhimmel über uns. Ich sehe plötzlich kleine blaue Kugeln an den blattlosen Büschen am Wegrand: Schlehen! Schlehen sind rund, tiefblau, haben einen Mini-Pflaumenkern in sich drin und sind, wenn man sie denn in den Mund nimmt, wahnsinnig bitter. Ich kenne nur eine einzige weitere Frucht mit dieser extremen Bitterkeit in sich: wilde Kaki in Japan. Wilde Kaki sind etwa doppelt so groß wie diese kleinen Schlehen und von Oktober bis Januar fressen die Affen, Rehe und Vögel auf den südlichen japanischen Inseln im Pazifik diese schlehenbitteren wilden Kaki mit großem Gezeter. Hier ist kein Vogel, kein Reh und es befindet sich auch kein Affe nahe des Schlehengebüschs. Nur der Hund und ich und der Novemberwind.

17.11.2016

Ich fahre mit dem Hund mittags zu einem Spaziergang an die Ostsee. Nach tagelangen Schnee- und Regenschauern nun Windstille und mit einer Temperatur von 9°C richtig warm. Wolkenfetzen ziehen dahin und die Wellen plätschern sanft an den Strand. Im Sand bilden sich feine Rippen. Auf dem Strand liegen Tonnen von faulendem Seetang in denen tote Fischgräten vor sich hingammeln - und der Hund freut sich.  Gestern war der Supermond am Nachthimmel und heute sehe ich hier diese roten, ebefalls toten Feuerquallen im Saum des Winterwassers. Habe bislang hier ja immer nur Ohrenquallen gesehen. Im August sind wir sogar durch Wände aus glibberigen Ohrenquallen geschwommen. Nun die erste Feuerqualle! Lebendig wären sie lebensgefährlich.

16.11.2016

Fahre zum Einkaufen in die nächste kleine Stadt. Eine sehr kleine Stadt, die aber drei Kaufhallen hat: Netto, Aldi und Edeka. Ich wähle Netto, da die Nahrung ja frisch und gesund, aber eben auch für ein paar Tage günstig zu erwerben sein sollte. Ich suche Gries und suche Linsen. Finde keins von beiden und frage die junge Hilfsverkäuferin, die gerade sorgfältig dabei ist, Cola in den riesigen Plastikflaschen einzuräumen.

Sie: Gries? Linsen? Warum?

Ich: Zum essen!

Sie: Hm. Muss ich nachdenken.

Sie denkt nach und ich sehe ihr dabei in den Ausschnitt ihres blauen Arbeitskittels. Ein Tattoo mit Stacheldraht und den üblichen Symbolen der Gegend zieht sich bis an den Hals hoch. Wir gehen zu einem Regal. Sie drückt mir eine Fertigpackung für Griesbrei in die Hand. Wir gehen zwei Regale weiter. Sie drückt mir eine große Dose Linseneintopf mit Schweinebauch in die Hand.

Ich verzichte auf weitere Fragen oder gar besserwisserische Erklärungsversuche, bedanke mich und stelle, als sie wieder bei den Colaflaschen ist, beides verstohlen zurück in die Regale. Dann wähle ich eine Kohlrübe von der Grösse einer mittleren Wassermelone zum smarten Preis von 0,59€. Dazu frisches Kassler für den Rübeneintopf - das sollte schmecken.

01.11.2016

Wir liegen nachts im Bett bei offenem Fenster Haut an Haut aneinander geschmiegt. Ich liebe die kühle Nachtluft und die leisen Töne aus dem Moor. Im Frühjahr die Frösche, im Sommer das nächtliche Summen der Zikaden und Heupferdchen. Aber jetzt im Spätherbst, diese Gänse! Selbst in tiefdunkler Nacht, morgens um 2:30, unterhalten sie sich noch. Tausende von Gänsen die nachts nicht schlafen. Muss das Reisefieber sein.

31.10.2016

Nach 4-stündiger Autofahrt mit einer Großfamilie aus Bayern, die uns für ein paar Tage besuchen wird, endlich wieder am Moor. Zurück im Wind und in den Wolken und als die Dämmerung anbricht kommen von Osten her die keilförmigen Graugänsefamilien am Himmel angeflogen.  Das älteste, erfahrene Weibchen vorne an der Spitze und ihre Töchter, Nichten, Neffen usw. hinterher. Gelegentlich fliegen in den einzelnen Keilen auch Freunde der Familie mit. Obwohl sie wirklich weit oben am Himmel fliegen hört man ihr Geschrei lange bevor man sie dann sieht. Und immer dann, wenn eine der kleinen Familien auf dem See landet, werden alle dort schon ruhenden Gänse offenbar wieder aufgemischt. Der See wird mit jeder ankommenden Gänsefamilie laut, wahnsinnig laut und dann wieder ruhig.

Die Kinder fragen: Wo kommen die her?

Ich: Die kommen von den Feldern rund um den Schweriner See und schlafen in der Nacht immer hier auf dem Moor.

Die Kinder: Warum?

Ich: Weil sie auf dem großen Moorsee hier sicher sind und deshalb gut schlafen können. Das ist total wichtig für die Gänse gerade um diese Jahreszeit weil sie ja bald losziehen und tausende von Kilometern in den Süden zum Überwintern fliegen. Da müssen sie echt ausgeschlafen sein!

Die Kinder: OK.

05.05.2016

Fahrt nach Putbus auf Rügen. Zwischenhalt in Prora. Völlig ver-rückter, aus der Zeit gefallener, spannender Ort. Zwischen 1936 - 1939 als KdF (Kraft durch Freude) Anlage gebaut worden. Nach dem Krieg und in der DDR dann verfallen. Ein Ort, an dem mal kilometerlang gleichförmige Häuser für 20.000 Menschen gebaut wurden. Jetzt sollen dann irgendwie Ferienapartments, oder so, draus werden. Zwischendurch gibt es Techno-Festivals am Meer. Alles direkt am Strand. Wir klettern zusammen über das Tor, ich sammle ein Stück verrosteten Stacheldrahts (vielleicht eher aus DDR als aus Nazi-Zeiten) und grüble lange darüber nach, wer denn wohl dieses wunderbare Tor geschmiedet haben könnte. Dem unbekannten Meister sei hiermit ein kleines Denkmal gesetzt.

02.05.2016

Im Wonnemonat Mai stehen auch in der mecklenburgischen Natur alle Halme nach oben. Die Hunde jagen (streng geschützte) Feldhasen, die Männer jagen (?) Frauen, und die Frauen (ebenfalls streng geschützt) machen Fotos und laufen, im Gegensatz zu den Feldhasen, einfach nicht schnell genug davon. So ist das Leben. Und das ist gut so.

18.04.2016

Kleine Boote im Schilf laden zum Verweilen ein. Und wenn keiner zusieht, dann kann man damit auch etwas auf stillen Wässern durch die Schilfhalme gleiten. Im Schilf wiederum brüten um diese Jahreszeit die Graugänse. Gerade mal zurück aus dem Süden verpaaren sie sich schnell und legen ihre Eier entweder, ausgesetzt, auf die Raps- und Rübenfelder der Gegend, oder sicherer, in Nester im Schilf. Das Schilfmoor ist nachts voller Töne. Am lautesten sind, neben Fröschen und Kröten, die Rohrdommeln.

27.03.2016

Am Ostersonntag morgens um Neun bei kaltem stürmischen Wind kreist ein Seeadler über dem Moorsee. Ich stehe unter ihm auf der nassen, kalten, tiefen Wiese mit Fernglas und Genickstarre. Unter ihm fliegt die ganzen 45min, die ich ihm zusehe, eine Satellitenkrähe. Dann wird es mir einfach zu kalt. Leider!

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